Zehn Bergsteiger bei Attentat in Pakistan erschossen

Anschlag am Nanga Parbat

Zehn Bergsteiger in Pakistan erschossen

Bei einem Anschlag im Norden Pakistans sind neun ausländische Touristen sowie ein Bergführer getötet worden. Die Angreifer hatten nach Polizeiangaben ein Hotel in der Nähe des Berges Nanga Parbat gestürmt. Zu dem Attentat bekannte sich eine Extremistengruppe sowie die Taliban.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi

Die Angreifer drangen nach Mitternacht Ortszeit in das Hotel in der Nähe des Basislagers des Nanga Parbat ein. Es liegt in rund 4000 Meter Höhe, im pakistanisch kontrollierten Teil der Provinz Kaschmir. Die Angreifer töteten nach Polizeiangaben fünf Ukrainer, drei Chinesen, einen Russen und ihren pakistanischen Bergführer.

Nach Angaben des pakistanischen Innenministers trugen die Angreifer Uniformen der örtlichen paramilitärischen Polizei. Bis zu 20 Bewaffnete drangen demnach im Schutz der Dunkelheit in die Unterkunft der Bergsteiger ein und eröffneten das Feuer. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Der Nanga Parbat in Pakistan (Bildquelle: AP)
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Der Nanga Parbat, den die Getöteten besteigen wollten, ist der neunthöchste Berg der Welt und bei Bergsteigern beliebt.

Mehrere Gruppen bekennen sich zu der Bluttat

Es gibt zwei Bekenntnisse mit unterschiedlichem Wortlaut für die mörderische Bluttat. Zuerst übernahm die sunnitisch-extremistische Gruppe Jundullah die Verantwortung. Sie ist bisher vor allem durch Anschläge auf die schiitische Minderheit Pakistans aufgefallen. Jundullah, die Soldaten Gottes, rechtfertigten die Attacke damit, dass Ausländer Feinde des Islam seien.

Wenig später bekannten sich dann die pakistanischen Taliban. Nach ihren Angaben war der tödliche Überfall ein Racheakt für einen US-amerikanischen Drohnenangriff, bei dem im vergangenen Monat einer ihrer Anführer ums Leben gekommen war. Die Taliban reklamierten für sich, dass die Gruppe Jundullah in ihrem Auftrag gehandelt habe. Die Islamisten kündigten weitere Angriffe auf Ausländer an.

Islamisten töten Bergsteiger am Nanga Parbat im Norden Pakistans
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
23.06.2013 15:49 Uhr

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Großes Sicherheitsaufgebot an der Grenze zu China

Die Regierung in Islamabad hat ein großes Sicherheitsaufgebot in die entlegene Region an der Grenze zu China geschickt, die bisher als vergleichsweise sicher galt. Ausländer sind in diesem Gebiet zuvor noch nie angegriffen worden.

Das krisengeschüttelte Pakistan ist kein klassisches Touristenziel. Doch der Norden des Landes ist bei Extrem-Bergsteigern beliebt. Hier formen Himalaya, Karakorum und Hindukusch eine spektakuläre Gipfellandschaft.

Der Nanga Parbat, den die Getöteten besteigen wollten, ist der neunthöchste Berg der Welt. Zur Zeit sollen rund 40 Bergsteiger am Nanga Parbat unterwegs sein. Die Klettersaison in Pakistan geht von Juni bis August. Hauptanziehungspunkt ist der K2, der zweithöchste Berg der Welt.

Karte: Nanga Parbat, Pakistan
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Im bergigen Norden Pakistans wurde eine Gruppe ausländischer Touristen getötet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juni 2013 um 09:55 Uhr.

Stand: 23.06.2013 13:33 Uhr

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