Pakistanische Soldaten erreichen die Universität. | Bildquelle: AP

Tote bei Anschlag auf Universität Angriff auf das moderne Pakistan

Stand: 20.01.2016 17:18 Uhr

Erneut sind bei einem islamistischen Anschlag in Pakistan zahlreiche Menschen getötet worden, erneut reagieren die Politiker des Landes hilflos. Nach dem Angriff auf die Bacha-Khan-Universität in Charsadda wächst die Wut der Bevölkerung über den anhaltenden Terror.

Von Jürgen Webermann, ARD Neu-Delhi

Die Angreifer kamen gegen 09:30 Uhr. Sie waren in dicke Schals eingehüllt und im dichten Nebel von weitem offenbar nicht als Terroristen zu erkennen. Sie kletterten über eine Außenmauer, bewaffnet mit Maschinengewehren und wohl auch Sprengstoffgürteln.

Ein Student, der sich zu dem Zeitpunkt auf dem Campus der Bacha-Khan-Universität befand, steht auch Stunden später noch deutlich unter Schock: "Wir haben Schüsse gehört. Es wirkte so, als würden sich da Leute gegenseitig bekämpfen. Dann nahm der Lärm zu, und es hieß, wir sollten in den Räumen der Universität bleiben. Dann kamen die Sicherheitskräfte".

Hunderte konnten sich in Sicherheit bringen

Die Wächter, die den Campus schützen sollen, feuerten offenbar sofort zurück. Auch mindestens ein Dozent soll mit einer Pistole auf die Angreifer geschossen haben, berichten Augenzeugen. Der Lehrer wurde demnach anschließend selbst getroffen. Andere Augenzeugen schilderten, dass die Angreifer mehreren Studenten in den Kopf geschossen hätten. Sie hätten keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht. Hunderte junger Menschen konnten sich dennoch in Sicherheit bringen.

Spezialeinheiten der Armee und der Polizei rückten kurz nach den ersten Schüssen an. Mit einem massiven Aufgebot töteten sie nach eigenen Angaben vier Extremisten und durchsuchten das Gelände anschließend. Dann erklärten sie die Operation für beendet.

Angriff auf Universität im Nordwesten Pakistans
tagesschau24 11:15 Uhr, 20.01.2016, Andreas Caspari, ARD-aktuell

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In der Bacha-Khan-Universität sind etwa 3000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben, die Universität wurde 2012 gegründet. Sie gilt als liberal und modern. Bacha Khan, der Namensgeber, war einst ein Mitstreiter Gandhis, der gewaltfrei gegen die Kolonialherrschaft der Briten kämpfte.

Heute ist sein Todestag, Khan starb 1988. Zu Khans Ehren sollten Lesungen an der Universität stattfinden, möglicherweise waren diese Veranstaltungen das Ziel der Angreifer. Die Lesungen sollten aber erst eine Stunde nach dem Angriff beginnen.

Hilflose Politik

Viele Pakistaner reagierten wütend auf den Angriff. Die Politik zeigte sich hilflos. Premierminister Nawaz Sharif sagte, seine Regierung versuche weiter, den Terror im Land auszumerzen. Der derzeit bedeutendste Politiker im Nordwesten Pakistans, der frühere Kricketstar Imran Khan, stellte sich den Reportern in Charsadda. "Ich bin erschüttert über die Tat und fühle mit den Familien der 19 Opfer. Ich bete für sie. Wir müssen aber noch alle Details des Anschlags ermitteln", sagte er.

Eine Gruppe der pakistanischen Taliban übernahm die Verantwortung, sie ist in der Gegend um Peschawar aktiv. Der offizielle Sprecher der Extremisten dementierte jedoch kurz darauf und sagte, dass die Taliban für die "unislamische" Tat nicht verantwortlich seien.

Die Taliban bilden in Pakistan ein sehr loses Netzwerk. Einige andere Gruppen stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, und auch der "Islamische Staat" soll in Nordwestpakistan aktiv sein. Eine Gruppe, die dem IS die Treue geschworen hat, soll bereits im Dezember einen Anschlag in der Region verübt haben.

Schwierige Sicherheitslage

Ende 2014 hatten Extremisten eine Schule in Peschawar, der wichtigsten Stadt in Nordwestpakistan, angegriffen - und dabei mehr als 130 Kinder getötet. Die pakistanische Armee verstärkte daraufhin ihre Offensive gegen die Extremisten, die rund um Peschawar sowie entlang der Grenze zu Afghanistan Rückzugsräume hatten.

Außerdem ließ Pakistan unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung Hunderte zum Tode verurteilte Häftlinge hinrichten. Tatsächlich ging die Zahl der Anschläge 2015 deutlich zurück. Der Angriff heute zeigt aber, wie schwierig die Sicherheitslage in Pakistan weiterhin ist.       

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