Pakistan mit Lahore

Taliban bekennen sich zu Attentat Tote bei Anschlag auf Kirchen in Pakistan

Stand: 15.03.2015 11:25 Uhr

Bei einem Doppelanschlag auf zwei christliche Kirchen in der ostpakistanischen Stadt Lahore sind mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Zwei Attentäter sprengten sich während des Gottesdienste in die Luft, teilte die Polizei mit. Eine Splittergruppe der Taliban bekannte sich zu der Tat.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Nach Angaben von Augenzeugen sprengten sich zwei Selbstmordattentäter vor den beiden Kirchen - eine katholische und eine protestantische - in die Luft, als dort gerade Gottesdienste gefeiert wurden.

In dem christlich geprägten Stadtviertel, in dem sich die beiden Gotteshäuser befinden, gab es unmittelbar nach den Explosionen spontane Protestkundgebungen. Ein Mann soll dabei von wütenden Demonstranten getötet worden sein. Ob er in die Anschläge auf die Kirchen verwickelt war, ist unklar.

Eine Gruppe aus dem Netzwerk der pakistanischen Taliban übernahm die Verantwortung für die Bombenexplosionen. Die Taliban in Pakistan bestehen aus geschätzt etwa 50 verschiedenen Splittergruppen.

Pakistanische Christen versammeln sich nach dem Anschlag vor den beiden Kirchen in Lahore. | Bildquelle: AFP
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Pakistanische Christen versammeln sich nach dem Anschlag vor den beiden Kirchen in Lahore.

Frauen trauern in Lahore um ihre Angehörigen, die bei den Anschlägen ums Leben kamen. | Bildquelle: REUTERS
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Frauen trauern um ihre Angehörigen, die bei den Anschlägen ums Leben kamen.

Christen geraten zunehmend ins Visier der Taliban

Pakistans Christen sind immer wieder Ziel von Anschlägen. Im Herbst 2013 starben etwa 80 Menschen, als Selbstmordattentäter eine Kirche in Peschawar im Nordwesten des Landes angriffen.

Der politische und juristische Rückhalt für Christen ist zudem sehr schwach. Hochrangige Richter und Politiker befürchten häufig, selbst ins Visier von Extremisten zu geraten.

Strenge Blasphemiegesetze, viele Verleumdungen

Außerdem gibt es in Pakistan strenge Blasphemiegesetze, nach denen in Pakistan vor allem Angehörige nicht-muslimischer Religionsgruppen immer wieder zu harten Strafen verurteilt werden. In einigen Fällen reichen schon Gerüchte, um die Betroffenen ins Gefängnis werfen zu lassen.

Auch kommt es regelmäßig zu Angriffen auf Menschen, die angeblich den Koran oder den Propheten Mohammed verunglimpft haben sollen. So wurde im vergangenen Herbst ein Paar getötet, das angeblich den Koran geschändet haben soll. Dutzende Menschen schlugen die beiden mit Stöcken und schleiften sie anschließend an einen Traktor gebunden durch ihren Ort.

Im Jahr 2011 erschossen Extremisten den Gouverneur der Provinz Punjab, der sich für eine Christin eingesetzt hatte, die wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden war. Ein Gericht hatte das Urteil im vergangenen Jahr bestätigt. Nun muss das Oberste Gericht Pakistans entscheiden. Frauen aus dem Dorf der Christin hatten sich darüber beschwert, dass sie sich beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert habe. Ein Geistlicher brachte sie daraufhin zur Polizei. Der Imam bezeichnete das Todesurteil als "Sieg für den Islam".

Auch Muslime geraten immer wieder in Konflikt mit dem Blasphemiegesetz. Häufig stecken hinter den Anschuldigungen rivalisierende Gruppen. Versuche, das Gesetz zu entschärfen, sind bislang gescheitert. Vor allem Geistliche und ihnen nahestehende Politiker verhinderten immer wieder eine Reform.

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