Armeechef Raheel Sharif (2. von rechts) im Gebet | Bildquelle: AFP

Nach Angriff im pakistanischen Quetta Schwierige Suche nach den Hintermännern

Stand: 25.10.2016 16:29 Uhr

Nach dem Angriff auf eine Polizeischule im pakistanischen Quetta mit etwa 60 Toten kursieren verschiedene Theorien über die Hintermänner. Die Behörden sprechen von einer Spur nach Afghanistan, doch auch viele Gruppen aus Pakistan selbst kommen infrage.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Während viele der Polizeikadetten in Quetta in Krankenhäusern um ihr Leben kämpfen, feiern andere in Islamabad das Ende ihrer Ausbildung, gemeinsam mit Pakistans Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan. Seine Reaktion auf den Angriff auf die Polizeischule - Hilflosigkeit, in wenigen Worten ausgedrückt: "Es ist ein sehr trauriger Zwischenfall, für ganz Pakistan. Ein schmerzhafter Zwischenfall, der wertvolle Leben ausgelöscht hat. Viele Menschen wurden zu Märtyrern. Lasst uns für sie und die Verletzten beten."

Der mächtige Armeechef Pakistans, Raheel Sharif, zeigte sich in Quetta, ebenfalls im Gebet. In der südwestpakistanischen Stadt wurden die ersten Opfer des Anschlags beerdigt. Premierminister Nawaz Sharif besuchte umgehend Verletzte im Krankenhaus.

Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi, zur Situation in Pakistan
tagesschau24 12:00 Uhr, 25.10.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Behörden zeigen auf Afghanistan

Wie immer nach solchen Anschlägen kursieren wilde Theorien durch Pakistan. Die Behörden sprechen von einer Spur ins benachbarte Afghanistan. Einige Zeitungen vermuten, dass die Angreifer auch vom Erzfeind Indien unterstützt wurden. Die Beziehungen beider Länder sind derzeit besonders schlecht, seit Extremisten vor einigen Wochen eine indische Militärbasis angegriffen hatten. Indien behauptet, die Täter seien aus Pakistan über die Grenze nach Indien gekommen.

Mit dem Finger auf die Nachbarländer zu zeigen - das gehört in der gesamten Region und nicht nur in Pakistan zum politischen Repertoire. Allerdings glauben viele Menschen solchen Hinweisen - so auch diese Anwältin in der Stadt Lahore: "Aber wer genau sind diese ausländischen Kräfte, die unser Land regelrecht zerfressen? Unsere Regierung sollte das endlich mal öffentlich machen. Wir sollten wissen, wer das böse Spiele mit uns spielt?"

Armeechef Raheel Sharif (2. von rechts) im Gebet | Bildquelle: AFP
galerie

Unter den Trauernden in Quetta ist auch Armeechef Sharif (zweiter von rechts).

Pakistanische Taliban noch sehr aktiv

Was die jüngste Tat in Quetta angeht, kommen vor allem in Pakistan selbst viele Gruppen infrage: Noch immer sind die pakistanischen Taliban im Land sehr aktiv, obwohl die Armee seit zwei Jahren entlang der Grenze zu Afghanistan versucht, ihnen die Rückzugsgebiete zu nehmen. Tausende Menschen sind während der Kämpfe dort gestorben.

Die pakistanischen Taliban sind ein loser Zusammenschluss mehrerer Gruppen. Viele der Extremisten waren vom pakistanischen Geheimdienst ausgebildet worden, um im ewigen Konflikt in der umstrittenen Region Kaschmir gegen Indien zu kämpfen. Inzwischen wollen sie Pakistan in einen streng islamischen Staat umbauen. Rund um Quetta sorgen außerdem Separatisten für Unruhe, die die Provinz Balutschistan, zu der die Stadt gehört, von Pakistan loslösen wollen. Allerdings trauen ihnen Beobachter derart umfassende Anschläge wie auf die Polizeischule eher nicht zu.

Viele Tote nach Anschlag auf Polizeischule in Pakistan
Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi, 25.10.2016, tagesschau 12:00 Uhr

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Gute Terroristen"?

In Quetta haben außerdem die afghanischen Taliban ihre Basis. Hier sind ihre Anführer jahrelang offen aufgetreten, sie wurden auch von pakistanischen Sicherheitskräften geduldet, die sie als "gute Terroristen" einordneten, weil sie lediglich in Afghanistan Terror verbreiteten.

Auch der derzeitige Anführer der afghanischen Taliban, Mullah Akhundzada, soll bis vor wenigen Monaten in Quetta gepredigt haben, ohne dass er dabei von Polizei oder Armee gestört worden wäre.

Und es gibt inzwischen auch in Pakistan offenbar Gruppen, die dem sogenannten Islamischen Staat (IS) zuzuordnen sind. Die pakistanische Armee musste vor wenigen Wochen einräumen, dass der IS in Pakistan aktiv ist, wobei viele Details noch unklar sind. Ein Sprecher sagte damals: "Ja, es stimmt. Die Gruppe versucht, auch bei uns aktiv zu werden. Es gibt hier mehrere Zellen, die ich als die Kerngruppe bezeichnen würde. Dabei handelt es sich allesamt um Kämpfer, die vorher noch anderen Gruppen in Pakistan die Treue geschworen hatten und übergelaufen sind."

Der IS veröffentlichte inzwischen ein Foto, auf dem drei junge Kämpfer mit Maschinenpistolen und Sprengstoffwesten zu sehen sind. Ob die Männer auf dem Bild identisch mit den Angreifern sind, ist aber noch unklar.

Drei Angreifer, etwa 60 Tote

In Quetta hatten mindestens drei Extremisten die Polizeischule angegriffen. Sie erschossen die Wachen und drangen dann offenbar gezielt zu den Schlafsälen vor. Viele Kadetten schliefen bereits, die Angreifer schossen wahllos auf die jungen Männer. Außerdem nahmen sie Geiseln. Nach Gefechten mit den angerückten Sicherheitskräften sprengten sich zwei der Angreifer in die Luft, ein Dritter wurde erschossen.

Die meisten Polizeianwärter starben nach offiziellen Angaben durch die Bombenexplosionen. Einige waren aber anscheinend auch ins Kreuzfeuer geraten. Es sei für die Spezialeinheiten sehr schwer gewesen, Freund und Feind zu unterscheiden, sagte ein Polizeisprecher. Und so ist die Furcht zurück in Pakistan.

Im vergangenen Jahr und auch Anfang dieses Jahres schien es, als könne sich Pakistan tatsächlich etwas aus dem Griff des Terrors befreien. Die Zahl der Anschläge hatte sich deutlich verringert. Viele Menschen schrieben diesen vermeintlichen Erfolg der Armee und ihrer Offensive in den Grenzgebieten zu Afghanistan zu. Armeechef Sharif gilt seit längerem als eine der populärsten öffentlichen Figuren im Land. Doch spätestens seit dem Angriff auf die Polizeischule in Quetta ist klar: Die Terrorgefahr in Pakistan ist noch lange nicht gebannt.

Nach dem Anschlag in Pakistan
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
25.10.2016 15:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 25. Oktober 2016 die tagesschau um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 12:15 Uhr.

Darstellung: