Rettungskräfte vor Sufi-Schrein in Pakistan | Bildquelle: AFP

Pakistan 20 Tote bei Blutbad in Sufi-Schrein

Stand: 02.04.2017 16:40 Uhr

Bei einem Blutbad in einem Sufi-Schrein in Pakistan sind 20 Menschen getötet worden. Der Aufseher des Heiligtums attackierte offenbar Gläubige mit Messern und Schlagstöcken. Einen politischen Hintergrund schloss die Polizei aus.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Es war eine Szene wie aus einem schlechten Gruselfilm. Ein Polizeisprecher beschreibt sie so: Eine blutende Frau taucht in einer Krankenstation auf und berichtet, sie sei eine Überlebende eines Massakers. Die Polizei rückt daraufhin mit einem Großaufgebot aus und findet in einem Sufi-Schrein 20 Leichen, einige wurden erschlagen, andere erstochen.

Die Opfer waren Anhänger einer sufistischen Glaubensgemeinschaft, eigentlich ist das eine tolerante Spielart des Islams. Aber nun war ihr Schrein eine Falle. Ausgerechnet der Verwalter der heiligen Stätte, so die bisherigen Ermittlungen, ist für die Tat verantwortlich, außerdem wurden mehrere mögliche Komplizen festgenommen.

Polizei schließt politischen Hintergrund aus

"Die Beschuldigten hatten ihre Opfer in den Schrein geladen. Nachdem sie dort angekommen waren wurden sie geschlagen und ermordet", sagte der Polizeisprecher. Vor ihrem Tod seien die Gläubigen offenbar betäubt worden, ob es Gift war, sei aber unklar. Die gerichtsmedizinischen Ergebnisse lägen noch nicht vor. Der Verwalter des Sufischreins, ein ehemaliger Regierungsbeamter, sei psychisch labil, so der Sprecher weiter. Einen politischen Hintergrund schloss er damit aus.

Sufischreine sind immer wieder Ziele für die extremistischen pakistanischen Taliban, die die Heiligenverehrung, die Poesie und die Musik in den Schreinen als unislamisch ablehnen. Erst vor wenigen Wochen hatte sich ein Selbstmordattentäter mitten in einem gut besuchten Sufi-Schrein in die Luft gesprengt und mehr als 80 Menschen getötet.

Wie Verletzte entkamen, ist unklar

Der Verwalter des Schreins, in dem die Tat geschah, hatte laut Polizei hingegen andere Motive: "Er sagte uns, er gehe davon aus, dass die Opfer seinen Vorgänger vergiftet hätten. Er habe befürchtet, dass sie auch ihn vergiften wollten. Wie die insgesamt vier Verletzten entkommen konnten, ist bislang unklar." Drei Überlebende schweben laut pakistanischen Medien in Lebensgefahr.

Der Schrein befindet sich in einer entlegenen Gegend im größten pakistanischen Bundesstaat Punjab. Das Land ist zwar seit Jahren Terror und Anschläge gewohnt, eine solche Tat ist aber auch für pakistanische Verhältnisse sehr ungewöhnlich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 02. April 2017 um 17:13 Uhr

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