Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif | Bildquelle: dpa

Premier Sharif unter Druck In Pakistan eskaliert der Machtkampf

Stand: 01.11.2016 15:27 Uhr

Pakistans Premier Sharif soll mit Offshore-Konten Vermögen verschleiert haben. Sein schärfster Konkurrent will ihn mithilfe von Massenkundgebungen entmachten. Und auch die mächtige Armeeführung mischt mit.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Es geht um Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung: Der Oberste Gerichtshof hat angekündigt, die schweren Vorwürfe gegen den Regierungschef und seine Familie zu untersuchen. Nawaz Sharif und seine Familie sollen in den Skandal rund um die Panama-Papers verstrickt sein.

Aus den durchgesickerten Daten der panamaischen Anwaltskanzlei "Mossack Fonseca" geht hervor, dass drei Kinder des pakistanischen Premierministers Briefkastenfirmen auf den britischen Virgin Islands besitzen. Über diese Firmen ist offenbar sehr viel Geld geflossen, um teure Immobilien in London zu kaufen. Eine juristische Kommission soll nun prüfen, ob Nawaz Sharif mit Hilfe der Offshore-Firmen seiner Kinder Vermögen verschleiert hat.

Oppositionsführer bläst Großdemo ab

Es ist nicht das erste Mal, dass Sharif unter Korruptionsverdacht steht. Bislang gab es immer ein Comeback. Sharif ist bereits zum dritten Mal Premierminister.

Sein schärfster politischer Widersacher ist Oppositionsführer Imran Khan. Der ehemalige Cricket-Star hatte gedroht, die Hauptstadt Islamabad lahmzulegen, falls Sharif nicht zurücktritt. In den vergangenen Tagen war es bereits zu gewaltsamen Zusammenstößen seiner Anhänger mit der Polizei gekommen. Jetzt lädt Khan seine Fans stattdessen zu einer friedlichen Jubelfeier ein.

Anhänger des Oppositionsführers Khan protestieren gegen Premier Sharif. | Bildquelle: AFP
galerie

Anhänger von Oppositionsführer Khan protestieren in den Straßen von Islamabad gegen ihren Premier.

Militär hat Interesse an geschwächtem Premier

Im Hintergrund mischt auch die mächtige Armeeführung mit. Pakistan war viele Jahre eine Militärdiktatur. Die Rivalitäten zwischen der zivilen und militärischen Führung bestimmen die pakistanische Politik.

Im Kern geht es dabei immer um das schwierige Verhältnis zum Nachbarland Indien. Die beiden Atommächte streiten seit ihrer Unabhängigkeit vor 70 Jahren um die geteilte Provinz Kaschmir. Derzeit wird an der sogenannten Waffenstillstandslinie wieder fast täglich scharf geschossen. Auf beiden Seiten sterben Menschen. Sharif setzt sich für bessere Beziehungen mit Indien ein. Das Militär leitet seine Macht aus der Feindschaft zu Indien ab. Ein schwacher oder geschwächter Premierminister ist gut für die Generäle.

Untersuchungskommission gegen Premier Sharif
Sandra Petersmann, ARD Neu-Delhi
01.11.2016 14:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2016 um 08:00 Uhr

Darstellung: