Tatort in Lahore | Bildquelle: AFP

Anschlag in Pakistan tötet mindestens 70 Menschen Angriff auf eine verfolgte Minderheit

Stand: 28.03.2016 08:49 Uhr

Der Sprengsatz von Lahore war mit Nägeln und Schrauben präpariert. So wollte der Attentäter möglichst viele Opfer mit in den Tod reißen. Eine Taliban-Splittergruppe bekannte sich zu dem Angriff, der vor allem Christen treffen sollte.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Noch immer suchen verzweifelte Angehörige nach Vermissten. Sie suchen in Krankenhäusern und in Leichenhallen. Eine Mutter hat nach quälenden Stunden der Angst die schreckliche Gewissheit, dass ihr Sohn unter den Toten ist, die der Selbstmordattentäter gestern Abend mit in den Tod gerissen hat. "Warum hast du mir mein Kind genommen? Warum hast du meinen Enkeln ihren Vater genommen? Warum?" Die Frage bleibt.   

Mehr als 70 Tote nach Anschlag in Pakistan
tagesschau 20:00 Uhr, 28.03.2016, Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi

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Bekenntnis von Taliban-Splittergruppe

Die Behörden gehen weiter von einem Selbstmordattentäter aus. Es seien Körperteile des Angreifers gefunden worden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Der Sprengsatz, den der Attentäter am Körper trug, war offenbar mit Metallteilen wie Schrauben und Muttern gespickt, um möglichst viele Opfer zu treffen. Der Angreifer sprengte sich an einem der Haupteingangstore in der Nähe eines Spielplatzes in die Luft. Eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban-Bewegung hat sich zu dem Anschlag bekannt. "Wir haben das Attentat von Lahore begangen, weil Christen unser Ziel sind", sagte ein Sprecher der "Jamaat-ul-Ahrar".

Tatort in Lahore | Bildquelle: AFP
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Der Tatort in Lahore

Ein Politiker der "Muslimliga" von Premierminister Nawaz Sharif versucht im Fernsehen, Stärke und Zuversicht im Angesicht des Terrors auszustrahlen. Die Regierung und die Sicherheitskräfte seien unermüdlich im Einsatz, alle Krankenhäuser seien in Alarmbereitschaft versetzt worden.  

Die abendliche Explosion in der östlichen Millionenmetropole Lahore traf Familien, die sich zu einem Tag im Grünen getroffen hatten. Wegen des Osterfestes hatten sich besonders viele christliche Familien im Gulshan-i-Iqbal-Park versammelt. Christen machen weniger als zwei Prozent der pakistanischen Bevölkerung aus. Wie andere religiöse Minderheiten auch werden sie verfolgt.

Extremismus als gesellschaftliches Problem

Die Islamische Republik Pakistan ist eine Atommacht und leidet seit vielen Jahren unter religiösem Extremismus. Das allmächtige Militär steht im Verdacht, mit ausgewählten Terrorgruppen zusammenzuarbeiten, um dem Erzfeind Indien zu schaden. Doch Extremismus und Terror haben sich längst tief in die eigene Gesellschaft gefressen.

Im Dezember 2014 hatte die pakistanische Taliban-Bewegung eine Armeeschule in Peschawar angegriffen und mehr als 130 Kinder ermordet. Anschließend begann das Militär eine Offensive im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, in dem viele radikale Gruppen ihr Rückzugsgebiet haben.

Pakistan mit Lahore
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Pakistan mit Lahore

Verehrung eines Mörders

Die meisten Anschläge in Pakistan werden von radikalen sunnitischen Gruppen verübt, die Pakistan in einen Gottesstaat verwandeln wollen. Zeitgleich zu dem Anschlag in Lahore demonstrierten mehrere tausend Menschen für den ehemaligen Bodyguard Mumtaz Qadri. Qadri hatte einen Gouverneur erschossen, der sich für die verfolgte christliche Minderheit Pakistans eingesetzt hatte.

Qadri wurde im vergangenen Monat gehängt, doch viele Islamisten verehren ihn wie einen Nationalhelden. Die Polizei setzte gestern Tränengas gegen seine Anhänger ein, die vom Armeehauptquartier in Rawalpindi in die Hauptstadt Islamabad zogen.   

Pakistan - Lahore am Morgen nach dem mörderischen Anschlag
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
28.03.2016 07:16 Uhr

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