Pablo Casado, neuer Vorsitzender der konservativen Volkspartei in Spanien. Links seine Frau Isabel Torres, rechts sein Vorgänger Mariano Rajoy | Bildquelle: REUTERS

Neuer Parteichef Ein Senkrechtstarter für Spaniens Konservative

Stand: 21.07.2018 17:47 Uhr

Die spanische konservative Volkspartei will sich von massiven Korruptionsaffären befreien. Nun haben sie den Abgeordneten Casado zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er gilt als Senkrechtstarter, Hardliner - und eitel.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Es ist ein knappes Wahlergebnis, aber es reicht für den neuen Parteivorsitzenden Pablo Casado. Er gibt bei Spaniens Konservativen ab jetzt den Ton. Casado will die zerstrittene Partei einen und ihr ein neues Selbstbewusstsein einhauchen.

"Es gibt keinen Grund, Angst zu haben vor einer Debatte, vor der Freiheit, davor, dass Ihr abstimmt", sagt Casado in seiner Rede auf dem außerordentlichen Parteitag der Volkspartei (PP) in Madrid. "Habt keine Angst, zu zeigen, was unser Projekt ist - mit sauberen Händen, leeren Taschen und klarem Geist und einem Herz, das in Spanien verliebt ist."

Pablo Casado, neuer Vorsitzender der konservativen Volkspartei in Spanien | Bildquelle: ZIPI/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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Pablo Casado, neuer Vorsitzender der konservativen Volkspartei in Spanien. Er gilt als hart bei Themen wie Familie oder Abtreibung.

Ein unverbrauchtes, neues Gesicht

Der 37-jährige Casado ist ein Senkrechtstarter der spanischen Volkspartei. Im Parlament in Madrid sitzt er seit 2011. Zuletzt war er für die Öffentlichkeitsarbeit der Volkspartei mitverantwortlich.

Er ist ein unverbrauchtes, neues Gesicht für eine Partei, die 14 Jahre lang von Mariano Rajoy geführt wurde. Sie hat schwer an ihren Altlasten zu tragen. Mehrere hochrangige Parteimitglieder sind in Korruptionsaffären verwickelt - in welch enormen Ausmaß, ist erst im Frühjahr ans Licht gekommen. Kurz danach musste Rajoy nach einem Misstrauensvotum als Ministerpräsident zurücktreten.

Eisern für die Einheit Spaniens

Für die Partei muss ein Neuanfang her. Das machte auch Casados Konkurrentin, Soraya Saenz de Santamaria, klar. Bis vor kurzem war sie noch spanische Vize-Regierungschefin. "Ich will eine große Partei", sagte sie auf dem Parteitag. "Eine, die sich permanent erneuert, weil sie wächst. Eine Partei, in die wir alle hineinpassen - und in der jeder Platz hat, außer den Korrupten", so Saenz de Santamaria. Sie konnte sich nicht durchsetzen.

Saenz de Santamaria steht für den gemäßigten Flügel der Partei. Casado dagegen gilt als konservativer Hardliner. Er ist ein Vertrauter des früheren Ministerpräsidenten José María Aznar. Casado gilt als hart bei Themen wie Familie oder Abtreibung. Außerdem hat er schon klar gemacht, dass er gegen die katalanischen Separatisten Front machen und weiterhin eisern für die Einheit Spaniens eintreten wird - so wie sein Vorgänger Rajoy.

Lob für Ex-Parteichef Rajoy

Rajoy hatte sich gestern von seinen Parteikollegen verabschiedet. Die Parlamentspräsidentin Ana Pastor rührte ihn danach mit ihren Worten fast zu Tränen. "Ich will Dir sagen, dass Du nicht nur ein großer Regierungschef warst. sondern der beste, den wir je gehabt haben“, sagte sie.

Pastor lobte die Art und Weise, wie Rajoy sich von der Politik verabschiedet hat, um in seinen alten Beruf als Grundbuchverwalter zurückzukehren. "Ohne Lärm zu machen, mit der Eleganz, die Dich auszeichnet und die in unserer heutigen Welt eine Seltenheit geworden ist, in der Eitelkeit und Narzissmus die beherrschende Eigenschaft manch eines Politikers ist", so Pastor.

Pablo Casado, neuer Vorsitzender der konservativen Volkspartei in Spanien, und seine Frau Isabel Torres | Bildquelle: JUAN CARLOS HIDALGO/EPA-EFE/REX/
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Pablo Casado und seine Frau Isabel Torres. In seinem Lebenslauf schmückt er sich mit zahlreichen Universitätsabschlüssen. Die sorgen für Diskussionen.

Zahlreiche Universitätsabschlüsse

Eitelkeit soll auch Casado nicht fremd sein. In seinem Lebenslauf schmückt er sich mit zahlreichen Universitätsabschlüssen, unter anderem auch mit einem von der US-amerikanischen Elite-Uni Harvard.

Diese Abschlüsse sorgen allerdings in Spanien für Debatten. So musste Casado schon zugegeben, dass er für sein Master-Studium an einer Privat-Uni in Madrid weder Vorlesungen besucht noch ein Examen abgelegt hat. Spanischen Medien zufolge soll es sich bei dem Harvard-Abschluss in Wirklichkeit um einen viertägigen Sommer-Kurs der Universität in Madrid gehandelt haben. Mehr nicht.

Pablo Casado neuer Vorsitzender der Konservativen Volkspartei
Marc Dugge, ARD Madrid
21.07.2018 16:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juli 2018 um 18:00 Uhr.

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