Polizisten bringen Fuentes Knight in ein Gericht in Guatemala Stadt. | Bildquelle: REUTERS

Korruption in Guatemala Festnahme setzt Oxfam unter Druck

Stand: 14.02.2018 11:56 Uhr

Nun kommen zu Sexskandalen auch noch Korruptionsvorwürfe hinzu: Der Vorsitzende von Oxfam International, Fuentes Knight, ist in Guatemala festgenommen worden. Er legte seinen Posten inzwischen nieder.

Schon wieder Negativschlagzeilen für die britische Hilfsorganisation Oxfam: Der Präsident der Hilfsorganisation Oxfam International ist in Guatemala im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal festgenommen worden. Juan Alberto Fuentes Knight wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft zusammen mit dem ehemaligen Staatschef Guatemalas, Alvaro Colom, abgeführt. Ihnen drohten Anklagen wegen Betrugs und Unterschlagung.

Fuentes Knight legte sein Oxfam-Amt inzwischen nieder, das er seit 2015 innehatte. Die Vorwürfe bezögen sich auf seine Zeit als Finanzminister in Guatemala und stünden nicht in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für Oxfam International, erklärte die Hilfsorganisation.

Der Aufsichtsratsvorsitz sei ein Ehrenamt, es werde aber eine Aufwandsentschädigung gezahlt, teilte Oxfam weiter mit. In dieser Position habe er keine operative Verantwortung gehabt. Seine Stellvertreterin Henrietta Campbell wurde als kommissarische Nachfolgerin bestellt. Oxfam unterstütze die Entscheidung Fuentes Knights, zurückzutreten, um sich mit ganzer Kraft der Reaktion auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu widmen.

Viel zu teure Busse?

Die Staatsanwaltschaft in Guatemala ermittelt wegen Korruption gegen Colom, Fuentes Knight und sieben weitere ehemalige Regierungsmitglieder. Nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft und der UN-Kommission gegen Straflosigkeit (Cicig) kam es während Coloms Amtszeit beim Bau des Nahverkehrssystems Transurbano zu Unregelmäßigkeiten. Dabei sollen mindestens 35 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 28 Millionen Euro) an öffentlichen Geldern unterschlagen worden sein.

Colom, der von 2008 bis 2012 Präsident war, wird im Zusammenhang mit der Anschaffung von Hunderten Bussen im Jahr 2009 Betrug und Unterschlagung vorgeworfen. Damals hatte die Regierungspartei einen Gesetzentwurf für Steuererleichterungen bei entsprechenden Anschaffungen ins Parlament eingebracht. Laut Staatsanwaltschaft waren die Rechnungen für die Busse, die bei vier Unternehmen in Auftrag gegeben wurden, viel zu hoch. Die Firmen wurden später von der Steuer befreit.

Der Ex-Präsident zeigte sich bei seiner Festnahme von seiner Unschuld überzeugt. Er sei sicher, dass seine Regierung korrekt gehandelt habe, sagte er.

Hilfe nur für Sex

Die britische Hilfsorganisation wird seit Tagen von einem Skandal um Sexorgien mit Prostituierten in Haiti und dem Tschad erschüttert. Zudem sollen Mitarbeiter Nothilfe nur gegen sexuelle Gefälligkeiten geleistet haben. Im Südsudan soll es Fälle von Vergewaltigungen und versuchten Vergewaltigungen gegeben haben. Außerdem gibt es Vorwürfe sexueller Belästigung in großem Umfang in Oxfam-Shops in Großbritannien. Am Montag war die Vizechefin von Oxfam Großbritannien, Penny Lawrence, zurückgetreten.

Botschafterin Driver beendet Zusammenarbeit

Inzwischen zog die erste Prominente Konsequenzen aus den Vorwürfen: Die britische Schauspielerin Minnie Driver trat als Botschafterin der Hilfsorganisation zurück. Sie sei "tief bestürzt wegen der Frauen, die von Menschen benutzt wurden, die dorthin geschickt wurden, um ihnen zu helfen, (und) tief bestürzt über die Reaktion der Organisation, für die ich geworben habe, seit ich neun Jahre alt war", schrieb die 48-Jährige in einem Tweet.

Minnie Driver @driverminnie
All I can tell you about this awful revelation about Oxfam is that I am devastated.Devastated for the women who were used by people sent there to help them, devastated by the response of an organization that I have been raising awareness for since I was 9 years old #oxfamscandal

Oxfam ist ein internationaler Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen mit Sitz in Oxford.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Februar 2018 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.

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