Hotel Splendid | Bildquelle: dpa

Nach Geiselnahme in Burkina Faso Bittere Bilanz nach Terrorangriff

Stand: 17.01.2016 09:17 Uhr

Bei dem Dschihadistenangriff auf ein Luxushotel in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou sind vier Angreifer und mindestens 28 weitere Menschen getötet worden. Die meisten Opfer sind Ausländer, unter ihnen zwei Schweizer und sechs Kanadier. Außerdem wurden zwei Australier im Norden des Landes entführt.

Von Jens Borchers, ARD Nordwestafrika

Die gute Nachricht ist: 126 Menschen konnten aus dem Hotel "Splendid" befreit werden, darunter 33 Verletzte. Das "Splendid" war am Freitagabend angegriffen worden, trotz Bewachung. Offenbar sprengten die Attentäter vor dem Eingang zunächst zwei Autos in die Luft. Dann begannen sie ihren Angriff auf das Hotel und ein nahegelegenes Restaurant.

"Ich persönlich habe drei oder vier vermummte und bewaffnete Gestalten gesehen", berichtet ein Augenzeuge dem französischen Sender RFI. "Sie haben das Hotel betreten, dann fielen sofort Schüsse und Menschen flohen aus dem Hotel."Immer wieder peitschten Schüsse durch die Straße vor dem Hotel im Stadtzentrum von Ouagadougou.

Mindestens 26 Tote bei Terrorangriff auf Luxushotel in Burkina Faso
tagesschau 20:00 Uhr, 16.01.2016, Shafagh Laghai, ARD Nairobi

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Ein weitere Augenzeugin schilderte dem französischen Sender France24 mit welcher Brutalität der Terroristen vorgingen: "Die Angreifer haben sofort auf alle geschossen", sagt die erschütterte Geisel. "Sie haben dann überprüft, ob die Menschen wirklich tot waren. Wer noch lebte, wurde regelrecht hingerichtet. Dazu gab es das Feuer im Saal!"

13 Stunden in den Händen der Geiselnehmer

Mehr als 13 Stunden vergingen, bis Armee-Einheiten unterstützt von französischen Spezialkräften das Hotel "Splendid" unter ihre Kontrolle bringen konnten. Bei der Befreiungsaktion sollen vier Angreifer ums Leben gekommen sein. Die Regierung teilte inzwischen mit, es gebe insgesamt mindestens 29 Tote.

Bisher weitgehend vom Terror verschont

Ouagadougou erlebt den schlimmsten Terrorangriff seiner Geschichte. Bisher hatte es an der Grenze zum Nachbarstaat Mali kleinere Attacken auf Polizei und Militär gegeben, zuletzt am Freitagnachmittag. Eine Terroraktion der Größenordnung, wie sie jetzt die Hauptstadt von Burkina Faso erlebt, gab es bisher in dem westafrikanischen Land nicht.

Nach dem Ende der Geiselnahme wurde bekannt, dass im Norden des Landes zwei Australier entführt wurden. Ein Arzt und seine Frau, die schon seit 1972 in dem afrikanischen Land leben, wurden laut der Regierung in dem Ort Baraboulé an der Grenze zu Mali verschleppt. Ob ein Zusammenhang zu der Geiselnahme besteht, ist unklar.

Islamisten bekennen sich

Zu dem Attentat bekannte sich das Terror-Netzwerk AQMI, also die sogenannte Al Kaida im islamischen Maghreb. Kämpfer der Gruppe Al-Mourabitoune hätten den Angriff ausgeführt, hieß es in der über das Internet verbreiteten Mitteilung. Diese Miliz arbeitet mit Al Kaida zusammen und hatte im vergangenen November einen ähnlichen Anschlag in Bamako, der Hauptstadt von Mali verübt.

Burkina Faso gehört zur Staatengruppe der G5-Sahel. Diese Länder haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart, um die ständig wachsenden Bedrohung durch den Terrorismus in der Region einzudämmen. Zur den G5 gehören außerdem die Staaten Mauretanien, Mali, Niger und Tschad. In Burkina Faso sind französische Spezialkräfte stationiert, die regelmäßig Anti-Terror-Operationen in der Region durchführen.

Bittere Bilanz nach Terrorangriff in Burkina Faso
J. Borchers, ARD Rabat
16.01.2016 16:32 Uhr

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