Ein Panzer der syrischen Armee fährt durch einen Ort in der Region Ost-Ghouta. | Bildquelle: SANA HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutter

Krieg in Syrien Armee erobert offenbar Hälfte von Ost-Ghouta

Stand: 08.03.2018 07:31 Uhr

Syrische Regierungskräfte haben offenbar mehr als die Hälfte von Ost-Ghouta erobert. In der umkämpften Region bei Damaskus sind nun Zehntausende Zivilisten zwischen ihnen und den Rebellen eingesperrt.

Syrische Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen haben offenbar die Hälfte des von Rebellen gehaltenen Gebiets Ost-Ghouta bei Damaskus eingenommen. Die Truppen hätten die belagerte Enklave damit de facto zweigeteilt, berichteten syrische Staatsmedien sowie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Regierungsverbände seien in die Siedlungen und Gehöfte von Beit Saua und Al Aschari vorgedrungen, sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Sie hätten den Nordteil der Region um die Städte Duma und Harasta vom Südteil um Hamurijeh und Arbin getrennt.

Dutzende Menschen getötet

Seit Beginn ihres Vormarsches haben die regierungstreuen Truppen den Angaben nach nun rund die Hälfte des Rebellengebietes erobert. Sie verfolgten dabei "dieselbe Taktik wie in Ost-Aleppo 2015", sagte Abdel Rahman. "Erst spalten sie die Region und dann werden die Zivilisten in ein kleines Gebiet gedrängt." Er erwarte, dass die Regierungstruppen nun den Beschuss dieser Gebiete verstärken würden, in denen die Zivilisten zusammengedrängt seien.

Im Kampf um Ost-Ghouta, das seit sieben Jahren von Rebellen gehalten wird, greift die syrische Regierung derzeit intensiv auf Bombardements und anderweitigen Beschuss zurück, um den Weg für Bodentruppen frei zu machen. Dutzende Menschen sind Berichten nach allein am Mittwoch getötet worden, Hunderte in den vergangenen zwei Wochen.

Mediziner und Anwohner meldeten am Mittwochabend Todesfälle durch Ersticken und Menschen, die Schwierigkeiten beim Atmen hatten. Sie warfen der Regierung vor, in der Nacht Chlorgas eingesetzt zu haben. Ein Chirurg in Ost-Ghouta sagte, er habe Kinder mit Atemproblemen behandelt. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht. Die syrische Regierung hat mehrfach abgestritten, Chlorgas eingesetzt zu haben.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Said Raad al-Hussein
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Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Said Raad al-Hussein

Kritik vom UN-Sicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat wiederholte seine Forderung, die Resolution für eine landesweite Waffenruhe vom 24. Februar müsse umgesetzt werden. Die bisherigen Anstrengungen für eine Umsetzung der Resolution seien "absolut und vollkommen unzureichend", sagte etwa der schwedische UN-Botschafter Olof Skoog. "Wir sehen minimale Zeichen von den syrischen Behörden, um die Resolution umzusetzen." Die Resolution sieht eine mindestens 30-tägige Feuerpause vor, um Hilfslieferungen und den Abtransport von Kranken und Verletzten zu ermöglichen.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, forderte die syrische Führung auf, ihren "katastrophalen Kurs" in Ost-Ghouta umzukehren. Er kritisierte Aussagen der syrischen Regierung, sie tue ihr Bestes für den Schutz von Zivilisten. Diese seien "ehrlich gesagt lächerlich", sagte er unter Verweis auf "willkürliche, brutale Angriffe" der syrischen Streitkräfte.

Ost-Ghouta wird seit 2013 von Regierungstruppen belagert und mehrheitlich von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. In dem Kampfgebiet sollen 400.000 Menschen leben; die UN und das Rote Kreuz versuchen, sie mit humanitären Lieferungen zu unterstützen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2018 um 08:00 Uhr.

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