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Vatikanzeitung "L'Osservatore" mit neuer Beilage
Einmal im Monat ist Frauentag
"Donne, Chiesa, Mondo" - "Frauen, Kirche, Welt" - das erinnert ein wenig an den verstaubten Dreiklang aus Kinder, Küche, Kirche, ist aber der Titel der neuen Beilage der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano". Eine Frauenbeilage im Vatikan? Für die Macherinnen eine kleine Revolution.
Von Annette Eckl, ARD-Hörfunkstudio Rom
Es ist fast schon revolutionär, was da gerade bei der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" passiert. Zumindest wenn man es im großen Zusammenhang sieht. Den Osservatore, den römischen Beobachter, gibt es seit 151 Jahren. Die erste Redakteurin wurde vor vier Jahren angestellt, mittlerweile arbeiten dort zwei Frauen und 25 Männer. Um so erstaunlicher, dass die Frauen jetzt sogar eine eigene Beilage bekommen haben. "Donne, Chiesa, Mondo" heißt sie, "Frauen Kirche Welt".
Vier überdimensionale große Seiten schön farbig aufgemacht in italienischer Sprache - sie liegt jeden letzten Donnerstag im Monat der italienschen Ausgabe der Vatikanzeitung bei. Sie hebt sich wohltuend ab vom grau in grau des täglichen erscheinenden Osservatore und ist durchaus provozierend, erklärt die Macherin Giulia Galeotti: "Es ist alles den Frauen gewidmet, natürlich immer vor dem Hintergrund, dass viele sagen, die Kirche frauenfeindlich. Wir hingegen wollen aufzeigen, dass es Frauen in der Kirche gibt. Sie machen viel, haben eine große Verantwortung, aber das Problem ist, man sieht sie nicht und man kennt sie nicht."
"Etwas Einzigartiges, was noch nie da war"
Jetzt kommen die Frauen sozusagen groß raus, auf der Titelseite der Beilage. Der Papst habe sich gewünscht, dass mehr über Frauen berichtet wird, von einer eigenen Beilage hat er zwar nichts gesagt, so Giulia Galeotti - aber jetzt ist sie da. Die Idee dazu stammt übrigens von einer nicht katholischen Journalistin. Einzelne Artikel daraus erscheinen auch in unregelmäßigen Abständen in der deutschen Ausgabe des Osservatore. Dort arbeitet Astrid Haas. Sie ist unter anderem für die Übersetzungen zuständig und sieht das alles als ein Zeichen: Eine Frauenbeilage im Vatikan - der Vatikan, der Inbegriff mächtiger Männer und die Frauen auf den Hinterbänken? "Wie man sieht, ändern sich vielleicht hier doch auch ein bisschen die Gegebenheiten. Die Frauen haben doch eine wichtigere Rolle, als sie es vielleicht noch vor zehn oder 20 Jahren hatten. Das ist etwas Einzigartiges, was noch nie da war."
"Heilige Brigitte?" - Neue Frauenbeilage der Vatikanszeitung
A. Eckl, ARD Rom
27.07.2012 11:50 Uhr
Vorgestellt werden Frauen im Dienste der Kirche
Frauen, die in "Donne, Chiesa, Mondo" vorgestellt werden, müssen nicht unbedingt katholisch sein, aber es sind Frauen im Dienste der Weltkirche, wie es so schön heißt - im Krankenhaus, in der Erziehung und in der Bildung. Und es geht um Themen wie etwa Prostitution oder ganz praktische Dinge wie die fehlenden Betreuungsplätze für Kinder in Italien: "Es gibt ja viele Frauen, die wirklich bereit wären und sehr sehr gerne arbeiten möchten. Aber in Italien fehlen die sozialen Strukturen", sagt Galeotti.
Die Heilige des Monats
"Donne, Chiesa, Mondo": "Frauen, Kirche, Welt"- das wird sicher nie eine "Brigitte" oder "Frau im Spiegel" werden, das liegt schon in der Natur der Dinge: Gitarre spielende Nonnen auf der Titelseite oder schöne Madonnen - das bietet sich in Italien natürlich immer an, dazu eine Heilige des Monats. Doch die Beilage hat mehr Esprit, als der der skeptische Leser erwartet. Es gibt Comics mit Schwestern-Witzen unter der Rubrik "Die letzte Schwester" oder Kinokritiken und in jeder Ausgabe ein kurzer Romanauszug. Und die Werbung sticht ins Auge, zum Beispiel eine eine Chanel-Uhr auf der letzten Seite.
Die Frauenbeilage in der Vatikanischen Zeitung - moderner als erwartet - dann bleibt nur noch die Frage, ob sie denn der Papst schon gelesen hat? "Also dass er es gesehen hat, dass glaube ich mit Sicherheit", sagt Galeotti. "Aus Zeitgründen hat er bestimmt nicht jeden Beitrag gelesen. Ich hoffe, dass es ihn freuen wird."
Stand: 27.07.2012 14:12 Uhr
