Del Toro hält zwei Oscars in den Händen | Bildquelle: dpa

Oscar-Verleihung "Shape of Water" räumt ab

Stand: 05.03.2018 07:12 Uhr

Ein Fantasy-Märchen ist der große Gewinner der 90. Oscar-Verleihung: "Shape of Water" hat vier Preise abgeräumt, darunter die Trophäe für den besten Film. Aufsehen erregte Oscar-Gewinnerin McDormand mit ihrer Rede.

Das fantasievolle Kinomärchen "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" ist mit vier Oscars ausgezeichnet worden. Das Werk des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro gewann die Trophäen als bester Film und für die beste Regie. Außerdem gab es Preise für die Filmmusik und das Produktionsdesign.

Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer stummen Putzfrau und einem im Labor gefangenen Wasserwesen. "Shape of Water ist ein Märchen für unruhige Zeiten", sagte Preisträger del Toro. Angesagt wurde der Gewinner in der Königskategorie von Faye Dunaway und Warren Beatty - jenes Duo, das im vergangenen Jahr zunächst den falschen Gewinner ("La La Land" statt "Moonlight") verkündet hatte. 

Del Toro - der selbst aus Mexiko stammt - nutzte seinen Auftritt, um für mehr Toleranz gegenüber Migranten zu werben. "Ich bin ein Immigrant - so wie viele andere hier auch", so der Regisseur. In den vergangenen Jahren habe er erfahren, dass Kunst es schaffe, immer mehr die Grenzen von Herkunft und Nationalität zu verwischen, "und wir sollten das fortführen".

McDormand: "Ich habe euch etwas zu sagen"

Zwei Schauspieler-Auszeichnungen gingen an die Tragikomödie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Die 60-jährige Frances McDormand wurde für ihre Rolle als kämpferische Mutter nach der Ermordung ihrer Tochter für die beste Hauptrolle geehrt - zum zweiten Mal nach 1997, als sie mit "Fargo" gewann. Ihr Filmkollege Sam Rockwell (49) bekam den Oscar für seine Nebenrolle als rassistischer Kleinstadtpolizist.

In ihrer Dankesrede griff McDormand das wohl wichtigste politische Thema in Hollywood auf: den weitverbreiteten Sexismus in der Filmbranche. "An alle weiblichen Nominierten: Steht bitte mit mir auf", fordert die 60-Jährige die Anwesenden auf. Als Größen wie Meryl Streep sich erhoben hatten, forderte sie unter großem Applaus mehr Gleichberechtigung, mehr weibliche Hauptrollen und dieselben Löhne für weibliche Darsteller in Hollywood. "Wir alle haben Geschichten zu erzählen und Projekte, die finanziert werden müssen", rief die Oscar-Gewinnerin. Und sie forderte die Hollywood-Macher auf, diese Projekte schon in den nächsten Tagen mit den Frauen zu besprechen.

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90. Oscar-Verleihung

Szene aus ''Shape of Water''

Das Kinomärchen "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" von Regisseur Guillermo del Toro ist mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet worden. Wenig zuvor hatte der Komponist Alexandre Desplat für seine Werke rund um "The Shape of Water" den Oscar in der Sparte beste Filmmusik gewonnen. Auch für das beste Szenenbild wurde der Film geehrt. | Bildquelle: Twentieth Century Fox/dpa

Gary Oldman überzeugt als Winston Churchill

Regisseur und Autor Jordan Peele schrieb Oscar-Geschichte: Mit seiner Horror-Komödie "Get Out" gewann er als erster Afro-Amerikaner den Preis für das beste Original-Drehbuch. Der Brite Gary Oldman wurde für seine Verkörperung des britischen Premierministers Winston Churchill in "Die dunkelste Stunde" mit dem Hauptdarsteller-Oscar ausgezeichnet. Das Historiendrama erhielt auch eine Auszeichnung in der Kategorie Make-up/Frisur.

Beste Nebendarstellerin wurde Allison Janney. Im Drama "I, Tonya" spielt sie die ehrgeizige Mutter der Eiskunstläuferin Tonya Harding.

In den technischen Kategorien räumte das Kriegsdrama "Dunkirk" drei Oscars ab (Tonmischung, Tonschnitt, Filmschnitt). Je einen Oscar bekamen das Gesellschaftsdrama "Der seidene Faden" (Kostümdesign) und das Liebesdrama "Call Me By Your Name" (adaptiertes Drehbuch).

Deutsche Oscar-Hoffnung erfüllt sich

Gerd Nefzer aus Schwäbisch Hall, der in der Filmschmiede Potsdam-Babelsberg arbeitet, erhielt die Trophäe für die besten visuellen Effekte. Der 52-Jährige wurde mit drei Kollegen für die Arbeit an "Blade Runner 2049" ausgezeichnet - der Science-Fiction-Film wurde außerdem für die beste Kamera geehrt.

Der Zeichentrickfilm "Coco" holte zwei Trophäen: als bester Animationsfilm und für den besten Filmsong. Der Auslands-Oscar ging in diesem Jahr nach Chile an Sebastián Lelio mit seinem Film "Eine fantastische Frau". Beste Dokumentation wurde "Icarus" von Bryan Fogel und Dan Cogan über die russischen Doping-Machenschaften der vergangenen Jahre.

Verena Bünten, ARD Washington, zu den Ergebnissen der Oscars 2018
morgenmagazin 06:30 Uhr, 05.03.2018

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Oscars im Zeichen von #MeToo

Moderator Jimmy Kimmel hatte die Gala mit zahlreichen Spitzen zum Missbrauchsskandal in Hollywood eröffnet. "Oscar ist derzeit der beliebteste und am meisten respektierte Mann", sagte der 50-Jährige. "Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann." Kimmel spielte damit auf die Vorwürfe gegen Produzent Harvey Weinstein und weitere Männer im Filmgeschäft an.

Kimmel sprach auch den Missstand an, dass Frauen in Hollywood weniger als Männer verdienten und auch weniger weibliche als männliche Regisseure seien. Dies sei inakzeptabel. "Die Welt schaut uns zu." Die Oscarverleihung beschrieb er als "Nacht für Positives".

"Ich erinnere mich an eine Zeit, als große Filmstudios nicht daran glaubten, eine Frau oder eine ethnische Minderheit könnte einen Superhelden-Film gestalten. Daran erinnere ich mich, weil das erst im März des vergangenen Jahres war." Seither avancierten Superhelden-Filme wie "Wonder Woman" und "Black Panther" zu Kassenschlagern.

Oscars 2018 – Shape of Water gewinnt
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
05.03.2018 08:01 Uhr

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Emotionale Momente

Besonders emotional machten die Show letztlich Momente zwischen den Auszeichnungen. Ashley Judd, Anabella Sciorra und Salma Hayek - alle haben Hollywood-Mogul Weinstein in den vergangenen Monat sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen - kamen gemeinsam auf die Bühne, um die #MeToo-Bewegung zu würdigen.

In den nächsten 90 Jahren sollten die unbegrenzten Möglichkeiten von Gleichberechtigung, Vielfalt und Inklusion gestärkt werden, sagte Judd. Die Schauspielerinnen wurden mit tosendem Applaus bedacht.

Liste der Oscar-Gewinner
KATEGORIEGEWINNER
Bester Film"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"
Bester HauptdarstellerGary Oldman, "Die dunkelste Stunde"
Beste HauptdarstellerinFrances McDormand, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
Bester NebendarstellerSam Rockwell, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
Beste NebendarstellerinAllison Janney, "I, Tonya"
Beste Regie"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers", Guillermo del Toro
Bester fremdsprachiger Film"A Fantastic Woman" ("Una mujer fantástica")
Bester Animationsfilm"Coco - Lebendiger als das Leben!"
Bester Animationskurzrfilm"Dear Basketball"
Bestes adaptiertes Drehbuch"Call Me By Your Name"
Bestes Originaldrehbuch"Get Out"
Beste Kamera"Blade Runner 2049"
Bester Ton"Dunkirk"
Bester Tonschnitt"Dunkirk"
Bester Soundtrack"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers", Alexandre Desplat
Bester Filmsong"Remember Me" aus "Coco - Lebendiger als das Leben!"
Bestes Produktionsdesign"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"
Bestes Kostüm"Der seidene Faden", Mark Bridges
Bester Dokumentarfilm"Icarus"
Bester Kurzdokumentarfilm"Heaven Is a Traffic Jam on the 405"
Bester Schnitt"Dunkirk"
Beste Maske"Die dunkelste Stunde"
Bester Realkurzfilm"The Silent Child"
Beste visuelle Effekte"Blade Runner 2049"

Mit Informationen von Katharina Wilhelm

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