Oscar-Statue  | Bildquelle: AP

Oscar-Verleihung Räumt ein Wassermonster groß ab?

Stand: 04.03.2018 18:57 Uhr

In Hollywood werden in der kommenden Nacht die Oscars verliehen. Topfavorit ist der Film "Shape of Water", der 13 Mal nominiert ist. Doch er hat zwei starke Konkurrenten.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Stumme Putzfrau verliebt sich in Wassermonster - mit 13 Nominierungen geht der Film "The Shape of Water - Das Flüstern des Wasser" als Favorit in den Oscar-Abend. Ob er als bester Film ausgezeichnet wird, ist allerdings fraglich - das bitterböse Drama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" könnte hier den goldenen Schlusspunkt in seiner erfolgreichen Preisverleihungssaison setzen. Die Verleihung wird erneut von Jimmy Kimmel moderiert.

Zu Beginn von "The Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" heißt es: "Heute erhalten wir ein neues Objekt hier im T4, das sensibelste Objekt, das wir bis dato in dieser Einrichtung hatten." Das Objekt: halb Mensch, halb Fisch, bläulicher Panzer, Schuppen und gelbe Augen - ein Amphibienwesen das zuerst Angst einflößt.

Kindheitstraum des Regisseurs

Doch die stumme Reinigungskraft Eliza, gespielt von Sally Hawkins, hat keine Angst - im Gegenteil. Sie verliebt sich in das Objekt, von dem Regisseur Guillermo del Toro geträumt hat, seit er als Kind das Kiemenwesen in "Der Schrecken vom Amazonas" sah.

"Das Monster trägt das Mädchen davon - das ist eigentlich ein Bild aus einem Horrorfilm. Bei mir ist es ein Bild der Liebe", erzählte del Toro dem Sender KPCC. "Angst kontrolliert und spaltet uns - und ich wollte einen Liebesfilm machen."

Sally Hawkins bei der Premiere von "The Shape of Water" in Los Angeles | Bildquelle: REUTERS
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Sally Hawkins spielt in "The Shape of Water" eine Reinigungskraft, die sich in ein Wasserwesen verliebt.

Auch "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" hat gute Chancen

Es ist ein Liebesfilm, aber es geht auch um Außenseiter in der Gesellschaft - und den hat die Oscar-Academy mit gleich 13 Nominierungen belohnt, Spitzenreiter in diesem Jahr. Oscar-Chancen gibt es in sämtlichen technischen Kategorien, sowie in den Hauptsparten "Bester Regisseur", "Bestes Drehbuch", "Bester Film".

Den Siegeszug durchkreuzen könnte das Rachedrama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Dem Streifen gelten zwei Oscars als sicher: für Hauptdarstellerin Frances McDormand und Nebendarsteller Sam Rockwell.

Janney und Oldman sind Favoriten der Buchmacher

Gary Oldman bei der Premiere seines Filmes "Darkest Hour" | Bildquelle: REUTERS
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Darf sich Dank seiner Churchill-Darstellung Hoffnungen auf einen Oscar machen: Gary Oldman

Auch bei den übrigen beiden Schauspiel-Kategorien sind sich die Buchmacher ziemlich einig: Gary Oldman könnte das Rennen als bester Hauptdarsteller machen - als Winston Churchill in "Die Dunkelste Stunde" und Allison Janney als kaltherzige Mutter von Eiskunstläuferin Tonya Harding in "I, Tonya".

In einem sind sich die Beobachter der Oscars einig: Die Nominierungen sind in diesem Jahr vielfältiger, erklärte Rebecca Keegan, Hollywood-Reporterin für das Magazin "Vanity Fair". Einige Beispiele: Greta Gerwig wurde für ihre Arbeit an "Lady Bird" als erst fünfte Frau für "Beste Regie" berücksichtigt, Dee Rees schrieb das Drehbuch für das Südstaatendrama "Mudbound" und könnte als erste Schwarze einen Oscar in dieser Kategorie gewinnen, ihre Kamerafrau Rachel Morrison wurde als erste Frau überhaupt für "Beste Kamera" nominiert. Außen Horror - innen Rassismusanklage: "Get Out" des schwarzen Komikers Jordan Peele hat in vier Hauptkategorien Chancen auf die goldene Statue.

Newcomer tragen deutsche Hoffnungen

Die deutschen Hoffnungen für den begehrten Preis ruhen unter anderem auf Newcomern. Der Kurzspielfilm "Watu Wote - all of Us" der deutschen Nachwuchs-Regisseurin Katja Benrath tritt in der Kategorie "Kurzfilm" an. Außerdem sind die deutschen Regisseure Jakob Schuh und Jan Lachauer in der Sparte "Animierter Kurzfilm" mit ihrem Zeichentrickfilm "Revolting Rhymes" im Rennen. Ein Oscar könnte nach Potsdam gehen: Der Special-Effects-Spezialist Gerd Nefzer ist mit seinem Team für den Film "Blade Runner 2049" in der Kategorie "Visuelle Effekte" nominiert.

Wie politisch wird es?

Oscar-Moderator Jimmy Kimmel hat bereits angekündigt, dass die Show viele politische Anspielungen haben wird, unter anderem wegen der anhaltenden #MeToo-Debatte, die Hollywood seit Monaten beschäftigt. Dass die Oscar-Verleihung Fernsehgeschichte schreiben kann, bewies sie erst im vergangenen Jahr: in den Schlussminuten wurde wegen eines falschen Umschlags "La La Land" zum Gewinner gekürt - bevor gut zwei Minuten später mit "Moonlight" der tatsächlich beste Film des Jahres ausgezeichnet wurde. Kollektive Schnappatmung bei den Oscars - vielleicht auch wieder in diesem Jahr.

Wer gewinnt? Ein Blick auf die anstehende Oscar-Verleihung
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
04.03.2018 18:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. März 2018 um 09:12 Uhr.

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