Oscar-Preisträger Rylance, Larson, DiCaprio und Vikander | Bildquelle: AFP

Drei Fragen zur Oscar-Verleihung Die Strahlenden und die Enttäuschten

Stand: 29.02.2016 11:05 Uhr

Wie in jedem Jahr gab es vor der Oscar-Verleihung Favoriten, Geheimtipps und Außenseiter. Wer am Ende die großen Gewinner waren, wer die Enttäuschten und welche Botschaft von der Preisverleihung ausgeht, erläutert ARD-Korrespondent Wolfgang Stuflesser.

Wer waren die großen Gewinner?

Das hat sich diesmal im Grunde auf drei Filme verteilt: In der Königskategorie "Bester Film" hat "Spotlight" gewonnen - da geht es um die wahre Geschichte, wie Reporter des "Boston Globe" einen großen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufdecken. Das war neben dem Drehbuch aber nur einer von zwei Oscars für den Film. Die zahlenmäßig meisten Trophäen bekam das apokalyptische Spektakel "Mad Max Fury Road", allerdings in den eher technischen Kategorien beziehungsweise denen hinter der Kamera, also bester Schnitt, bester Ton, beste Kostüme zum Beispiel.

Ein Weile sah es aus, als würde "The Revenant" der große Gewinner. Der Regisseur Alejandro Inarritu bekam den Preis dafür und wurde damit schon das zweite Jahr in Folge ausgezeichnet, dazu Kameraman Emmanuel Lubezki - und auch für Leonardo DiCaprio hat sich der monatelange Dreh bei Minustemperaturen gelohnt. Er hat jetzt seinen ersten Oscar, insgesamt fünf Mal war er schon als Schauspieler nominiert, das erste Mal vor 22 Jahren. Nur: Bester Film wurde dann nicht "The Revenant", sondern "Spotlight".

Im Vorfeld gab es ja viel Kritik an der Academy, weil zum zweiten Mal in Folge nur weiße Schauspielerinnen und Schauspieler nominiert waren - welche Rolle hat das denn bei der Verleihung gespielt?

Eine ganz große - der Moderator Chris Rock ist ja selbst schwarz, und er hat von seinem ersten Auftritt die Academy und Hollywood aufs Korn genommen. Er sagte, wenn der Moderator nominiert würde, hätte er den Job sicher nicht bekommen. Aber er hat das Ganze auch eingeordnet, hat gesagt, in den 1970er-Jahren haben die Schwarzen in den USA gegen Lynchjustiz und Vergewaltigung demonstriert und nicht dafür, wer bester Kameramann wird. Aber er hat auch die ganz ernsthafte Forderung formuliert, dass schwarze Filmschaffende einfach auch zum Zuge kommen sollten, dass sie eine Chance bekommen sollten, ihr Können zu beweisen. Das Ganze war auch in einigen Dankesreden Thema - zum Beispiel hat der Regisseur Inarritu, der ja aus Mexiko kommt, gesagt, wir hätten nun die Chance, dass die Frage der Hautfarbe so unwichtig wird wie die Frage, wie lange man seine Haare trägt.

Für wen war der Abend eine Enttäuschung - und für wen eine große Überraschung?

Enttäuscht waren sicher die nominierten Deutschen: Patrick Vollrath war ja für seinen Kurzfilm "Alles wird gut" nominiert - aber er hat nicht gewonnen. Und auch der Bühnenbildner Bernhard Henrich ging leer aus. Er war für die Kulisse bei Steven Spielbergs Agententhriller "Bridge of Spies" mit verantwortlich. Wer heute sicher noch feiert, ist Brie Larson - die kennt man bisher kaum, aber sie hat bei ihrer ersten Nominierung gleich gewonnen. Im Film "Raum" spielt sie eine junge Frau, die vor Jahren entführt wurde und sogar ein Kind von ihrem Entführer hat und jetzt versucht, diesem Jungen ein einigermaßen glückliches Leben zu ermöglichen - und das unter diesen Umständen.

Auch für Alicia Vikander und Mark Rylance ist es der erste Oscar. Sie hat im Transgenderdrama "The Danish Girl" mitgespielt, er bei "Bridge of Spies". Normalerweise ist Mark Rylance ein grandioser Theaterschauspieler, aber man sieht, auch der Ausflug ins Kino hat sich für ihn gelohnt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Februar 2016 um 16:00 Uhr.

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