Nominiert für einen Oscar | Bildquelle: REUTERS

Erneut nur Weiße nominiert Schwarze Stars boykottieren Oscars

Stand: 19.01.2016 11:30 Uhr

Oscar - ohne uns! Die afroamerikanischen Hollywood-Größen Spike Lee und Jada Pinkett Smith sind empört. Wieder sind nur weiße Schauspieler für den wichtigsten Filmpreis nominiert. Die beiden wollen "nicht um Anerkennung betteln" und boykottieren die Preisverleihung.

Von Nicole Markwaldt, ARD-Studio Los Angeles

In einem Werbeclip für die anstehende Oscar-Verleihung spricht Moderator Chris Rock davon, dass es ein Abend ähnlich wie Silvester wird: "Wie an Silvester werden am Ende dieses Abends viele betrunken und enttäuscht sein und sich vornehmen, nächstes Jahr alles besser zu machen."

Vielleicht nehmen sich das auch einige Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts & Sciences vor, jenem Branchenverband, der die Oscars vergibt. Knapp 6000 Mitglieder entscheiden über die Nominierungen. Und seit diese in der vergangenen Woche bekannt gegeben wurden, debattiert Hollywood darüber, ob die Academy diskriminiert.

Schwarze Stars boykottieren Oscar-Verleihung
N. Markwald, ARD Los Angeles
19.01.2016 17:30 Uhr

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#Oscarsowhite

Idris Elba, Will Smith, Michael B. Jordan - die schwarzen Schauspieler haben im vergangenen Jahr in Filmen wie dem Bürgerkriegsdrama "Beasts of No Nation", dem Boxfilm "Creed - Rocky’s Legacy" und der Football-Geschichte "Erschütternde Wahrheit" brilliert. Auf einen Oscar können sie trotzdem nicht hoffen. Wie schon im Vorjahr sind alle 20 für einen Oscar nominierten Schauspieler und Schauspielerinnen weiß. Das Twitter-Hashtag #Oscarssowhite erfuhr eine prompte Wiederbelebung.

Nun haben zwei prominente Schwarze angekündigt, die Oscar-Verleihung in diesem Jahr zu boykottieren. Jada Pinkett-Smith, Schauspielerin und Ehefrau des Hollywood-Stars Will Smith lud ein Video auf ihrer Facebook-Seite hoch, in dem sie erklärte: "Um Anerkennung zu betteln, auch nur darum zu bitten, verringert Würde und Macht. Wir sind würdig und wir sind mächtig."

Schauspielerin Jada Pinkett-Smith bei der Golden Globe Verleihung | Bildquelle: AP
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Schauspielerin Jada Pinkett-Smith will nicht um Anerkennung betteln, das mindere Ehre und Macht

Spike Lee erhält am 14.11.2015 den Ehrenoscar | Bildquelle: AP
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Regisseur Spike Lee erhielt zwar schon einen Ehren-Oscar - aber außerhalb der offiziellen Verleihung.

In den Studios ist nur der Sicherheitsmann schwarz

Beistand erhielt sie von Filmemacher Spike Lee. Auch er teilte mit, nicht an den - wie er sagte - "blütenweißen Oscars" teilnehmen zu wollen. Lee hatte erst vor wenigen Monaten einen Ehren-Oscar erhalten. In seiner Dankesrede sprach er darüber, dass es für Schwarze noch immer schwer sei, in Hollywood Fuß zu fassen: "Wenn ich in den Filmstudios unterwegs bin, sehe ich keine Schwarzen. Nur den Sicherheitsmann, der am Eingang meinen Namen auf der Liste abstreicht", so der Regisseur, der Filme wie "Malcolm X" und "Jungle Fever" gemacht hat. Spike Lee fügte provozierend hinzu, es sei in den USA inzwischen einfacher, als Schwarzer Präsident zu werden als ein Filmstudio zu leiten.

Die Präsidentin der Oscar-Akademie, Cheryl Boone-Isaacs, hatte sich enttäuscht über die Nominierungen gezeigt. Sie sagte, um die Vielfalt in Hollywood zu steigern, müsse man "mehr Tempo machen".

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Die wichtigsten Oscar-Nominierungen (14.01.2016)

Oscar-Nominierungen

Noch vor dem Morgengrauen gegen 5.30 Uhr Ortszeit verkündeten der Schauspieler John Krasinki und Cheryl Boone Isaacs, Vorsitzende der Akademie, Nominierungen für die Oscars 2016. Die Verleihung der Preise wird am 28. Februar im Dolby-Theater in Hollywood stattfinden. | Bildquelle: AFP

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