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Organspende in Skandinavien
Betrugsfälle - schwer vorstellbar
Betrugsfälle bei der Organspende - in Norwegen und Schweden sind sie schwer vorstellbar. Norwegen setzt auf starke Kontrollen. Und es gibt nur ein Transplantationszentrum. In Schweden ist die Vergabe regional organisiert.
Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm
So etwas hatten Norwegens Fernsehzuschauer noch nie gesehen - eine "Reality-Show" auf Leben und Tod. Vor zwei Jahren begleiteten Fernsehmacher aus Oslo Patienten, die dringend auf Organe warten. Die Show sorgte für empörte Reaktionen, aber auch für messbare Erfolge. Die Zahl der Spender stieg schlagartig an. Norwegen liegt heute schon auf Platz fünf in der weltweiten Statistik.
Vieles gehe hier halt ein wenig einfacher, erzählt auch Troils Mathisin. Er hat, zusammen mit Freunden, eine Handy-App entwickelt. "Wenn man auf dem Handy seinen Organspendeausweis aktiviert, dann verschickt die App gleich eine Textbotschaft an deine Verwandten", erklärt er. "Jeder kann sehen, dass du Spender bist. Und deine Angehörigen werden gebeten, selbst mitzumachen."
Norwegen als Vorbild bei Organspende?
T. Krohn, ARD Stockholm
27.08.2012 10:47 Uhr
"Schneeballsystem" und gut gefüllte Kassen
Das Schneeballprinzip funktioniert offenbar in einem Land, in dem fast jeder jeden kennt. Norwegen hat nur knapp fünf Millionen Einwohner und obendrein prall gefüllte Kassen. Der Erfolg bei den Organspenden, das räumen die Ärzte in Oslo ohne Zögern ein, sei auch immer eine Sache des Geldes.
Betrugsfälle, wie jetzt in Deutschland aufgedeckt, kann man sich hier nur schwer vorstellen. Es gibt nur ein einziges Transplantationszentrum im Land. Und das, erzählt der Chirurg Arnt Fiane, wird von allen Seiten kontrolliert. Über die Aufnahme eines Patienten entscheidet ein Team aus zwölf Ärzten. "An den Entscheidungen sind viele beteiligt, und der Ablauf wird genauestens überwacht", sagt Fiane. "Es gibt bei uns viele Ebenen, die ineinander greifen und alles kontrollieren." Alles in Norwegen wird von der öffentlichen Hand gesteuert und zentral verwaltet. Die Transparenz ist groß, die Zahl der Organspender beeindruckend.
Schweden: Große Bereitschaft, wenige Spender
Auch in Schweden gucken die Mediziner ein wenig neidisch auf die Nachbarn. Denn hier ist es ähnlich wie in Deutschland: Im Prinzip würden alle spenden wollen - aber nur die Hälfte aller Schweden hat auch tatsächlich den entsprechenden Ausweis.
Dabei sei das mit dem Ausweis eigentlich ganz einfach, sagt Marageta Linder vom Krankenhaus in Falun. "Man kann es auf drei Arten tun. Das Erste ist das gute Gespräch mit den Angehörigen, dass man sagt 'So will ich das haben, falls mir etwas zustößt'. Das Zweite ist die Spenderkarte", zählt Linder auf. Sie sei beispielsweise in der Apotheke erhältlich. "Und die dritte Art, die ich sehr gut finde, ist das Spendenregister. Da kann man sich im Internet anmelden oder man schickt einfach eine Postkarte."
Norwegisches Modell bei der Organspende
ARD-Mittagsmagazin , 27.08.2012, Clas Oliver Richter, ARD Stockholm, zzt. Oslo
Dezentrale Kartei gegen Missbrauch
Mißbrauchsfälle wie in Deutschland? Nein, erklärt Linder, bei allen Problemen - aber so eine Trickserei würde in Schweden bestimmt auffallen. Schweden hat seine Organspenderkartei dezentral organisiert. Alle fünf Regionen im Land haben ihre eigene Liste. Die Ärzte kümmern sich also erst einmal nur um die Fälle in ihrer Umgebung. Wenn sie dabei kein geeignetes Organ finden können, dann fragen sie die Nachbarn.
Kommt man auch da nicht weiter, hilft die zentrale Organbank für ganz Skandinavien "Scandia-Transplant". Das Prinzip bei so einem Notfall ist einfach: Je dringender der Fall, desto schneller wird geholfen. Abstrakte Wartenummern wie bei der Euro-Transplant gibt es nicht.
Auch Patrik war so ein "dringender Fall". Als 15-Jähriger bekam er ein neues Herz. Die Ärzte hatten entschieden, dass ihm schneller geholfen werden muss als anderen. "Als ich mein neues Herz bekam, da habe ich meine alten Klappen gespendet", erzählt Patrick. "Jemand hat mein Leben gerettet. Und so konnte ich vielleicht ein anderes retten." Patrik weiß, dass er großes Glück gehabt hat. Die Zahl der Organspender in Schweden ist nämlich in diesem Jahr wieder deutlich gesunken.
Stand: 27.08.2012 11:56 Uhr
