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55 Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich wenden sich gegen die Personalpolitik von Generaldirektor Wrabetz - per Video auf "youtube". Der hatte einen PR-Mann zum Bürochef ernannt. Die ORF-Journalisten fürchten nun um ihre Unabhängigkeit - und werfen Wrabetz Erpressbarkeit vor.
Von Hans-Jörg Paas, ARD-Hörfunkstudio Wien
Das gab es noch nie: Journalisten des öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunks protestieren in einem Internet-Video gegen die eigene Geschäftsführung: "Wir, die Journalistinnen und Journalisten des ORF, stehen für einen unabhängigen ORF.
Genau diese Unabhängigkeit aber sei gefährdet, heißt es in der knapp 90 Sekunden langen Botschaft auf YouTube. 55 Redakteure sind zu hören und zu sehen, darunter alle Moderatoren der ORF-Nachrichtensendungen. Ihr Anliegen: den Österreichischen Rundfunk vor parteipolitischer Einvernahme zu bewahren.
"Wir sind ausschließlich journalistischer Ethik und dem ORF-Publikum verpflichtet. Die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die in der Verfassung garantiert ist, lassen wir uns nicht nehmen, weder durch parteipolitische Wünsche noch durch die offenkundige Bereitschaft der ORF-Geschäftsführung solche Wünsche zu erfüllen."
[Bildunterschrift: ORF-Nachrichtensendung: Die Moderatoren wenden sich geschlossen gegen Wrabetz. ]
Konkret gemeint ist eine Personal-Entscheidung von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der hatte kürzlich einen 25-jährigen PR-Mann zu seinem Büroleiter gemacht. Aus Sicht der empörten ORF-Belegschaft eine Ernennung mit gleich zwei Schönheitsfehlern.
Zum einen war die Bewerbungsfrist noch gar nicht abgelaufen, da machte Wrabetz seine Entscheidung schon öffentlich bekannt. Zum anderen ist der Auserwählte bislang vor allem als Parteipolitiker in Erscheinung getreten. Im Sommer sorgte er maßgeblich dafür, dass Wrabetz vom Aufsichtsgremium des ORF wiedergewählt wurde, mit großer Unterstützung der Sozialdemokratischen Partei, die auch den Bundeskanzler stellt.
Nikolaus Pelinka – so der Name des jungen Mannes – trat damals als Koordinator des SPÖ-Freundeskreises im ORF-Stiftungsrat auf. Mit großem Erfolg. Kein Wunder, dass die Ernennung Pelinkas zum Bürochef jetzt wie ein nachträgliches Dankeschön für die erwiesene Gefälligkeit erscheint.
[Bildunterschrift: ORF-Generaldirektor Wrabetz: Politisch erpresst worden? ]
Für Armin Wolf, den prominentesten Anchorman der Nachrichtensendung "Zeit im Bild", ist klar: "Die ORF-Spitze wird politisch erpresst." Und sie lasse sich leider erpressen. Wie das weitergehen könnte, stellen Kabarettisten in der ORF-Satiresendung "Wir Staatskünstler" schon mal am Beispiel dar. Bei ihnen ruft eine Figur namens "Niko“ in jeder Sendung ungefragt an, immer bemüht um das gute Image der Regierungspartei. Und auch eine weitere Figur tritt in der Show auf: die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, als deren enger Vertrauter Nikolaus Pelinka gilt.
Aber nicht nur Kabarettisten, selbst die öffentlichkeitsscheue Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek empört sich über die ORF-Führungspersonalie und widmet dem SPÖ-Senkrechtstarter einen Text auf ihrer Homepage. Unter dem Titel "Der kleine Niko" sieht sie das Ende der Sozialdemokratie heraufziehen.
ORF-Generaldirektor Wrabetz bleibt von den Protesten bislang unbeeindruckt und will an seiner Entscheidung festhalten, die Redakteure an ihrem Kampf allerdings auch. Im Video heißt es: "Der ORF gehört den Österreicherinnen und Österreichern - nicht den Parteien. Um das zu unterstreichen werden wir unseren Protest fortsetzen."
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