Oregon | Bildquelle: REUTERS

Nach Amoklauf in Oregon Trauer und viele Fragen

Stand: 02.10.2015 17:48 Uhr

Einen Tag nach dem Amoklauf am College im US-Bundesstaat Oregon sind die Menschen in Roseburg noch immer geschockt - insbesondere der Vater des Täters. Warum schoss der 26-Jährige? Weshalb zog es ihn an dieses College?

Von Nicole Markwald, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Als Fernsehreporter am späten Abend bei Ian Mercer klingeln, kann der sichtlich fassungslose Mann nur folgendes sagen: "Ich bin geschockt, einfach nur geschockt. Das ist alles, was ich sagen kann, es war ein schrecklicher Tag.”

Ian Mercer ist der Vater des 26-Jährigen, der gestern am Umpqua Community College in Roseburg im US-Bundessstaat Oregon neun Menschen erschoss. Er selbst kam bei einem Schusswechsel mit Polizisten ums Leben, die nach Notrufen zu dem College eilten.

Knapp 24 Stunden später gibt es noch immer viele Fragen: Warum beging der 26-Jährige die Tat? Wie wählte er seine Opfer aus? Warum zog es ihn an das kleine College, zu dem er nach bisherigem Kenntnisstand keine persönliche Verbindung hatte. Woher hatte er die Waffen und Munition für seine Tat?

US-College in Roseburg | Bildquelle: dpa
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Das US-College in Roseburg.

Schwere Schuhe, Armeehose und weißes T-Shirt

Nachbarn beschreiben ihn als zurückhaltend. Er habe jeden Tag gleich ausgesehen: schwere Schuhe, Armeehose, weißes T-Shirt. Und er habe ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter gehabt. Eine Augenzeugin berichtete, der Täter habe gezielt nach Christen unter den Studenten gesucht und diese getötet. Es wird Wochen und Monate dauern, bis die Menschen in Roseburg Antworten bekommen. Noch immer werden mehrere Verletzte in örtlichen Krankenhäusern behandelt.

Debatte über strengere Waffengesetze

Unterdessen debattieren die USA - wie nach jedem Amoklauf - erneut über strengere Waffengesetze. Die Politik ermögliche, dass alle paar Monate eine solche Tat geschehe, so Obama.

Obama fordert erneut schärfere Waffengesetze
tagesschau 12:00 Uhr, 02.10.2015, Ulrich Adrian, WDR

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Der Sheriff von Douglas County in Oregon, John Hanlin, hatte sich in der Vergangenheit gegen schärfere Waffengesetze engagiert. Damit ließen sich abscheuliche Verbrechen wie Amokläufe an Schulen ohnehin nicht vermeiden, schrieb er 2013 in einem Brief an US-Vizepräsident Joe Biden. Auch jetzt, nach der Tragödie in seiner Gemeinde, bleibt Hanlin dabei: "Meine Position hat sich nicht geändert. Aber ich werde keine Zeit damit verschwenden, jetzt oder in naher Zukunft über striktere Waffengesetze zu diskutieren."

Waffen auf dem Campus verboten

Auf dem Campus des Umpqua Community College war es verboten, eine Waffe zu tragen. Uni-Präsidentin Rita Cavin hält das auch nach wie vor für richtig. In Oregon wurde lange um schärfere Regeln gerungen. Erst seit August müssen sich Käufer von Waffen einem so genannten "background check" unterziehen. Dabei wird überprüft, ob sie in der Vergangenheit kriminell waren oder psychisch krank. Noch ist nicht bekannt, woher der Täter von Roseburg seine Waffen hatte oder ob er psychisch auffällig war.

Trauer und viele Fragen
N. Markwald, ARD Los Angeles
02.10.2015 17:13 Uhr

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