Eine neue Orang-Utan-Art wurde in Sumatra entdeckt. | Bildquelle: AFP

Sumatra in Indonesien Neue Orang-Utan-Art - für Forscher eine Sensation

Stand: 02.11.2017 18:45 Uhr

Die Forscher sprechen von einer Sensation: Auf der indonesischen Insel Sumatra haben Biologen eine neue Art von Orang-Utans identifiziert. Die Population umfasst etwa 800 Tiere und gilt damit als seltenste und zugleich am stärksten bedrohte Menschenaffenart der Welt.

Im Norden der indonesischen Insel Sumatra haben Wissenschaftler eine neue Orang-Utan-Art entdeckt. Die neue Spezies gilt mit lediglich 800 Tieren nun als die seltenste und zugleich am stärksten bedrohte Menschenaffenart der Welt, wie die Umweltschutzorganisation Worldwide Fund For Nature (WWF) und Forscher der Universität Zürich mitteilten.

Unterschiede in Aussehen und Genstruktur

Bislang wurde davon ausgegangen, dass mit dem Sumatra-Orang-Utan und dem Borneo-Orang-Utan lediglich zwei unterschiedliche Arten existieren. Nach jahrelanger Arbeit fand ein internationales Forscherteam jedoch heraus, dass sich eine vor 20 Jahren entdeckte, isoliert lebende Gruppe auf Sumatra deutlich von den übrigen Tieren unterscheidet, insbesondere durch eine andere Schädelform. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.

Eine neue Orang-Utan-Art wurde in Sumatra entdeckt. | Bildquelle: AP
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Die neue Art unterscheidet sich unter anderem durch die Kopfform von ihren Verwandten.

Die neue Spezies wurde nach ihrer Heimatregion auf den Namen Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) getauft. Die Tieren leben im Batang-Toru-Wald auf einer Fläche von nur 1100 Quadratkilometern. "Es ist die erste Bekanntgabe einer neuen großen Affenart seit etwa 100 Jahren", sagte Ian Singleton, Direktor des Sumatra Orang-Utan Schutzprogramms und Co-Autor der Studie. Die Forscher untersuchten im Rahmen der Studie Erbmaterial, Schädel und Zähne von 33 Orang-Utans, die im Konflikt mit Menschen getötet wurden.

Abspaltung vor 20.000 Jahren

Sie gehen davon aus, dass sich die drei Arten von Orang-Utans vor etwa 3,4 Millionen Jahren von ihren gemeinsamen Vorfahren wegentwickelt haben. Die neu entdeckte Spezies scheine ein direkter Nachkomme der ursprünglichen Orang-Utans zu sein, die vom Festland Asiens aus eingewandert seien, sagte Alexander Nater von der Universität Zürich. Vor 10.000 bis 20.000 Jahren sei der Tapanuli-Orang-Utan dann von anderen Sumatra-Orang-Utan-Populationen isoliert worden. "Es ist wirklich sehr spannend und aufregend, eine neue Menschenaffenart im 21. Jahrhundert zu identifizieren", erklärte Michael Krützen von der Uni Zürich und Hauptautor der Studie.

Jetzt gehe es darum, den Tapanuli-Orang-Utan zu schützen. Wenn nicht genug getan werde, "um jedes noch verbleibende Waldstück zu bewahren, stirbt eine Menschenaffenart bereits in wenigen Jahrzehnten aus". "Die Entdeckung eines neuen Menschenaffen ist eine Sensation und zeigt, dass die Urwälder der Welt noch immer viele Überraschungen parat haben", erklärte auch WWF-Expertin Susanne Gotthardt.

Damm-Projekt bedroht Menschenaffen

Kaum entdeckt, sei die neue Art aber schon akut bedroht. Neben Goldabbau, illegaler Entwaldung und Wilderei stelle ein geplantes Dammbauprojekt die größte Gefahr dar. In dem Gebiet, wo der Tapanuli-Orang-Utan lebt, soll demnach ein Damm für ein Wasserkraftwerk errichtet werden.

Wissenschaftler entdecken neue Orang-Utan-Art
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
02.11.2017 20:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2017 um 17:34 Uhr.

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