Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien | Bildquelle: dpa

Türkische Offensive in Syrien "Gegen die YPG, nicht gegen die Kurden"

Stand: 04.02.2018 03:14 Uhr

Der Chefberater des türkischen Präsidenten Erdogan, Kalin, rechtfertigt im Interview den Militär-Einsatz in Syrien. Die Operation richte sich nicht gegen die syrischen Kurden, sondern gegen die mit der PKK verbündete YPG.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

Ibrahim Kalin, Chefberater und Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan
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Ibrahim Kalin, Chefberater und Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Ibrahim Kalin, Chefberater und Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, empfängt eine Gruppe von internationalen Journalisten im gediegenen Yildiz-Palast - eine der ehemaligen Sultan-Residenzen in Istanbul. Er lässt Königshalwa servieren, eine Süßspeise. Sie ist offenbar gedacht als Kompensation für das bittere Thema der Veranstaltung. Etwa eineinhalb Stunden antwortet Kalin mehr oder weniger offen auf Fragen der Journalisten zur "Operation Olivenzweig". Seit zwei Wochen greift die türkische Armee Stellungen der syrischen Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Region Afrin an.

Zwar muss die türkische Armee am Tag des Pressegesprächs mit Kalin mehrere tote Soldaten vermelden. Dennoch ist er der Meinung, "Olivenzweig" laufe wie geplant gut, und die türkischen Truppen wie auch der Verbündete - die syrisch-arabische Miliz Freie Syrische Armee - machten gute Fortschritte.

Türkische Offensive gegen Kurden in Syrien dauert an
tagesthemen 22:45 Uhr, 04.02.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Besetzung Afrins nicht geplant

Ziel der Operation sei keineswegs, so Kalin, die Besetzung Afrins. "Sobald die Operation beendet ist, werden wir das Gebiet den Menschen in Afrin zurückgeben, und sie werden vom Joch der YPG-Einheiten befreit sein." Wie schlimm dieses "Joch" sei, würden die USA, die die YPG militärisch und politisch unterstützen, entweder nicht sehen oder einfach nur ignorieren.

Kalin spricht von Menschenrechtsverletzungen, allesamt belegt in einem Bericht von Amnesty aus dem Jahr 2015. "Olivenzweig" richte sich nicht gegen die syrischen Kurden, so Kalin, sondern vielmehr gegen die YPG, die mit der als Terrororganisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK verbündet sei.

Unterschiedliche Angaben über zivile Opfer

Während die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte von mehreren Dutzend zivilen Opfer im Zuge der Operation spricht, sagt Kalin, man habe zivile Opfer während der Offensive bisher vermeiden können. Bilder aus Syrien, die anderes zeigten, seien YPG-Propaganda.

Besonders zufrieden zeigt sich Kalin mit den bisherigen internationalen Reaktionen auf die Militäroffensive. "Niemand stellt die Rechtmäßigkeit der Operation infrage. Sicherlich stellen einige Staaten und internationale Organisationen hin und wieder Fragen und bitten uns, zivile Opfer zu vermeiden. Das ist in Ordnung. Aber die Gesamtunterstützung war eher gut."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor Unterstützern in Bitlis im Osten der Türkei | Bildquelle: dpa
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Präsident Erdogan vor Unterstützern in Bitlis im Osten der Türkei. An eine Einigung Syriens unter Machthaber Assad glaubt die Türkei nicht.

Die Türkei und die Einigung Syriens

Die Türkei glaube weiterhin nicht daran, dass der syrische Machthaber Baschar al-Assad das Land einen könne, so Kalin. Assad habe seine Legitimität verloren. Die Russen würden auch nicht wirklich Assad beschützen, so Kalin, sondern vielmehr staatliche Institutionen, den Staatsapparat oder die syrische Armee.

Für Mitglieder des Vorstandes eines türkischen Ärzteverbandes, die festgenommen wurden, weil sie sich gegen die "Operation Olivenzweig" ausgesprochen haben, hat Kalin kein Verständnis. "Die, die diese Kampagnen fahren, haben beispielsweise niemals Kampagnen gegen den Anti-IS-Kampf in Mossul oder in Rakka durchgeführt. Aber immer, wenn es um die PKK oder die YPG geht, dann werden die zu Humanisten, Freiheitsliebenden und Kriegsgegnern."

Bedrohung für die türkische Grenze

Es gebe eben momentan Gesetze in der Türkei, die die Verherrlichung von Terrorismus verbieten würden, sagt Kalin. Im letzten Jahr hätte die YPG die Türkei siebenhundert Mal mit Raketen angegriffen. Man kenne die Abmachungen zwischen der YPG und den USA nicht. Aber es sei klar, dass die Kurdenmiliz eine Bedrohung für die türkische Grenze sei. "Wir haben dies den Amerikanern viele Male auf verschiedenen Ebene, auf militärischer Ebene, auf politischer Ebene, deutlich gemacht, dass wir handeln würden, wenn sie nicht handeln. Sie haben nicht gehandelt, dafür aber nun wir."

Zuerst, so Kalin, müsste sich die YPG auf die östliche Seite des Euphrat zurückziehen. Langfristig möchte die türkische Führung jedoch die Kurdenmiliz gar nicht mehr an der syrisch-türkischen Grenze sehen.

Angespanntes Verhältnis zu den USA

Das Verhältnis zwischen den USA und Ankara gilt derzeit als angespannt. Mit den Russen, so Erdogans Berater, hätte man jedoch ein sehr gutes Arbeitsverhältnis und sei in ständigem Austausch, auch auf Präsidentenebene.

Die USA kooperierten mit der YPG sicherlich längst nicht mehr, um die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu bekämpfen, sagte unlängst ein hoher türkischer Regierungsbeamter der ARD. Es handle sich vielmehr um einen Stellvertreterkrieg. Washington habe erkannt, dass der Iran langfristig in Syrien militärisch aktiv bleiben wolle. Die USA, Saudi Arabien und Israel glauben, es müsste ein Gegengewicht zum Iran in Syrien geben, und erneut würden dafür die USA mit der Kurdenmiliz YPG den falschen Partner auswählen, so Ankaras Lesart.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2018 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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