Von der spanischen "Open Arms" aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge | Bildquelle: dpa

Rettung im Mittelmeer Barcelona lässt "Open Arms" anlegen

Stand: 01.07.2018 05:55 Uhr

Die "Open Arms" darf nach der Zusage durch die spanische Regierung im Hafen von Barcelona anlegen. Das Schiff rettete 60 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Italien und Malta hatten die Aufnahme zuvor verweigert.

Ein Rettungsschiff mit 60 Flüchtlingen an Bord darf nach einem Streit um Zuständigkeiten im spanischen Barcelona anlegen. Die "Open Arms", ein Schiff der Hilfsgruppe Proactiva Open Arms aus Barcelona, werde aufgenommen, teilte die spanische Regierung mit.

Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms schrieb auf Twitter, dass ihr Schiff "Open Arms" mit 60 geretteten Personen an Bord Barcelona anlaufen dürfe.

Zum dritten Mal innerhalb weniger Tage war zuvor ein Streit zwischen EU-Staaten über die Aufnahme von Flüchtlingen entbrannt, die von einem privaten Schiff aus dem Mittelmeer gerettet wurden. Italien und Malta hatten eine Aufnahme verweigert - und sich dabei einen erbitterten Schlagabtausch geliefert.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte erklärt, die Schiffsbesatzung könne "vergessen, in einem italienischen Hafen anzukommen". Das Schiff sei in libyschen Gewässern, der nächste Hafen sei Malta und es fahre unter spanischer Flagge. Der maltesische Innenminister Michael Farrugia argumentierte im Gegenzug, dass die italienische Insel Lampedusa weniger weit vom Schiff entfernt liege.

Rettungsschiff "Open Arms" im Mittelmeer | Bildquelle: dpa
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Das Rettungsschiff "Open Arms" nahm 59 Flüchtlinge an Bord.

Kapitän widerspricht Italiens Darstellung

Der Kapitän der "Open Arms", Marco Martinez, erläuterte die Abläufe rund um die Rettung so: Er habe das Seerettungskoordinationszentrum mit Sitz in Rom über die Migranten informiert und sei angewiesen worden, libysche Seebehörden anzurufen. Diese hätten nicht über Telefon oder Radio reagiert. Die Behörden in Rom hätten ihm dann gesagt, er müsse entscheiden, ob die Rettung ausgeführt werde, sagte Martinez.

Ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP sah von Bord eines nahegelegenen Rettungsschiffs aus, dass sich ein libysches Küstenwachenschiff der "Open Arms" näherte, als die Entdeckung des Schlauchboots gemeldet worden war. Doch kurz vor dem Ort der Rettung kehrte es um und fuhr weg. Es befahl der "Open Arms", nach Spanien zurückzukehren.

Farrugia forderte Salvini auf Twitter auf, er solle damit aufhören, "falsche Nachrichten zu verbreiten". Er fügte seinem Tweet eine Karte hinzu, die ihm zufolge darauf hinwies, dass die Rettung im libyschen Such- und Rettungsgebiet erfolgt sei und in Gewässern zwischen Libyen und Lampedusa. Die erfolgreiche Rettung wurde von vier Abgeordneten des Europäischen Parlaments an Bord eines Begleitschiffs, der "Astral", beobachtet.

Dritter Fall nach "Aquarius" und "Lifeline"

Salvini hatte zuletzt deutlich gemacht, dass die neue Regierung in Rom in diesem Sommer keine weiteren Rettungsschiffe humanitärer Gruppen in Italien anlegen lassen werde. Italien will, dass die libysche Küstenwache die Migranten abfängt und zurück in das Bürgerkriegsland bringt. Trotz aller Blockaden setzen sich Flüchtlinge aber weiter in nicht hochseetaugliche Boote und machen sich auf den gefährlichen Weg in Richtung Europa.

"Trotz der Hindernisse machen wir weiter, das Recht auf Leben der Unsichtbaren zu schützen", erklärte Proactiva. In den vergangenen Tagen mussten bereits die Schiffe "Aquarius" von SOS Méditerranée und "Lifeline" von der Dresdner Organisation Mission Lifeline nicht in Italien anlegen und mussten deshalb mit Hunderten Migranten tagelang auf dem Meer ausharren. Die "Aquarius" durfte nach der Hängepartie schließlich nach Spanien, die "Lifeline" nach Malta. Aber auch Malta geht eine harte Gangart gegen Hilfsorganisationen und verweigerte bereits Schiffen die Einfahrt für einen Versorgungsstopp.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2018 um 04:55 Uhr.

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