Vauxhall-Händler in Luton | Bildquelle: AP

Sorge um Werksschließungen Bangen bei Vauxhall

Stand: 06.03.2017 17:09 Uhr

Nach dem GM-PSA-Deal fürchten nicht nur in Deutschland Opel-Mitarbeiter um ihre Jobs. Auch bei Vauxhall in Großbritannien geht die Angst um. Zwei Werke stehen auf der Kippe. Doch für sie könnte der Brexit zum Glücksfall werden.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Südlich von Liverpool, in Ellesmere Port, baut Vauxhall das Modell Astra. Der bisherige Besitzer General Motors hatte für dieses Werk eine Produktionsgarantie bis zum Jahr 2021 gegeben. Doch nachdem der Verkauf jetzt feststeht, herrscht bei den Mitarbeitern, die zur Schicht kommen, Unsicherheit. Noch tappen wir im Dunkeln, sagt ein Vauxhall-Beschäftigter.

Rund 4500 Beschäftigte hat Vauxhall in seinen beiden britischen Werken. Neben Ellesmere Port gibt es noch eines in Luton bei London, wo der Transporter Vivaro gebaut wird. Für diese Fabrik hat GM die Produktion bis 2025 zugesagt. Einer der Vauxhall-Mitarbeiter sorgt sich, ob der Käufer PSA Peugeot Citroën die Pensionszusagen von General Motors übernehmen wird.

Vauxhall-Fabrik in Ellesmere Port, Liverpool | Bildquelle: dpa
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Vauxhall-Fabrik in Ellesmere Port bei Liverpool

Gewerkschaft alarmiert

Der Verkauf hat auch die Gewerkschaft Unite alarmiert, zumal die europäische Tochter von GM seit 1999 keinen Gewinn gemacht hat. Die beiden Fabriken in Großbritannien seien jedoch die produktivsten von GM in Europa, sagt Unite-Boss Len McCluskey. Er forderte die britische Regierung auf, Arbeitsplätze zu verteidigen - wie es Deutschland und Frankreich auch täten. Die Herausforderung sei nun, so McCluskey, die Zukunft der Werke auf der Insel langfristig durch den Bau neuer Modelle zu sichern.

Einige Branchenkenner fürchten gleichwohl, dass der neue Eigentümer aus Frankreich Stellen streichen und womöglich sogar einen oder beide Standorte in Großbritannien aufgeben könnte, weil dies aufgrund des hiesigen Arbeits- und Tarifrechts günstiger wäre, als Opel-Werke in Deutschland zu schließen.

PSA-Chef Carlos Tavares versuchte in Paris zu beruhigen, die Vauxhall-Mitarbeiter müssten kein Risiko fürchten, solange sie ihre Leistung verbessern. Dennoch ruft die Gefahr von Standortschließungen natürlich die Regierung in London auf den Plan. Wirtschaftsminister Greg Clark ist allerdings nach seinen bisherigen Gesprächen mit Tavares vorsichtig optimistisch, dass der neue Eigentümer mindestens die bisherigen Zusagen von GM einhalten wird.

Glückfall Brexit?

Kopfzerbrechen dürfte dem Käufer PSA der Brexit bereiten; erst recht, weil Großbritannien nicht nur die EU, sondern auch den europäischen Binnenmarkt verlassen will. Tavares ließ aber durchblicken, britische Standorte könnten dann sogar vorteilhaft sein. Das sieht auch Professor Christian Stadler von der Warwick Business School so: "Sollte es zu einem harten Brexit und zu Zöllen kommen, dann wird es teurer, Autos aus Kontinentaleuropa nach Großbritannien zu exportieren. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, Fabriken hier zu haben, Autos hier zu bauen - sogar für jene Modelle, die Peugeot derzeit in Frankreich produziert."

Nicht ausgeschlossen, dass nach dem Binnenmarkt-Austritt beim Handel zwischen Insel und Kontinent bei der Ein- und Ausfuhr von Autos erhebliche Zölle anfallen. PSA könnte von London ein Zuckerbrot fordern, um britische Werke zu erhalten und dort zu investieren. Vauxhall baut seit 1903 Autos und gehörte seit 1925 zu GM.

Nach Opel/Vauxhall-Verkauf: Sorgen um britische Werke
S. Pieper, ARD London
06.03.2017 16:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. März 2017 um 13:39 Uhr.

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