Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter.  | Bildquelle: AFP

Giftanschlag auf Ex-Spion OPCW bestätigt britische Erkenntnisse

Stand: 12.04.2018 17:10 Uhr

Internationale Experten der OPCW haben die britischen Ermittlungsergebnisse im Fall Skripal bestätigt. In ihrem veröffentlichten Kurzbericht benannten sie aber weder die Substanz noch deren Herkunft.

Im Fall des Giftanschlags auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal hat die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die Erkenntnisse Großbritanniens bestätigt. Das teilte die Organisation nach der Untersuchung von selbst genommenen Proben durch vier Labors mit.

Die OPCW nannte in der veröffentlichten Kurzfassung ihres Berichts allerdings keinen mutmaßlichen Urheber der Attacke und erwähnte auch nicht, welche Substanz bei dem Anschlag zum Einsatz kam. Sie erklärte lediglich, der Giftstoff sei von großer Reinheit gewesen.

OPCW @OPCW
�� #OPCW issues report on technical assistance requested by the #UnitedKingdom #UK in regard to the #Salisbury incident on 4 March 2018. Find the executive summary here: https://t.co/N43P0trUiK https://t.co/0LRNP7afza

Ausführlicher Bericht bleibt geheim

Logo der Organisation zum Verbot Chemischer Waffen (OPCW)
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Die OPCW hält die Details ihrer Untersuchungsergebnisse unter Verschluss.

Die ausführlichen Untersuchungsergebnisse, die als geheim eingestuft wurden, sollen nun den Mitgliedsstaaten der Organisation zur Verfügung gestellt werden. Nähere Angaben zum identifizierten Gift sind demnach in der Langfassung des Berichts enthalten. Für kommenden Mittwoch ist eine Sondersitzung der OPCW angesetzt, bei der über den Fall und das weitere Vorgehen beraten werden soll.

Der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im englischen Salisbury vergiftet aufgefunden worden. Die britischen Behörden hatten aufgrund der Analyse durch ein Militärlabor mitgeteilt, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe eingesetzt worden sei, das ursprünglich in der Sowjetunion entwickelt wurde. Der Leiter des Labors hatte zudem erklärt, die Reinheit und Art des verwendeten Gifts deuteten auf einen staatlichen Akteur als Urheber hin.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Briten hatten OPCW-Untersuchung erbeten

Die Regierung in London macht Russland für die Attacke verantwortlich, ohne dafür öffentlich Beweise vorgelegt zu haben. Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, es gebe keinen Zweifel mehr über das Gift. Nur Russland habe Mittel und Motive für einen solchen Anschlag und auch eine entsprechende Vorgeschichte. Eine andere Erklärung gebe es nicht.

Der Kreml hat allerdings wiederholt betont, mit dem Anschlag im südenglischen Salisbury nichts zu tun haben. Russland wirft Großbritannien ein vorschnelles Urteil vor und kritisierte die von mehreren Staaten wegen des Falls beschlossenen Ausweisungen russischer Diplomaten scharf.

OPCW bestätigt Angriff auf Skripals mit Nervengift
tagesschau 20:00 Uhr, 12.04.2018, Hanni Hüsch, ARD London

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Russland akzeptiert Untersuchungsergebnis nicht

Auch das vorliegende Untersuchungsergebnis werde Russland nicht akzeptieren, solange Moskau keinen Zugang zu den Untersuchungen britischer Behörden und der OPCW erhalte, erklärte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums. Sie kritisierte, dass der Bericht keinerlei Hinweise enthalte, wie, wo und unter welchen Umständen Proben genommen worden seien - dies werfe bei russischen Experten Fragen auf. Man sei aber weiterhin bereit, bei der Aufklärung mitzuwirken, betonte Sacharowa.

Die britische Regierung hatte die internationalen Chemiewaffenexperten der OPCW gebeten, in dem Fall zu ermitteln. Diese hatten daraufhin Blutproben von Skripal und seiner Tochter Julia genommen und auch an den möglichen Orten der Vergiftung Proben genommen, die in den vergangenen Tagen untersucht wurden.

OPCW stellt Bericht zum Fall Skripal vor (korrigierte Version)
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
13.04.2018 16:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2018 um 14:00 Uhr.

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