OPCW Logo am Hauptgebäude | Bildquelle: AFP

Mutmaßlicher Giftgasangriff auf Duma Russland meldet Ende der OPCW-Inspektion

Stand: 04.05.2018 19:49 Uhr

Zwei Wochen lang suchten internationale Chemiewaffenexperten im syrischen Duma nach Belegen für einen möglichen Giftgasangriff. Nun haben sie ihre Untersuchung nach russischen Angaben beendet.

Die Inspekteure der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) haben nach russischen Angaben ihre Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs im syrischen Duma beendet.

Russische Soldaten hätten den OPCW-Fachleuten ungehinderten Zugang zu allen gewünschten Objekten verschafft, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Aus diplomatischen Kreisen hatte es der Nachrichtenagentur Reuters zufolge geheißen, die Inspektoren seien am Donnerstagabend an den Hauptsitz der Organisation in den Niederlanden zurückgekehrt.

Die internationalen Chemiewaffenexperten waren am 14. April nach Damaskus geflogen, konnten aber erst mit einwöchiger Verzögerung nach Duma reisen und mit ihren Untersuchungen beginnen. Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge sprachen sie mit möglichen Zeugen und besuchten zwei Wohnungen sowie ein Krankenhaus. Demnach untersuchten sie auch ein von Russland entdecktes Labor und ein Chemikalienlager. Auf diese zwei Orte stützt Moskau seine Gegenthese, bewaffnete Regierungsgegner hätten Zugang zu Gift gehabt.

Mehr als 40 Tote durch den Angriff

Duma liegt im damaligen Rebellengebiet Ost-Ghouta bei Damaskus. Am 7. April waren in der Stadt mehr als 40 Menschen mutmaßlich durch Gas getötet und Hunderte verletzt worden. Der Westen machte die syrische Regierung für die Attacke verantwortlich. Damaskus und Moskau wiesen den Vorwurf zurück. Die USA, Großbritannien und Frankreich bombadierten als Vergeltung Ziele in Syrien.

Die russische Regierung erwarte nun einen "unparteiischen und professionellen Bericht" der OPCW, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Von der Unterorganisation der Vereinten Nationen gab es zunächst keine Stellungnahme. Die OPCW erwäge, Leichen der mutmaßlichen Giftgasopfer aus Duma zu exhumieren und zu untersuchen, sagte OPCW-Leiter Ahmet Üzümcü der Zeitung "Financial Times".

Im Lauf des siebenjährigen Syrienkrieges wurde mehrmals Giftgas eingesetzt. In den meisten Fällen wurde das syrische Militär als Angreifer ausgemacht. Deshalb setzten die USA und Russland von 2013 bis 2014 gemeinsam eine Vernichtung der Chemiewaffen von Präsident Bashar al-Assad durch. Trotzdem gab es auch 2017 einen Chemieangriff auf Regierungsgegner in der Stadt Ort Chan Scheichun. Die USA reagierten mit Beschuss einer syrischen Militärbasis.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Mai 2018 um 23:00 Uhr.

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