Wahlkampf im Netz Alter schützt vor YouTube nicht

Stand: 09.03.2017 14:59 Uhr

Der Star der sozialen Netzwerke ist mitnichten der für politische Verhältnisse sehr jugendliche 39-jährige Emmanuel Macron, sondern das Schlachtross des französischen Wahlkampfs Jean-Luc Mélenchon. Er ist die Persönlichkeit mit den meisten Abonnenten auf YouTube.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Der 65-jährige Linken-Politiker Mélenchon, der 2012 schon einmal Präsident werden wollte, hat eben aus Erfahrung gelernt. Und wie: Mélenchon ist der erste französische Politiker, der es geschafft hat, im Wahlkampf per Übertragung an zwei Orten zugleich aufzutreten: Unbeschreiblicher Jubel bei seinen Anhängern, als Mélenchon und sein Hologramm zeitgleich in Lyon und in Paris auf der Bühne standen.

Jean-Luc Mélenchon | Bildquelle: AFP
galerie

YouTube-Star Jean-Luc Mélenchon - zwei Drittel seiner Abonnenten sind unter 34.

Mit solchen Spielereien bleibt Mélenchon im Gespräch. Er hat mittlerweile 225.000 YouTube-Abonnenten, mit denen er sich regelmäßig austauscht. Seine Kommunikations-Direktorin Sophia Chikirou ist sein Online-Guru. Chikirous Vorbild heißt Bernie Sanders.

Welterklärer im Netz

Der Fast-Kandidat der US-Demokraten steht Mélenchon auch inhaltlich recht nahe und Mélenchons Online-Wahlkampf orientiert sich eng an Sanders: "Er hat die Leute über die sozialen Netzwerke mobilisiert und das versucht Jean-Luc auch, Wahlkampf à la Bernie Sanders", sagt Chikirou.

Weil Mélenchon gerne redet und die Welt erklärt, kommt ihm das Netz sehr gelegen: Die Wochenschau von Jean-Luc Mélenchon, in der er die Ereignisse aus seiner Sicht aufarbeitet, erreicht über 200.000 Leute - und zwei Drittel seiner Abonnenten sind unter 34.

Le Pen hängt hinterher

Wer sich online ebenfalls mächtig ins Zeug legt, ist der Front National, der sogar eigene Comic-Videos als YouTube-Serie herstellt - Hauptfigur ist dabei nicht Marine Le Pen, sondern Francois Fillon. Der wird in vielen fiesen Folgen als Büttel katarischer Scheichs karikiert, als Raffzahn denunziert und so weiter und so fort.

Wie Mélenchon nutzt Le Pen die Internetplattformen verstärkt - und lässt sich von Ideen aus den USA inspirieren. Ohne etwa Trump zu kopieren, versichert ihr Wahlkampfleiter David Rachline: "Marine hat ihre eigene Persönlichkeit, sie hat sich natürlich umgeschaut, was geht. Aber sie wird eine ehrgeizige Strategie im Netz entwickeln."

Le Pens offizieller Wahlkampf-Clip wurde bereits über 800.000 Mal aufgerufen, er ist seit drei Wochen online. Der eigene YouTube-Kanal hinkt jedoch der Konkurrenz hinterher: 15.000 Abonnenten, darüber lacht der linksextreme Mélenchon.

Sarkozy als Vorreiter

Die anderen Parteien haben noch mehr Nachholbedarf, aber auch sie tummeln sich mittlerweile mehr und mehr in den sozialen Netzwerken. Einer, der die Möglichkeiten des Netz übrigens als einer der ersten erkannt hatte, war Nicolas Sarkozy. Der Ex-Präsident wusste um den unbestreitbaren Vorteil von Facebook, Twitter, YouTube und Konsorten: Dort werden keine unangenehmen Fragen und kritischen Nachfragen gestellt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. März 2017 um 05:49 Uhr

Darstellung: