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Die USA empören sich über Olympia-Outfit - "Made in China"
"Man sollte die Uniformen verbrennen"
In den USA ist Wahlkampf - und da werden normalerweise die Samthandschuhe ausgezogen und es geht auch schon mal unter die Gürtellinie des politischen Gegners. Aber diese Tage sind nicht normal, denn das Outfit der US-Athleten bei den Olympischen Spielen vereint Demokraten und Republikaner in heftiger Empörung. Die Uniform nämlich ist "Made in China".
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington
Man könnte sich über die offizielle Kleidung für die amerikanischen Olympioniken streiten, über die Blazer, Krawatten und Röcke, oder Hemden und Baretts, so eine Art Baskenmütze für Amerikaner, wie sinnig. Aber dies macht keiner in den USA. Vielleicht, weil man sich über Geschmack nicht streiten sollte, wahrscheinlich aber, weil zumindest die Nationalfarben getroffen wurden: Weiß, blau und rot.
Und doch hat es für die Amerikaner bereits den ersten olympischen Skandal gegeben, noch vor Wettkampfbeginn in London. Aufgeregt berichtet die CNN-Reporterin Alina Cho, jeder sei darüber geschockt und verärgert: "Dass nämlich der Modehersteller Ralph Lauren die Kleidung für die Olympioniken in China hat herstellen lassen, dies hat hohe Wellen geschlagen. Selbst einer der unemotionalsten Politiker der USA, der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid hat seine Fassung verloren, um nicht zu sagen: seinen Verstand". Reid hatte geschimpft: "Ich bin so sauer. Das olympische Komitee sollte sich schämen. Es sollte ihm peinlich sein. Man sollte alle Uniformen nehmen, sie auf einen Haufen werfen und verbrennen. Und dann neue herstellen."
Streit über US-Olympia-Kleidung
tagesschau 20:00 Uhr, 14.07.2012, Stefan Niemann, ARD Washington
Republikaner und Demokraten in der Empörung vereint
In einer in dieser Wahlkampfzeit ungewöhnlichen großen Koalition twittert der Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner, dass man es doch eigentlich besser wissen müsste und seine Gegenspielerin Nanca Pelosi erklärt: "Wir sind so stolz auf unser Olympiateam. Sie sind die besten, so toll und sehenswert. Sie sollten Uniformen tragen, die in den USA hergestellt wurden."
Den Nagel auf den Kopf für alle Aufgeregten trifft der Abgeordnete Steve Israel: "Wir glauben, dass wir das Land sind, das Leute auf den Mond geschickt hat. Dann sollten wir auch in der Lage sein, die Uniformen für unsere Londoner Olympioniken in unserem Land herzustellen." Israel kann froh sein, dass die Amerikaner 1969 zu Zeiten der ersten Mondlandung viel weniger importierten als heute. Wer weiß, wo die Mondfähre Eagle sonst hergestellt worden wäre.
US-Textil-Importquote: 98 Prozent
Bei den Textilien jedenfalls, beträgt die Importquote 98 Prozent. Fast alles kommt aus Asien, das meiste aus China. Nur die Ideen stammen noch aus den Vereinigten Staaten. Selbst die von vielen Männerköpfen in den USA kaum weg zu denkenden Baseball-Kappen sind "Made in China". Doch gerade bei den Uniformen, die nur beim Einmarsch und dem Ende der Spiele getragen werden, sollte dies nun anders sein.
Amerikanische Designer, wie Nanette Lepore aus New York, versteigen sich gar in die Behauptung, dass man alles bis Olympia noch einmal neu herstellen könnte. Sie würden überrascht sein, was man in New York City innerhalb von zwei Wochen herstellen könne, sagt sie in einem Fernsehinterview. Auch wenn sie solch einen Unsinn nicht empfiehlt.
Skandal - Anzüge für US-Olympioniken kommen aus China
R. Paulert, WDR Washington
14.07.2012 02:16 Uhr
Das amerikanische Olympische Komitee hat sich nur schriftlich zur Kritik geäußert. Das Sportlerteam sei privat finanziert und man sei stolz auf die Partnerschaft mit Ralph Lauren, heißt es in der Erklärung.
Doch der Glaube daran, dass die Vereinigten Staaten etwas ganz besonderes sind, an den sich nicht nur Konservative, sondern selbst aufgeklärte Demokraten immer noch verzweifelt klammern, hat einen weiteren Dämpfer bekommen.
Stand: 14.07.2012 02:38 Uhr
