Russische und Olympische Flagge während der Winterspiele von Sotschi. | Bildquelle: dpa

IOC-Entscheidung Olympische Spiele ohne Russland?

Stand: 05.12.2017 15:37 Uhr

Heute Abend wird in Lausanne entschieden, ob Russland von den Olympischen Winterspielen in Südkorea 2018 ausgeschlossen wird. Eine Kollektivsperre dieser Art wäre die erste in der olympischen Geschichte. Bis zuletzt erkennt Russland keine Schuld an. Dabei sind die Beweise erdrückend.

Von Olga Sviridenko, WDR

Es geht um systematisches, staatlich gesteuertes Doping bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Rund 1000 russische Sportler sollen davon profitiert haben. Drahtzieher des offensichtlichen Betrugs: das russische Sportministerium unter dem damaligen Minister Witali Mutko. Zu diesem Ergebnis ist der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard McLaren, in zwei Untersuchungsberichten gekommen.

Wie funktionierte das Dopingsystem?

Der ehemalige Leiter des Moskauer Dopinglabors Grigori Rodtschenkow | Bildquelle: dpa
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Der ehemalige Leiter des Moskauer Dopinglabors Grigori Rodtschenkow (Aufnahme von 2009)

Grigori Rodtschenkow, ehemaliger Direktor des russischen Anti-Doping-Labors und inzwischen Kronzeuge in den Ermittlungen zum Doping-Skandal, soll Urinproben ausgetauscht haben, um positive Dopingbefunde russischer Sportler zu verhindern. Für das Vertuschungssystem, das es von 2011 bis mindestens 2015 gegeben haben soll, trage das Sportministerium sowie der russische Geheimdienst FSB die Verantwortung. Auch die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA sei an der Manipulation maßgeblich beteiligt gewesen. Zu diesem Schluss kommt McLaren nach akribischer Prüfung zahlreicher Dokumente und Zeugenaussagen.

Was gilt als sicher bewiesen?

Die Kommission des IOC erteilte mittlerweile 25 russischen Sportlern eine lebenslange Olympiasperre, darunter auch fünf Olympiasiegern aus Sotschi. In einer ausführlichen Urteilsbegründung zur Sperre des Langlauf-Stars Alexander Legkow erkannte das IOC im November an, dass das von McLaren aufgearbeitete Betrugssystem bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gab. Whistleblower Rodtschenkow wurde als "glaubwürdiger Zeuge" bezeichnet. Ende Oktober wurde der WADA zudem die Datenbank des Moskauer Anti-Doping-Labors zugespielt. Zudem erklärte Rodtschenkow unter Eid, dass es eine staatliche Einflussnahme, vor allem durch Ex-Sportminister Mutko gegeben habe.

Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte, zur bevorstehenden IOC-Entscheidung und den Hintergründen
tagesschau24 11:00 Uhr, 05.12.2017

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Was ist umstritten?

Laut McLaren sind zahlreiche Fälle nur noch schwer zu verfolgen, da Russland nur unzureichend kooperiere. So würden Laborergebnisse zurückgehalten, belastete Urinproben zerstört. Während zahlreiche Anti-Doping-Agenturen den Ausschluss Russlands von den Winterspielen fordern, warnen vor allem Sportfunktionäre davor, unschuldige Athleten zu sperren. Durch den Austausch des Urins gibt es letztlich keine Dopingbefunde.

Sind die Voraussetzungen für eine Sperre andere als bei den Sommerspielen 2016?

IOC-Chef Thomas Bach | Bildquelle: AFP
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IOC-Chef Thomas Bach

Vor den Spielen in Rio de Janeiro 2016 hatte IOC-Chef Thomas Bach noch keine Belege für eine Mitverantwortung des russischen NOK (Nationales Olympisches Komitee) gesehen. Seit zweieinhalb Jahren aber verdichten sich die Hinweise auf ein staatlich gesteuertes Dopingsystem massiv. Mittlerweile geht es um mehrere Sportarten, um staatlich initiierte Vertuschung, es gibt detaillierte Berichte und mehrere Whistleblower. Der internationale Druck auf das IOC ist enorm gestiegen - auch weil es reichlich Zeit hatte, die Vorgänge aufzuarbeiten.

Wie geht Russland politisch mit der Doping-Affäre um?

Trotz erdrückender Beweise bestreitet man die Vorwürfe vehement. Die Verantwortlichen leugnen fortwährend jegliche Beteiligung. In Russland versteht man die Vorwürfe als reinen Propagandaakt des Westens. Hauptzeuge Rodtschenkow wird immer wieder öffentlich diskreditiert und als "Landesverräter" bezeichnet. Erst in diesen Tagen rief Leonid Tjagatschew, Ehrenpräsident des Nationalen Olympischen Komitees, dazu auf, ihn erschießen zu lassen "wie bei Stalin".

Könnte sich die Affäre auch auf den russischen Fußball auswirken?

Durch die WADA-Ermittlungen stehen bereits 34 russische Spieler unter Dopingverdacht. Darunter der gesamte WM-Kader von 2014. Im Fokus der Vertuschungen steht auch hier Witali Mutko, Chef-Organisator der WM 2018 in Russland. Die FIFA reagierte bislang nicht auf die Hinweise, denn die Kosequenzen wären verherend. Sollten mehrere Spieler des künftigen WM-Gastgebers vor der WM 2014 gedopt gewesen sein, könnte ein Komplett-Ausschluss drohen. Mit Blick auf das Turnier im nächsten Jahr wäre das für die FIFA ein Desaster.

Zu diesem Thema sendet das Erste um 20:15 Uhr einen Brennpunkt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Dezember 2017 um 11:00 Uhr.

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