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Lange Zeit galt Religion in China als Opium für das Volk - heute wird sie sogar staatlich gefördert. Zu den Olympischen Spielen erscheinen die Kirchen in besonders hellem Glanz: frisch geputzt, rund um die Uhr geöffnet und mit olympischen Bibeln.
Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking
Eine kleine Gasse mitten im Herzen von Peking, nicht weit vom alten Bahnhof entfernt. Durch ein rot angestrichenes Tor betritt man den Hof der Chongwenmen-Kirche, einer protestantische Kirche. Sie ist eine der ältesten und schönsten Kirchen Pekings. Staatsoberhäupter wie US-Präsident George W. Bush waren bereits in dem Gotteshaus zu Gast.
[Bildunterschrift: Auch der frühere US-Präsident Clinton besuchte während seiner Amtszeit die berühmte Pekinger Chongwenmen-Kirche. (Archivbild) ]
Im Inneren der Kirche wird Hausputz gemacht. Das Predigerpult des Pastors, die geschwungenen Bänke, die hölzerne Kuppel, die prachtvollen Leuchter und sogar die Wände werden geputzt. Die Chongwenmen-Kirche macht sich fit für Olympia. Sie soll im schönsten Licht erstrahlen, wenn jetzt Touristen und Sportler aus China und aus aller Welt in die chinesische Hauptstadt strömen: "Die Olympischen Spiele sind ein großes Ereignis, das sehr wichtig ist für das chinesische Volk. Deshalb hat sich unsere Kirche lange und gut vorbereitet. Damit ausländische Gläubige sich willkommen fühlen, haben wir freiwillige Helfer, die Englisch sprechen und alle Kirchenmitarbeiter haben auch Englisch gelernt. Und damit die Kirche gut aussieht, putzen wir sie nochmal fein heraus", erklärt Pastor Jingming.
800 Gläubige haben im Kirchenraum Platz. An Sonntagen sind während der Messe stets alle Bänke proppevoll. Alle, die keinen Platz bekommen haben, können in den Keller ausweichen. Auch dort sind Stühle aufgestellt, die Messe wird auf einer Leinwand übertragen. In keinem anderen Land der Welt wächst die Anzahl der Christen so schnell wie in China. Um die Kontrolle zu bewahren, werden die Kirchengemeinden staatlich überwacht. Christen, die sogenannte Untergrundkirchen gründen - das sind Gemeinden, die nicht vom Staat anerkannt sind -, werden verfolgt. Etliche Untergrundbischöfe sitzen im Gefängnis.
[Bildunterschrift: Putzen in Peking: Vor dem Ansturm der Touristen aus aller Welt wurden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in China auf Hochglanz gebracht. ]
Die Chongwenmen-Kirche gehört zu den staatlich anerkannten Gemeinden. Dass sie sich für die Olympischen Spiele auf den Ansturm von Christen vorbereitet, wird von der Regierung unterstützt. Pfarrer Jingming rechnet damit, dass während der Olympischen Spiele nicht nur chinesische, sondern auch ausländische Gläubige Gottesdienste besuchen. Damit sie verstehen, was Pastor Jingming sagt, wurde ein Übersetzer-Team angelernt: "Sie sind dafür verantwortlich, die Predigten zu übersetzen. Der Pastor wird ihnen die chinesische Fassung geben und sie übersetzen es ins Englische. Während der Predigt wird es eine simultane Übersetzung geben."
Am Eingang bekommen ausländische Gläubige auch eine Bibel in englischer Sprache in die Hand gedrückt. Sie wurde extra für die Olympischen Spiele gedruckt, vorne auf dem Buchdeckel prangen die olympischen Ringe. Auch an ausländische Besucher oder Sportler, die in seelische Not geraten, die verzweifelt sind und einen Halt suchen, hat Pfarrer Jingming gedacht: "Während der Olympischen Spiele wird unsere Kirche 24 Stunden geöffnet sein. Auch mitten in der Nacht. Wer auch immer etwas auf dem Herzen hat, kann zu uns kommen und mit uns reden."
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