Pyeongchang: Gangneung Oval in Gangneung | Bildquelle: picture alliance / Stanislav Var

Bilanz der Winterspiele Und nun?

Stand: 25.02.2018 18:20 Uhr

Die Spiele in Pyeongchang sind Geschichte, das IOC zieht weiter. Was bleibt, sind politische Absichtsbekundungen, eine lädierte Umwelt und Sportstätten ohne Nachnutzungskonzept.

Ein Relikt südkoreanischer Wintersportabstinenz liegt etwa hundert Kilometer von Pyeongchang entfernt: Das Skigebiet "Alps". Im Jahr 2006 musste es geschlossen werden. Die Besucher bleiben aus und somit auch das Geld. Nicht mal mehr zum Aufräumen hat es noch gereicht, man stolpert über Haufen voller Skistiefel und verstaubte Skier. Noch sind Parallelen zum Olympiaort Pyeongchang unzulässig, doch sie drängen sich auf.

Das verlassene südkoreanische Skiresort "Alps" | Bildquelle: AFP
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Das verlassene südkoreanische Skiresort "Alps"

Skisstiefel auf dem Tresen des verwaisten Skiverleihs im südkoreanischen Resort Alps | Bildquelle: AFP
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Skisstiefel auf dem Tresen des verwaisten Skiverleihs.

Denn auch das Resort Alpensia - einer der Austragungsorte der Olympischen Spiele - stand 2012 schon einmal kurz vor der Pleite. Und auch die Zukunft weiterer Sportanlagen ist ungewiss: "Drei von sechs Wettkampfstätten werden von Universitäten und Sportverbänden weiterbetrieben", sagt die Sprecherin des Organisationskomitees, Nancy Park. "Für die restlichen müssen wir unsere Hausaufgaben noch machen." Heißt also: Ein Nachnutzungskonzept gibt es nicht. Das bemängelte erst heute wieder ein IOC-Mitglied.

Die Kritik bezieht sich vor allem auf die Abfahrtspisten in Jeongseon, die für die Spiele aus dem Boden eines Naturschutzgebietes gestampft wurden. Dafür mussten große Teile eines 500 Jahre alten Waldes abgeholzt werden. Rund 150 Millionen Euro soll der Aufbau der alpinen Wintersportstruktur gekostet haben. Eine Wiederaufforstung ist ungewiss. Auch für die beiden Eishallen in Gangneung - das Oval und das Hockey-Center - gibt es noch keine Pläne.

Abfahrtspisten in Jeongseon
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Die Abfahrtspisten in Jeongseon - Große Teile des Waldes mussten abgeholzt werden.

Wie tragfähig ist die Winteroffensive Nordkoreas?

Die Frage der Nachhaltigkeit kann man auch auf die Politik anwenden - insbesondere auf das Verhältnis der beiden Koreas. Wie tragfähig ist die Winteroffensive des Nordens, die plötzlich auf Diplomatie statt auf Raketen setzt? Es bestehe zumindest kein Zweifel, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un von Olympia profitiere, sagt der südkoreanische Politikwissenschaftler Go Myong-Hyun. Schon allein dadurch, dass Nordkorea an den Spielen teilnehmen durfte. "Aber durch seine Gesten gerät der Norden in eine Situation, aus der er nicht einfach zurückkehren kann zu Gewaltakten und Provokationen".

Kim Yong Nam (l), zeremonielles Staatsoberhaupt von Nordkorea, Kim Yo Jong (r), Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und Mike Pence (M) | Bildquelle: REUTERS
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Kim Yo Jong, Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un ging in Pyeongchang in die Charmeoffensive.

Und Gesten gab es reichlich: Die Auftritte von Kims Diktatorenschwester Kim Yo-Jong stahlen den Spielen zu Beginn die Show. Dazu der Einmarsch unter einer Flagge, die bemühten Darbietungen der singenden und klatschenden nordkoreanischen "Cheerleader" sowie das gesamtkoreanische Eishockeyteam der Frauen - dem manche nun schon den Friedensnobelpreis gönnen.

Frieden stiften auf Tribünen: Das sollte die Botschaft dieser Spiele sein. Doch die USA spielten nicht mit. Gespräche zwischen US-Präsidententochter Ivanka Trump und Nordkoreas General Kim Yong-chol im Umfeld der Abschlussfeier blieben aus. Trump hatte angekündigt, sie unterstütze die harte Linie gegenüber Pjöngjang.

Was sind die "Friedensspiele" wirklich wert?

"Um sicherzustellen, das der innerkoreanische Dialog das Land vor dem Druck der USA schützt, wird der Norden nun versuchen, mit dem Süden zu reden", glaubt Myong-Hyun. Und Kim Yong-chol teilte Südkoreas Präsident Moon bei einem Treffen am Nachmittag mit, dass Nordkorea "genügend" Willen habe, mit den USA zu reden. Nach Ende der Paralympics am 18. März planen die USA und Südkorea ihre jährlichen, vom Norden verhassten Frühjahrsmanöver. Dann zeigt sich, was die "Friedensspiele" wirklich wert waren.

Südkoreanische Fischverkäuferin
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"Die Touristen haben nur Fotos gemacht" - Fischverkäuferin in Südkorea.

Was bleibt also hängen von Pyeongchang, dessen Aussprache vielen bis heute ein Rätsel ist. Im Portemonnaie der dort lebenden Menschen offenbar nicht viel: "Gekauft haben nur die Koreaner", sagt eine Fischverkäuferin auf lokalen Markt. "Die Ausländer wissen nicht, was wir hier anbieten. Sie waren aber auch nicht interessiert und haben nur Fotos gemacht."

Die nächsten Winterspiele 2022 hat sich Peking geangelt. Auch das gibt dem wahren Wintersportfan allerdings wieder Rätsel auf.

Mit Informationen von Uwe Schwering, ARD-Studio Tokio

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Februar 2018 um 22:45 Uhr.

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