Ehud Olmert tritt Haft an | Bildquelle: AFP

Israels Ex-Premier Olmert tritt Haft an Der Gefangene von Haus 10

Stand: 15.02.2016 13:50 Uhr

Seit dem Vormittag ist Ehud Olmert kein freier Mann mehr: Israels früherer Premier, verurteilt unter anderem wegen Bestechlichkeit, hat seine Haftstrafe angetreten. Olmert genießt dort einige Privilegien. Auf den ersten Freigang wird er aber warten müssen.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Studio Tel Aviv

Knapp sieben Jahre nach dem Ende der Amtszeit als Ministerpräsident musste Ehud Olmert seine Freiheitsstrafe antreten. Um 10:00 Uhr morgens betrat er das Massijahu-Gefängnis in der Nähe von Tel Aviv. Ex-Staatspräsident Moshe Katzav sitzt im selben Gefängnis bereits eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung ab.

Ehud Olmert | Bildquelle: REUTERS
galerie

Olmert ist der erste ehemalige israelische Regierungschef, der in Haft muss.

Nun folgt ihm Olmert - zusammen mit fünf weiteren Protagonisten der sogenannten Holyland-Affäre. Sie alle sitzen ihre Strafen im Flügel Nummer 10 derselben Haftanstalt ab, unter ihnen auch Danny Dankner, der frühere Vorstandschef der Bank Hapoalim, und der ehemalige Bauingenieur in den Diensten der Stadt Jerusalem, Uri Sheetrit.

Das "Holyland" ist ein Hochaus-Komplex mit Luxuswohnungen im Westen Jerusalems. Der Oberste Gerichtshof befand Olmert für schuldig, 14.000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben. Das Geld soll er in seiner Zeit als Bürgermeister von Jerusalem kassiert haben, in den Jahren 1992 bis 2003.

Keine Kameras, keine Mikrofone

Weder Mikrofone noch Kameras waren bei Olmerts Haftantritt zugelassen. Ein ehemaliger Wärter des Massijahu-Gefängnisses, Rami Ovadia, erklärte aber im israelischen Fernsehen, wie Olmert zu Beginn seiner Haft behandelt wird: "Der diensthabende Offizier stellt seine Personalien fest, der Sicherheitsoffizier begleitet ihn zur Anmeldung. Dort wird er fotografiert, und er erhält seine Häftlingsnummer. In den ersten Stunden ist er wie ein Rekrut, der von einer Stelle zur nächsten gehen muss. Dann geht es weiter zur Untersuchung in der Praxis und dann zu einem Gespräch mit der Sozialarbeiterin, und natürlich erhält er auch seine Häftlingskleidung."

Clubraum, Besucherzimmer, Synagoge und Bibliothek

Der frühere Ministerpräsident genießt in der Haft Privilegien. In dem Gefängnisgebäude, in dem Olmert seine 19-monatige Strafe absitzen muss, befinden sich sechs Zellen mit je drei Betten. In jeder Zelle gibt es ein Bad, Tische, Stühle und einen Fernseher. Darüber hinaus stehen im Flur öffentliche Telefone zur Verfügung, ein Clubraum, ein Besucherzimmer, eine Synagoge, eine Bibliothek, ein Speiseraum und ein Fitnessraum.

Olmert beteuert seine Unschuld

Unmittelbar vor Beginn der Haft veröffentlichte Olmert ein Video im Internet: Er sitzt wie ein Ministerpräsident bei der Fernsehansprache vor dem Hintergrund seines Wohnzimmers und bekräftigt, er sei unschuldig: "So wie ich es vor und außerhalb des Gerichts immer wieder beteuert habe, ist es mir auch in dieser Stunde wichtig zu sagen, dass ich die Bestechungsvorwürfe, mit denen ich konfrontiert wurde, völlig abstreite. Darüber hinaus ist mir wichtig hervorzuheben, dass sich keiner der Vorwürfe, aufgrund derer ich schuldig gesprochen wurde, auf mein Handeln als Ministerpräsident bezieht."

Für die Sicherheit des ehemaligen Ministerpräsidenten ist im Gefängnis, bei Besuchen und Freigängen der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet zuständig. Den ersten Freigang - für 24 Stunden - erlaubt die Justiz Olmert allerdings erst in einem halben Jahr.

Israels Ex-Ministerpräsident Olmert tritt Haftstrafe an
S. Engelbrecht, ARD Tel Aviv
15.02.2016 13:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 15. Februar 2016 um 23:39 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: