Oleg Popow | Bildquelle: dpa

Clown Oleg Popow ist tot "Lächeln ist das Schönste, was es gibt"

Stand: 03.11.2016 12:57 Uhr

Schon mit 14 Jahren begann er mit Jonglieren und Akrobatik, nun ist einer der ganz Großen unter den Zirkusartisten gestorben: Der weltbekannte russische Clown Oleg Popow. Bis zum Schluss warb er für den Erhalt seiner Zunft.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Er war wohl der berühmteste Clown überhaupt, ein Großer unter den Zirkusartisten. Oleg Popow trat stets im Kostüm des russischen Iwanuschka auf: die Knollennase, eine karierte Sportmütze über struppigem Haar, rote Socken, ein schwarzes Samtjäckchen, die Schuhe spitz, die Kinder lachten schon, wenn er nur in die Arena hereinstolperte.

Karriere hinter dem "Eisernen Vorhang"

"Als ich zum ersten Mal in die Arena kam, war ich so nervös", sagte Popow einmal. "Wenn sie mich fragen, ob es da ein Publikum gab - ich weiß es nicht. Ich war so aufgeregt, ich habe niemanden gesehen." Schon mit 14 Jahren trat er in die Moskauer Zirkusschule ein, lernte Jonglieren und Akrobatik. 1955 bekam er mit 25 Jahren sein erstes Engagement am Moskauer Staatszirkus, machte Karriere in einer Zeit des "Eisernen Vorhangs".

Oleg Popow | Bildquelle: dpa
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Oleg Popow im Jahr 2009 bei einem Auftritt mit dem Russischen Staatszirkus in Düsseldorf

"Viele wollten Clown sein, sie glaubten es sei einfach, so einen Trottel zu spielen. Aber wenn man in die Arena tritt, dann ist man auf dem Präsentierteller. Das ist keine einfache Sache", sagte Popow über seine Anfangszeit. Nikita Chruschtschow war damals Generalsekretär der UdSSR, Jury Gagarin umkreiste die Erde, der Kalte Krieg trennte Ost und West. Popow aber wurde international bekannt.

Der Heimat nie den Rücken gekehrt

Für die Erwachsenen unter den Zuschauern muss man gut sein, für Kinder aber noch tausendmal besser, sagte Popow, der zu einem internationalen Star wurde: "Das Lächeln ist das Schönste, was es im menschlichen Gesicht gibt. Wenn ein Mensch freundlich ist, dann sieht man ihm gerne zu. Man sollte schon morgens mit einem Lächeln beginnen, dann lebt man lange und bleibt gesund."

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Oleg Popow im Jahr 1980: "Das Lächeln ist das Schönste, was es im menschlichen Gesicht gibt."

In den schweren Zeiten der Perestroika hatten die Sowjetbürger nicht viel zu lachen. Deshalb fehlte er besonders nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion: 1991 verließ Popow seine Heimat, heiratete in Deutschland, lebte im fränkischen Egloffstein bei Nürnberg. Immer wieder aber reist er zu Gastauftritten nach Russland, 2015 wurde er in Sotschi ausgezeichnet: "Ich möchte an den Zirkus erinnern. Mir scheint, dass man ihn vergisst. Er wird immer weniger im Fernsehen gezeigt, aber man muss ihn wieder aufwecken."

Auch diesmal war Popow wieder auf Tournee: Im südrussischen Rostow am Don. Er starb zwar nicht in der Manege, aber nicht weit davon entfernt, in seinem Hotelzimmer. Vor dem Fernseher sitzend schlief er friedlich ein, im Alter von 86 Jahren, kurz nach seinem letzten Auftritt.

Am Zirkusgebäude von Rostow hängt ein Plakat mit Oleg Popow | Bildquelle: dpa
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Am Zirkusgebäude von Rostow hängt ein Plakat mit Oleg Popow

Weltbekannter russischer Oleg Popow gestorben
H. Krause, ARD Moskau
03.11.2016 11:57 Uhr

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