ÖVP-Chef Sebastian Kurz. | Bildquelle: REUTERS

Aufregung über Wiener Vorstoß Südtiroler künftig auch Österreicher?

Stand: 19.12.2017 18:05 Uhr

Unmut in Italien über die neue Regierung in Österreich: Diese will es Südtirolern ermöglichen, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Nun beschwichtigte Kanzler Kurz: Veränderungen würden nur in Absprache mit Italien erfolgen.

Ein Vorhaben der rechts-konservativen Regierung in Österreich hat für Unmut in Italien gesorgt. Die neue Regierung in Wien will der in Südtirol lebenden Bevölkerung Italiens eine doppelte Staatsbürgerschaft anbieten. Bundeskanzler Sebastian Kurz versuchte jedoch zu beschwichtigen: Jegliche Veränderungen würden nur "in enger Abstimmung" mit Italien erfolgen.

Südtirol genießt seit 1972 eine erweiterte Autonomie und gehört zu den wohlhabenden Regionen Italiens. Von den 520.000 Einwohnern sprechen mehr als 60 Prozent Deutsch. Nach dem Ersten Weltkrieg war Südtirol Italien zugesprochen worden.

Das Vorhaben einer doppelten Staatsbürgerschaften findet sich im Regierungsprogramm der konservativen Volkspartei ÖVP und der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei FPÖ. Dies könne beinhalten, Bewohnern Südtirol die österreichische Staatsbürgerschaft zu gewähren.

Laut Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) ist die Vergabe von doppelten Staatsbürgerschaften Wunsch in Südtirol vertretener Parteien: "Es hat eine überwiegende Mehrheit auch gegeben, die diesen Wunsch auch per Antrag an uns gerichtet haben."

"Alles hat seine Grenze"

Für Empörung sorgt das Vorhaben unter anderem bei italienischen Sportverbänden, denn dann könnten auch Sportler aus Südtirol für Österreich antreten.

Der Chef des italienischen Olympischen Komitees, Giovanni Malago, erklärte: "Ich beschäftige mich mit Sport und nicht mit Politik, aber sie müssten über meine Leiche gehen, dass so etwas passiert." Er werde nicht zulassen, dass die Sportler, die in Italien ausgebildet werden, für Österreich antreten. "Alles hat seine Grenze". Vor allem viele erfolgreiche italienische Wintersportler stammen aus Südtirol. Die Chefin der rechten Oppositionspartei Fratelli d'Italia, Giorgia Meloni erklärte: "Hände weg von Italien"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Dezember 2017 um 14.00 Uhr.

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