Flüchtlinge aus Syrien gehen am 06.10.2015 im österreichischen Julbach nahe der deutschen Grenze an einem Schild mit der Aufschrift "Germany" und der Abbildung einer deutschen Flagge vorbei | Bildquelle: dpa

Österreich reagiert auf deutsche Kritik Krach um die Kontingente

Stand: 23.02.2016 13:47 Uhr

Österreich akzeptiert täglich nur noch 80 Asylanträge, will aber 3200 Menschen pro Tag nach Deutschland weiterreisen lassen. Eine Entscheidung, die Innenminister de Maizière offen kritisierte. Genervt bot Kanzler Faymann nun an: Deutschland solle doch selbst eine Zahl nennen.

Zuletzt waren Deutschland und Österreich in der Flüchtlingskrise auf einer Linie. Doch nach Kritik von Innenminister Thomas de Maizière an den Tageskontingenten der Alpenrepublik wehrt sich nun Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann.

Der SPÖ-Politiker wies die Vorwürfe des Nachbarn zurück und regte an, dass die Bundesrepublik doch selbst eine ihr genehme Zahl von Flüchtlingen nennen solle. "Da hat Deutschland zu entscheiden, welche Zahl gilt", sagte Faymann.

Am Sonntag hatte de Maizière im Bericht aus Berlin gesagt, dass die Zahl von 3200 Flüchtlingen, denen die Weiterreise nach Deutschland gestattet werde, "viel zu hoch" sei. Von diesem Tageskontingent gehe das "falsche Signal" aus.

Thomas de Maizière, CDU, zu Tageskontingenten in Österreich
Bericht aus Berlin, 23.02.2016

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"Auf diese Art Ratschlag können wir verzichten"

Faymann stänkerte nun zurück: Wenn Berlin keine Zahl nenne und sich lieber auf die "Türkei-Lösung" konzentriere, dann nehme er das respektvoll zur Kenntnis. Umgekehrt möge Deutschland die österreichische Position aber ebenso respektvoll zur Kenntnis nehmen.

Der österreichische Kanzler Faymann | Bildquelle: REUTERS
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Österreichs Kanzler Faymann erwartet Respekt für seine Tageskontingent-Entscheidung - oder Alternativen.

Faymann sagte, er halte es für eine "unsinnige Position", die Durchreise der Flüchtlinge auf der Balkanroute nicht zu kritisieren, Österreich aber ein "Durchwinken" vorzuwerfen. "Bis Österreich kann man leider nur in die Luft schauen und ab Österreich will man uns einen Ratschlag erteilen - auf diese Art Ratschlag können wir verzichten", sagte der Regierungschef.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner kritisierte Deutschlands Haltung als "widersprüchlich" und kritisierte die Politik, einseitig Einladungen auszusprechen und von Österreich zu fordern, niemanden weiterzuschicken.

Tageskontingente bisher nicht erreicht

Seit Freitag gelten in Österreich neue Beschränkungen für Flüchtlinge: Pro Tag dürfen nur noch 80 Flüchtlinge pro Tag einen Asylantrag stellen und 3200 Migranten das Land durchreisen. Bisher sind beide Obergrenzen aber an keinem Tag erreicht worden.

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