Das Siegel des Bundesnachrichtendienstes | Bildquelle: dpa

Selektorenliste veröffentlicht BND soll in Österreich spioniert haben

Stand: 16.06.2018 14:37 Uhr

Der BND soll zwischen 1999 und 2006 in Österreich mehr als 2000 Ziele ausspioniert haben. Das berichten österreichische Medien, die eine entsprechende Liste veröffentlichten.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Spätestens seit der BND-Affäre im Jahr 2013 ist bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst Ziele in befreundeten Staaten, also auch in Österreich, bespitzelt. 

Dem österreichischen Nachrichtenmagazin "Profil" und der Tageszeitung "Der Standard" liegt nun eine Liste mit Spionagezielen des BND in Österreich vor. Demnach spähte der deutsche Geheimdienst zwischen 1999 und 2006 die Telekommunikation zentraler Einrichtungen in Österreich aus: Darunter Ministerien, Polizeibehörden, Universitäten, Botschaften und Unternehmen ebenso wie Waffenhändler und Terrorverdächtige. Es soll sich um mehr als 2000 E-Mail-Konten, Telefon- , Fax- und Handynummern - so genannte Selektoren -  handeln.

Die Quelle soll eine interne Datei aus dem BND sein, laut "Profil" und "Standard" bestätigten mehrere Stellen, dass sie authentisch ist. Weil sich zahlreiche österreichische Firmen und Filialen internationaler Unternehmen auf der Liste befinden sollen, steht der Vorwurf der Wirtschaftsspionage im Raum, die nicht zu den Aufgaben des BND gehört und illegal ist.

Vorwürfe schnell aufklären

Das Innenministerium in Wien ist nach Angaben eines Sprechers informiert und in der Causa "bereits aktiv geworden". Die österreichische Bundesregierung kommt nach Informationen aus Regierungskreisen zu einer Krisensitzung zusammen. Danach wollen Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Kanzler Sebastian Kurz eine gemeinsame Erklärung abgeben.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz | Bildquelle: REUTERS
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Kurz will eine Erklärung abgeben.

Der ehemalige sozialdemokratische Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil sagte im ORF Radio, jetzt müssten alle Fakten auf den Tisch: "Ich glaube, das ist ganz wesentlich, wann man in Europa vertrauensvoll zusammenarbeiten will. Ich hätte mir das nicht erwartet, dass wir von einem Nachbarstaat in dieser Art und Weise  - wenn das stimmt - institutionell und systematisch ausgespäht werden."

Auch die übrigen Oppositionsparteien forderten, dass die Vorwürfe schnell aufgeklärt werden. Sie wollen das Thema auf die Tagesordnung des Nationalen Sicherheitsrats setzen, der am Dienstag in Wien tagt.

Medienbericht: BND spähte über 2000 Ziele in Österreich aus
Srdjan Govedarica, ARD Wien
16.06.2018 15:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Juni 2018 um 14:45 Uhr.

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