Gedenken in der Wiener Hofburg | Bildquelle: dpa

Erinnen an "Anschluss" "Dunkelstes Kapitel Österreichs"

Stand: 12.03.2018 15:09 Uhr

Österreich sah sich lange als Opfer des Nationalsozialismus. Doch Hunderttausende hatten vor 80 Jahren den Einmarsch der Wehrmacht bejubelt. Wie wichtig das Erinnern ist, zeigte sich bei einem Staatsakt in Wien.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Es ist der Höhepunkt der vielen Erinnerungsveranstaltungen zum 80. Jahrestag  des so genannten "Anschlusses". Zum Staatsakt in der Wiener Hofburg hat sich die gesamte Politprominenz des Landes versammelt. Geladen hatte Bundespräsident Alexander van der Bellen. In seiner Eröffnungsrede Sprache er vom dunkelsten Kapitel Österreichs. Das Land habe eine Verantwortung für das Geschehene, viele Täter stammten aus den eigenen Reihen: "Die deutsche Wehrmacht kam über Nacht. Nicht über Nacht kam die Verachtung für die Demokratie, für die Grund und Freiheitsrechte. Nicht über Nacht kamen Militarismus, Intoleranz und Gewalt. Sie hatten sich schleichend in Österreich eingenistet."

Gedenken in der Wiener Hofburg | Bildquelle: dpa
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Nachdenkliches Mahnen an ein lange verdrängtes Kapitel Österreichs - Bundeskanzler Kurz bei dem Staatsakt in der Wiener Hofburg.

Daher sei auch heute die gesamte Gesellschaft gefordert, die Erinnerungen an die dunkle Vergangenheit wach zu halten, und Lehren daraus ziehen, um die Werte einer offenen demokratischen Gesellschaft zu verteidigen, so Van der Bellen. "Die Lehre, dass auch Demokratien anfällig für Populismus und Demagogie sind. Die Lehre, dass Diskriminierung ein erster Schritt zur Entmenschlichung ist. Die Lehre, dass Rassismus und Antisemitismus nicht einfach verschwinden, sondern auch heute im Kleinen wie im Großen weiter existieren."

Erinnern an das Leid der jüdischen Österreicher

Nach einer Schweigeminute erinnerte Bundeskanzler Sebastian Kurz an das Leiden der jüdischen Österreicher: "Schon am Tag des Einmarsches wurden jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger Ziel von Verfolgung, Erniedrigung und Folter. Es war der Auftakt zu einem nie dagewesenen Verbrechen - zur Shoah."

Kurz betonte, dass sich Österreich lange Zeit als Opfer des Nationalsozialismus betrachtet habe. Das treffe zwar auf die Österreicher zu, die im Widerstand gekämpft haben, aber: "Opfer waren es keine, die 1938 in so großer Zahl am Heldenplatz gestanden sind und jubelten."

Österreicher erinnern an den Anschluss an Nazi-Deutschland
tagesschau 20:00 Uhr, 12.03.2018, Michael Mandlik, ARD Wien

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"Wien verwandelte sich in ein Albtraumgemälde"

In einer emotionalen und sehr persönlichen Rede schilderte der Künstler André Heller, wie sein Vater, ein wohlhabender jüdischer Süßwarenfabrikant, unmittelbar nach dem "Anschluss" erniedrigt und schikaniert worden war. Heller zitierte den Schriftsteller Carl Zuckmeyer, der die Tage in Wien so beschrieben hatte: "Die Stadt verwandelte sich in ein Albtraumgemälde des Hieronymus Bosch. Lemuren und Halbdämonen schienen aus Schmutzeiern gekrochen und versumpften Erdlöchern gestiegen. Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neid, der Missgunst, der Verbitterung, der blinden böswilligen Rachsucht und all anderen Stimmen waren zu Schweigen verurteilt."

Der Einmarsch deutscher Truppen am 12. März 1938 markierte das Ende der ersten österreichischen Republik. Drei Tage später folgte die Rede Adolf Hitlers auf dem Wiener Heldenplatz. Vom Balkon der Hofburg aus verkündete er den "Eintritt meiner Heimat ins Deutsche Reich", Hunderttausende  Menschen jubelten.

Klanginstallation auf dem Heldenplatz

Auch heute sind viele auf dem Heldenplatz. Sie sind zur Eröffnung einer Klanginstallation gekommen, die an den "Anschluss" erinnern soll: "Man weiß, dass Leid geschehen ist und es soll in Erinnerung bleiben", betont einer der Besucher. Eine andere ergänzt: "Wenn man die Vergangenheit nicht versteht, dann hat man auch keine Gegenwart und kleine Zukunft." Und manch einer zieht auch Parallelen zur aktuellen Politik: "80 Jahre später - und jetzt ist die FPÖ in der Regierung. Sie hat die Polizei im Griff, hat das Militär in Griff und die 80 Jahre scheinen gar nicht mehr so fern zu sein."

Österreich erinnert an "Anschluss" vor 80 Jahren
Srdjan Govedarica, ARD Wien
12.03.2018 14:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. März 2018 um 12:00 Uhr.

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