Alexander Van der Bellen | Bildquelle: AFP

Van der Bellen gewinnt Wahl Ein bescheidener Sieger

Stand: 04.12.2016 20:47 Uhr

"Ich habe gehofft, dass es gut geht" - nach der Präsidentenwahl in Österreich hat sich Van der Bellen gewohnt zurückhaltend geäußert. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge landete der 72-Jährige deutlich vor Hofer. Der FPÖ-Kandidat räumte seine Niederlage ein.

Es ging schneller als gedacht: Um Viertel nach fünf brach auf der Wahlparty des früheren Grünen-Parteichefs Jubel aus. Schon die erste Hochrechnung des ORF war eindeutig: Alexander Van der Bellen hat die Wahl gewonnen. Sie sah ihn bei 53,6 Prozent, FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bei 46,4 Prozent.

Das Resultat wurde durch das vorläufige Endergebnis schließlich bestätigt. Demnach bekam der 72-jährige 51,7 Prozent der Stimmen, Hofer 48,3 Prozent. In diesem Ergebnis sind - im Gegensatz zur Hochrechnung - allerdings die Briefwähler noch nicht enthalten. Deren rund 700.000 Stimmen werden erst am Montag ausgezählt. Dann dürfte sich das Ergebnis erfahrungsgemäß der Hochrechnung wieder angleichen.

Van der Bellen gewinnt Präsidentenwahl
tagesthemen 22:45 Uhr, 04.12.2016, Darko Jakovljevic, ARD Wien

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Van der Bellen von deutlichem Vorsprung überrascht

Alexander Van der Bellen | Bildquelle: Reuters
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Alexander Van der Bellen freut sich über seinen Erfolg.

Van der Bellen selbst äußerte sich hoch erfreut - aber auch gewohnt zurückhaltend. "Ich habe schon gehofft, dass es gut geht", sagte der Wirtschaftsprofessor beim Eintreffen in der Wiener Hofburg. Allerdings habe er nicht mit diesem Vorsprung gerechnet. "Ich bin dankbar", ergänzte er.

Ähnlich äußerte sich auch Van der Bellens Wahlkampfleiter Lothar Lockl: "Ich spüre unglaubliche Dankbarkeit und Erleichterung. Es ist mir ein riesengroßes Anliegen, mich bei allen Wählerinnen und Wählern wirklich persönlich  zu bedanken."

FPÖ gesteht Niederlage ein

Norbert Hofer bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wien am 02. Dezember 2016. | Bildquelle: dpa
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Hofer räumte seine Niederlage ein.

Die rechtspopulistische FPÖ gestand ihre Niederlage ein. Norbert Hofers Wahlkampfleiter Herbert Kickl gratulierte Van der Bellen zu dessen Sieg. Und auch Hofer selber meldete sich zu Wort: "Ich bin unendlich traurig, dass es nicht geklappt hat", schrieb er bei Facebook. FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache schloss nach der Wahl eine Anfechtung des Ergebnisses aus. Dies sei "kein Thema", da die Wahl dieses Mal "hoch korrekt" abgelaufen sei, sagte Strache dem Fernsehsender ORF.

Norbert Hofer @norbertghofer
Liebe Freunde!

Ich danke Euch sehr herzlich für die großartige Unterstützung. Ich bin unendlich traurig, dass es... https://t.co/ebbyQUPDvG

Die FPÖ wird sich, auch das hat Wahlkampfleiter Kickl bereits angedeutet, nun ganz auf den nächsten Parlamentswahlkampf konzentrieren.

"Das ist ein historischer Tag"

Die österreichische Grünen-Vorsitzende Eva Glawischnig zeigte sich hocherfreut über den Sieg Van der Bellens. "Das ist ein historischer Tag, eine historische Zäsur", sagte Glawischnig der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Für Österreich sei das eine gute und deutliche Entscheidung. Glawischnig sprach von einem Votum für ein Miteinander im Land. Zudem sei dies eine klare pro-europäische Entscheidung, die nach dem Brexit, aber auch nach der US-Wahl, besonders wichtig sei. Österreichs Bundeskanzler Christian Kern gratulierte Van der Bellen. "Ein sehr guter Tag für Österreich. Jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass sich keiner als Verlierer sieht", schrieb Kern auf Twitter.

Michael Mandlik, ARD Wien, zum Sieg Van der Bellens
tagesthemen 22:45 Uhr, 04.12.2016

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Schlampereien und Kuvert-Probleme

Bei der ersten Stichwahl am 22. Mai hatte Van der Bellen mit rund 31.000 Stimmen Vorsprung hauchdünn gewonnen. Entscheidend für den Sieg damals war die große Unterstützung für den Ex-Grünen-Chef in den Städten. In Wien hatte Van der Bellen mehr als 63 Prozent der Stimmen bekommen. Hofer dagegen erhielt sehr viel Zuspruch auf dem Land. Das Votum vom 22. Mai war allerdings vom Verfassungsgerichtshof wegen organisatorischer Schlampereien bei der Auszählung der Briefwahlstimmen annulliert worden.

Nach einer erneuten Verschiebung des ursprünglichen Wiederholungs-Wahltermins am 2. Oktober wegen Problemen mit den Briefwahl-Kuverts war dies nun der dritte Anlauf, um das höchste Staatsamt zu besetzen.

Zunächst bringt Van der Bellens Wahlsieg nun etwas Ruhe in die Arbeit der Regierung. Van der Bellen soll als neuer Bundespräsident am 26. Januar vereidigt werden.

Mit Informationen von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien

Van der Bellen gewinnt Präsidentenwahl in Österreich
R. Borchard, ARD Wien
04.12.2016 23:54 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Dezember 2016 um 22:45 Uhr.

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