Der brennende iranische Frachter | Bildquelle: dpa

Öltanker vor Chinas Küste Angst vor Umweltkatastrophe wegen "Sanchi"

Stand: 15.01.2018 16:13 Uhr

Nach einem Tankerunglück vor der Küste Chinas warnen Experten vor schlimmen Folgen für die Umwelt. Laut Umweltschutzverband WWF hatte der ausgebrannte und gesunkene Öltanker "Sanchi" 136.000 Tonnen Ölkondensat und 1000 Tonnen giftiges Schweröl geladen.

Der Umweltschutzverband WWF hat wegen des gesunkenen Öltankers "Sanchi" im Ostchinesischen Meer vor schlimmen Folgen für die Natur gewarnt. "Vor unseren Augen entfaltet sich eine Umweltkatastrophe", sagte Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF Deutschland. "Es beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit."

Nach Angaben der Umweltschützer hatte das Schiff 136.000 Tonnen Ölkondensat geladen und 1000 Tonnen giftiges Schweröl als Treibstoff an Bord. "Das Kondensat, das aus dem gesunkenen Tanker austritt, ist giftig für Meeressäuger, Fische, Schildkröten und Seevögel", sagte Lutter weiter.

Außerdem sei wegen der Meeresströmungen an der Schwelle zwischen Gelbem und Ostchinesischem Meer kaum vorherzusagen, wohin der Ölteppich driften werde.

18,5 Kilometer langer Ölteppich

Nach Angaben der staatlichen chinesischen "People's Daily" ist der Ölteppich 18,5 Kilometer lang und bis zu siebeneinhalb Kilometer breit. Laut CCTV konnte das Feuer an der Unglücksstelle am Montag gelöscht werden. Zwei Schiffe versprühten demnach Chemikalien, um den Ölteppich aufzulösen.

Auch andere Experten sehen die Gefahr für die Umwelt. Seines Wissens sei noch nie soviel Ölkondensat - ein besonders hochwertiges Leichtöl - auf einen Schlag in die Umwelt gelangt, sagte der US-Berater für Öl-Katastrophen, Richard Steiner. Angesichts des tagelangen Feuers und mehrerer Explosionen schlechten Zustands der "Sanchi" geht der US-Experte davon aus, "dass keiner der Frachträume und Treibstofftanks intakt ist und daher das komplette Kondensat und der Treibstoff ausgelaufen sind".

Selbst wenn nur 20 Prozent der Ladung ins Meer gelangt seien, entspräche dies in etwa der Menge an Rohöl, die bei der Havarie des Öltankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska ausgelaufen sei, verdeutlichte Steiner das Ausmaß der Umweltkatastrophe.

Die staatliche chinesische Meeresbehörde erklärte dagegen am Wochenende, es seien keine größeren Umweltschäden zu erwarten. Ein hochrangiger Vertreter der chinesischen Meeresbehörde sagte dem Staatssender CCTV, das Leichtöl an Bord der "Sanchi" habe "weniger Auswirkungen auf das Meer" als andere Ölarten.

Brennender Tanker vor chinesischer Küste | Bildquelle: AFP
galerie

Dieses Foto vom 12. Januar zeigt Löschungsarbeiten an der "Sanchi".

Zusammenstoß am 6. Januar

Die "Sanchi" war am 6. Januar auf hoher See mit einem chinesischen Frachter zusammengestoßen und sofort in Brand geraten, alle 32 Besatzungsmitglieder - 30 Iraner und zwei Bangladescher - kamen dabei vermutlich ums Leben. Nach mehreren Explosionen sank die "Sanchi" am Sonntag.

Der Tanker gehörte laut Irans Ölministerium der nationalen Tankergesellschaft NITC und wird von der iranischen Firma Glory Shipping betrieben.

Es ist die zweite Havarie eines Tankers der NITC binnen zwei Jahren. Im August 2016 war ein iranischer Supertanker mit einem Containerschiff in der Straße von Singapur zusammengestoßen. Eine Untersuchungskommission wurde eingerichtet, um die Ursache des Unglücks zu ermitteln.

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 15. Januar 2018 um 17:00 Uhr.

Darstellung: