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Das Szenario erinnert an die Ölpest im Golf von Mexiko. Wochenlang wird versucht, die Lecks einer Ölplattform abzudichten, aber immer mehr Öl entweicht und verseucht das Meer. Doch während die Welt das Geschehen vor der US-Küste mitverfolgte, drangen aus China kaum Informationen nach draußen. Jetzt, drei Monate nach der Katastrophe, kämpfen die Fischer und Muschelzüchter der Region Laoting in der Provinz Hebei um Entschädigung. Viele bangen um ihre Zukunft.
Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking
Regelmäßig fährt Zhao Xiqiang mit seinem breiten Holzboot aufs offene Meer hinaus, wo er seit zwei Jahren Jakobsmuscheln für die Märkte in den USA, Südkorea und Japan züchtet. Doch seit dem Öl-Unfall im Penglai-Ölfeld, etwa 200 Kilometer weiter östlich, sind die Fahrten seltener geworden.
[Bildunterschrift: Mit toten Meeresfrüchten ist für die Fischer kein Geld zu verdienen. ]
Es gibt an seinen Zuchtplätzen vor der Küste kaum noch etwas zu ernten: "Im Juni haben wir bereits gemerkt, dass unsere Muscheln dieses Jahr nicht richtig wachsen, dann bemerkten wir die Ölflecken auf dem Wasser und am Strand, an einigen Stellen sogar große Ölplacken."
Wenn Zhao jetzt seine Muschel-Netze aus dem Meer zieht, sind die Jakobsmuscheln ganz winzig - zu klein für den Verkauf. Seine Ernte für dieses Jahr sei vernichtet, seine Lebensgrundlage zerstört, klagt der 41-Jährige: "Viele Muscheln sind einfach gestorben. Die anderen werden wir einfach nicht mehr los. Sie sind mit Öl verdreckt, erreichen den Export-Standard nicht mehr. Wer will denn so etwas kaufen?"
Hunderte von Fischern in Laoting leben von der lukrativen Zucht von Meeresfrüchten. Normalerweise bereiten sie um diese Jahreszeit die Ernte vor, verhandeln mit Großhändlern und Exporteuren. Doch die Anrufe bleiben dieses Jahr aus, erzählen sie.
Und die Verantwortlichen schieben sich die Schuld für die Umweltkatastrophe gegenseitig in die Schuhe. Die Aufsichtsbehörden, die die Ölpest wochenlang verschwiegen hatte, zeigen mit dem Finger auf die amerikanische Firma ConocoPhillips, die zusammen mit dem chinesischen Öl-Riesen CNOOC das Penglai-Ölfeld betreibt.
Die chinesische Staatsfirma schweigt, sieht zu wie die Kritik sich allein auf den amerikanischen Minderheitspartner konzentriert. Dort heißt es, man wolle Entschädigungsfonds einrichten. Nur wer davon profitieren wird oder um wie viel Geld es geht, ist völlig unklar. Interviewanfragen der ARD wurden abgelehnt.
Am Ufer von Laoting reparieren die Muschelzüchter ihre Boote und raufen sich die Haare. Obwohl der Staatsrat unter Vorsitz von Ministerpräsident Wen Jiabao eine Untersuchung angeordnet hat, fühlen sie sich allein gelassen. "Wir sind sauer, aber was können wir tun?", klagt Muschelzüchterin Li Cuiyan, "wir sind ja nur kleine Leute."
[Bildunterschrift: Karte China Provinz Hebei Bohai See ]Eine Gruppe von über 100 Fischern hat sich zusammengetan, um die Ölfirmen zu verklagen. Einfach ist das nicht. Rund um die riesige Bucht gibt es viel Industrie, auch Raffinerien. Zu beweisen, dass das Öl, das ihre Muscheln und Krustentieren vernichtet hat, aus dem Penglai-Feld kommt, dürfte schwierig sein.
Ein erster Versuch, eine Klageschrift einzureichen, wurde vom Gericht abgelehnt. "Beweise, das ist total schwierig", klagt auch Muschelzüchter Zhao. "Und dann brauchst du noch eine Bestätigung von den Behörden. Das haut doch alles nicht hin. Ich habe keine Hoffnung."
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