Nach schweren Ausschreitungen in Odessa mit mehr als 30 Toten ist  die Stadt völlig verwüstet. | Bildquelle: AP

Schwere Ausschreitungen in Odessa Ein Land in der Schockstarre

Stand: 03.05.2014 07:53 Uhr

Nach dem verheerenden Brand in Odessa mit mindestens 31 Toten ist das Entsetzen in der Ukraine groß: In Slawjansk und Kramatorsk wird weiter erbittert gekämpft.

Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Die Ukraine steht unter Schock. Über dreißig Tote und mehr als 170 Verletzte - so lautet die traurige Bilanz der schweren Ausschreitungen zwischen Anhängern der Regierung in Kiew und pro-russischen Aktivisten in Odessa.

Nach schweren Ausschreitungen in Odessa mit mehr als 30 Toten ist  die Stadt völlig verwüstet. | Bildquelle: AP
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Nach schweren Ausschreitungen in Odessa mit mehr als 30 Toten ist die Stadt völlig verwüstet.

Bereits am Nachmittag lieferten sich beide Seiten stundenlang schwere Straßenschlachten. Auslöser war eine Demonstration ukrainischer Fußballfans gewesen, die lautstark für die Einheit des Landes durch die Straßen der Hafenstadt gezogen waren. Die Gruppe war daraufhin von pro-russischen Aktivisten angegriffen worden.

Einer der ukrainischen Demonstranten, der bei den Zusammenstößen verletzt wurde, berichtete, es habe von Beginn an äußerst gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben. "Sie sind bewaffnet, sie sind aggressiv, sie haben Molotow-Cocktails und Feuerwerkskörper, sie haben alles dabei", sagte der Demonstrant. "Meine Freunde und ich waren unbewaffnet - vier sind jetzt verletzt, mich hat es am Bein erwischt"

Mindestens 31 Tote bei Brand in Odessa

Schon am späten Nachmittag wurde von einem ersten Toten berichtet. Ein Demonstrant sei erschossen worden. Wenig später hieß es, insgesamt vier Menschen seien bei den Krawallen gestorben. Der Polizei gelang es nicht, die Lage in Odessa unter Kontrolle zu bringen. Das zentrale Gewerkschaftshaus wurde in Brand gesetzt. Dort hatten sich pro-russische Aktivisten verschanzt. Mindestens 31 Menschen kamen bei dem Feuer ums Leben - viele von Ihnen erstickten. Nach Angaben der Polizei war der Brand vermutlich durch Molotow-Cocktails verursacht worden. Das Innenministerium in Kiew sprach von krimineller Brandstiftung.

Heftige Reaktionen aus Russland und den USA

Russlands Außenministerium verurteilte die Ereignisse von Odessa aufs Schärfste und machte die Übergangsregierung in Kiew dafür verantwortlich. Die Tragödie von Odessa sei ein weiterer Beleg dafür, dass die ukrainische Regierung auf Gewalt und Einschüchterung setze. Moskau verlangt mehr Informationen darüber, ob auch Russen unter den Opfern sind. Auch die amerikanische Regierung reagierte auf die blutigen Auseinandersetzungen und verurteilt die Gewalt als unannehmbar. Das US-Außenministerium rief Russland und die Ukraine dazu auf, gemeinsam Ruhe, Gesetz und Ordnung wieder herzustellen.

Anti-Terror-Einsatz nun auch in Kramatorsk

Derweil geht der Anti-Terror-Einsatz der ukrainischen Regierung gegen pro-russische Separatisten weiter. Bei Kämpfen in Slawjansk und Kramatorsk gab es unbestätigten Angaben zufolge mehrere Tote und Verletzte. In einer Fernsehansprache hatte Übergangspräsident Alexander Turtschinow eingeräumt, der Kampfeinsatz ginge nicht so schnell voran, wie sich die Regierung das wünsche. Die Terroristen verschanzten sich in bewohnten Gebieten und missbrauchten Zivilisten als Schutzschilde.

"Wir fordern die Terroristen und Separatisten auf, die Waffen niederzulegen, sich zu ergeben, die Geiseln freizulassen und die Verwaltungsgebäude zu räumen", sagte Turtschninow. "Diejenigen, die die Waffen niederlegen und keine schweren Verbrechen begangen haben, werden amnestiert. Wer Morde begangen und gefoltert hat, wird bestraft".

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