Die ''Normandie'' vor der Skyline von New York | Bildquelle: Victoria & Albert Museum

Historische Ozeandampfer Schwimmende Paläste

Stand: 03.02.2018 03:20 Uhr

Ozeandampfer wie die "Titanic" wurden im 20. Jahrhundert zum Symbol für Fortschritt und Luxus. Eine Ausstellung in London beschäftigt sich nun mit Geschichte und Design der Schiffe.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Es sind vor allem arme Europäer, die sich im 19. Jahrhundert auf den Ozeandampfern drängeln, um auszuwandern - auf der Flucht vor Hungersnöten und religiöser Verfolgung, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der neuen Welt. Die Anbieter des Schiffslinienverkehrs wollen so viele Menschen wie möglich unterbringen, entsprechend unkomfortabel ist die mehrtägige Überfahrt. Doch das ändert sich um die Jahrhundertwende.

"Als die USA im 20. Jahrhundert beginnen, die Einwanderung zu begrenzen, sinkt die Nachfrage nach Plätzen in der günstigsten Klasse", sagt Ghislaine Wood, Kuratorin der Ausstellung "Ocean Liners: Speed and Style" im Victoria and Albert Museum in London. "Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie um wohlhabende Passagiere für die Erste Klasse buhlen - und das führt dazu, dass der Wettbewerb um das schönste Interieur der Ozeanriesen beginnt."

Die Regierungen gewähren den Reedereien sogar Kredite, um die Dampfer zu bauen. So verkörpert die "Kaiser Wilhelm der Große" von 1897 mit ihrer dunklen Holzverkleidung auch das Selbstbewusstsein des Deutschen Reichs - und den Angriff auf die Vormachtstellung der britischen Flotte und Marine.

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Ausstellung "Ocean Liners: Speed and Style" in London

Die ''Normandie'' vor der Skyline von New York

Ozeandampfer sind zu mächtigen Symbolen des Fortschritts und der Moderne des 20. Jahrhunderts geworden. Kein anderes Verkehrsmittel war so romantisch, so bemerkenswert und so umstritten. Die Ausstellung "Ocean Liners: Speed and Style" in London ist die erste, die sich mit dem Design und den kulturellen Auswirkungen der Dampfer beschäftigt. | Bildquelle: Victoria & Albert Museum

"Wettstreit zwischen den modernen Nationen"

Zwischen den Weltkriegen untermauert die "Queen Mary" von 1936 den Anspruch der Briten auf ihr Empire, während die "Normandie" von 1935 meisterhaft den französischen Luxus im Art-Déco-Stil zur Schau stellt. Von all diesen legendären Passagierschiffen sind Teile der Original-Innenausstattung in der Londoner Ausstellung zu sehen: "Wir stellen den Wettstreit zwischen den modernen Nationen dar", sagt Wood. "Und wie sich dieser im Design der Ozeandampfer widerspiegelt, die zu Werkzeugen des Staates werden, die ihr Land repräsentieren."

Gezeigt wird aber auch das glamouröse Leben auf den oberen Decks: Baden im Pool, edle Lederkoffer aus Paris, exquisite Küche. Und am Abend schreiten die Damen aus der First Class möglichst langsam die große Treppe in das Restaurant hinunter, um ihre feinsten Roben aus Satin und Seide zu präsentieren. Hinter der jetzt ausgestellten Perlen-Tiara steckt jedoch eine traurige Geschichte: Ein Dienstmädchen konnte sie aus der 1915 von einem deutschen U-Boot versenkten "Lusitania" mitnehmen - lieber hätte ihre Besitzerin jedoch das Leben ihrer beiden Töchter gerettet.

Diamant- und Perlmutt-Tiara | Bildquelle: Cartier
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Einer der Höhepunkte der Ausstellung: die kostbare Cartier-Tiara, die 1915 aus der sinkenden "Lusitania" geborgen wurde.

Ein Liegestuhl von der "Titanic"

Um den wohl berühmtesten Ozeanriesen der Geschichte dreht sich diese Schau zwar nicht, aber weglassen konnte Wood die "Titanic" natürlich auch nicht: "Ich glaube, dass uns generell diese verloren gegangene Vergangenheit fasziniert, die wir nicht zurückholen können", sagt sie. "Das Zeitgefühl an Bord war ein ganz anderes, die Passagiere haben sich - vor der Tragödie - einfach vergnügt."

Ausgestellt ist einer der wenigen erhaltenen Liegestühle der "Titanic", nur die Sitzfläche aus Korbgeflecht ist kaputt. Und auch das Fragment eines hölzernen Wandpaneels aus dem Salon ist zu besichtigen, exakt von der Stelle, an der das Schiff auseinandergebrochen ist. Es ist das größte erhaltene Teilstück der "Titanic" - und erstmals seit dem Untergang 1912 wieder in Europa zu sehen.

"Ocean Liners: Speed and Style" Ausstellung in London
Stephanie Pieper, RBB
02.02.2018 19:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2018 um 07:07 Uhr.

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