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Von seinem Vorgänger George W. Bush erbt der neue US-Präsident Barack Obama einen Riesenberg ungelöster Probleme. Mit ganz oben auf der Liste stehen die Konflikte im Irak und in Afghanistan. Hier wird die Welt besonders genau hinschauen, was der neue Herr im Weißen Haus tut.
Von Robert Kiendl, HR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Demonstrationen gegen den Irak-Krieg - wie hier in San Francisco - gab es während der Bush-Ära viele. ]
Protestmärsche gegen den Irak-Krieg gehören in den USA mittlerweile zum politischen Alltag. "Bringt unsere Soldaten nach Hause - jetzt", skandieren Demonstranten in vielen Städten. Bei George W. Bush sind sie mit dieser Forderung auf taube Ohren gestoßen. Vielmehr stockten der bisherige US-Präsident und seine Strategen die amerikanischen Truppen im Irak sogar noch auf.
Mit Obama soll nun die Kehrtwende kommen: Er hat im Wahlkampf einen schrittweisen Abzug aus dem Irak versprochen - nicht Hals über Kopf, wie er sagt, sondern überlegt und umsichtig. "Ich würde unsere Soldaten nach Hause holen - ein bis zwei Brigaden pro Monat. Mit diesem Zeitplan hätten wir unsere Kampftruppen in 16 Monaten raus aus dem Irak", so Obama. Das heißt: Rückzug bis zum Sommer 2010 - anderthalb Jahre früher, als in dem Sicherheitsabkommen festgelegt, das der Irak im Herbst mit der Bush-Regierung ausgehandelt hatte.
Obamas Ziel: die irakische Führung selbst muss ihr Land unter Kontrolle bekommen. Ein US-Restkontingent soll nur im Irak bleiben, um dort gezielt gegen Al Kaida vorzugehen und amerikanische Diplomaten zu schützen. Dauerhafte Militärbasen der USA soll es dagegen im Irak nicht geben. Sofort nach seinem Amtsantritt will Obama seinem Verteidigungsminister eine neue Irak-Mission auftragen: den Krieg beenden! Chef im Pentagon ist auch dann Bushs bisheriger Verteidigungsminister Robert Gates. Der war zuerst gegen Obamas Abzugspläne, hat dann aber seine volle Unterstützung zugesagt, weil die Gewalt im Irak spürbar zurückgegangen sei.
[Bildunterschrift: Afghanistan ist für Obama die eigentliche Baustelle. Eines der Probleme dort: der Drogenanbau. ]
Für Obama steht ohnehin fest: die eigentliche Baustelle heißt nicht Irak, sondern Afghanistan. "Wir müssen begreifen, dass die Lage in Afghanistan gefährlich und akut ist. Ich glaube, dass dies unsere zentrale Front im Kampf gegen den Terrorismus sein muss." Obamas Strategie lautet demzufolge: Während die US-Streitkräfte den Irak nach und nach verlassen, werden die Truppen in Afghanistan um mehrere tausend Mann verstärkt - im Krieg gegen Al Kaida, die Taliban und den Drogenanbau.
Und dann ist da noch das unberechenbare Pakistan: offiziell ein Verbündeter der USA, de facto aber Schulungszentrum für radikale Islamisten. Obama verlangt, dass Pakistan an der unübersichtlichen Grenze zu Afghanistan für Sicherheit sorgt. Ansonsten würden die USA dort selbst gegen Osama bin Laden und andere Top-Terroristen vorgehen.
"Wir können das Afghanistan-Problem nicht lösen, ohne das Pakistan-Problem zu lösen", so Obama. "Und wir müssen wirklich unsere Entwicklungshilfe für Afghanistan aufstocken", sprich: afghanische Sicherheitskräfte ausbilden, Schulen, Straßen und Krankenhäuser bauen in dem völlig zerstörten Land. Und für Pakistan? Hier muss die Obama-Regierung Wirtschaftshilfe leisten, um den Lebensstandard dort zu verbessern und so den Nährboden für Terroristen trocken zu legen.
Obama hat auch klar gestellt, dass die USA gegen Taliban und Al Kaida nicht allein gewinnen können. Deshalb will er den Druck auf Amerikas NATO-Partner erhöhen, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Das gilt auch für Deutschland. Bei Bush war es relativ leicht, dazu "nein" zu sagen. Aber wenn Obama anfragt? Schwierig!
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