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US-Präsident Barack Obama

Obamas Rede in der Universität von Kairo

Ein Friedensgruß an die Muslime

Schon seine ersten Worte begeisterten die Zuhörer in der Universität von Kairo, als US-Präsident Obama sie mit "Salam alaikum" - "Friede sei mit Euch" begrüßte. Auch der Verweis auf sein persönliches Verhältnis zum Islam und das Verständnis für die Lage der Palästinenser fanden Zuspruch.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Wohl kaum zuvor wurde ein US-Präsident so enthusiastisch begrüßt wie Barack Obama heute Mittag in der Kairo-Universität. Ein Präsident, der den Friedensgruß der Muslime Amerikas auf arabisch überbrachte und der ein völlig neues Kapitel in den Beziehungen der USA zum Islam beginnen möchte.

"So lange unser Verhältnis von den Differenzen geprägt wird", sagte Obama, "so lange werden wir jene stärken, die Hass säen und Konflikte fördern, statt eine Kooperation zu betreiben, die dabei hilft, allen Menschen Gerechtigkeit und Wohlstand zu bringen. Der Kreislauf von Verdächtigungen und Zwietracht muss ein Ende haben", sagte der US-Präsident.

Stereotypen auf beiden Seiten bekämpfen

Auch in dieser Schlüsselrede, wie in anderen Reden zuvor, verwies Obama auf die eigene Biographie. Er machte deutlich, dass er vom Islam tatsächlich etwas versteht. Er berief sich auf die Geschichte seiner Familie, der zahlreiche Muslime angehören, seine Kindheit in Indonesien und die Bekanntschaft mit Muslimen in den USA, die Würde und Frieden in ihrer Religion finden. Als Präsident der Vereinigten Staaten, betonte Obama, sei er verantwortlich dafür, negative Stereotypen des Islams zu bekämpfen. Umgekehrt forderte er die islamische Welt auf, endlich auch die USA vorurteilsfrei zu betrachten.

Obama in Kairo
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Viele junge Menschen waren im Publikum, um die Rede des US-Präsidenten zu hören.

Mit Verweis auf den US-Militäreinsatz im Irak und damit indirekt auf die Politik der Bush-Regierung sagte er, die USA müssten sich auf Diplomatie und einen internationalen Konsens stützen. Weiter sagte er, die USA wollten keine dauerhaften Militärbasen im Irak und beanspruchten auch nicht das Territorium oder die Bodenschätze. Er habe deshalb angeordnet, alle US-Truppen bis 2012 abzuziehen.

Offene Augen für das Leid der Palästinenser

Mit eindrucksvollen Worten beschrieb er das Leid der Palästinenser. Obama tat es in einer Weise, wie das vermutlich kein US-Präsident je zuvor getan hat. Er sagte, seit mehr als 60 Jahren litten die Palästinenser unter Vertreibung. In Flüchtlingscamps in der Westbank und in Gaza warteten sie auf ein Leben in Frieden und Sicherheit, das sie bislang nicht führen könnten. Sie müssten die täglichen Demütigungen ertragen, die eine Besatzung mit sich bringe. Ihre Situation sei nicht hinnehmbar. Die USA werden dem Wunsch der Palästinenser nach Würde, Chancen und vor allem nach einem eigenen Staat nicht den Rücken zukehren.

Gleichzeitig bekräftige er das Existenzrecht Israels und betonte, dass niemand erwarten könne, gehört zu werden, der dieses Recht nicht uneingeschränkt anerkenne.

Zuschauer enorm beeindruckt von Obamas Rede

Auch das Thema Demokratie traf den Nerv des Publikums. Er glaube, sagte Obama, dass alle Menschen sich nach denselben Dingen sehnten: nach der Freiheit, die eigene Meinung zu äußern, nach Mitbestimmung und Rechtsstaatlichkeit, nach einer transparenten Regierung, die ihr Volk nicht bestehle. Das seien nicht nur amerikanische Ideen, sondern die Rechte eines jeden Menschen.

In seiner knapp einstündigen Rede wurde Obama immer wieder von Zwischenapplaus unterbrochen. Sie hinterließ ganz offensichtlicht einen enormen Eindruck. Am Schluss zitierte der US-Präsident aus dem Koran, der Bibel und dem Talmud. Aber er betonte, dass ihn ein spezieller Glaube treibe. Dieser Glaube sei nicht neu, weder weiß, noch schwarz, christlich, muslimisch oder jüdisch. Es sei der Glaube an die Menschen. Dieser habe ihn nach Kairo geführt.

Stand: 04.06.2009 13:15 Uhr

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