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Der ehemalige Pilot McGee fiebert der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Obamas entgegen. Für den 89-Jährigen ist bereits ein Platz direkt vor dem Kapitol reserviert. Ähnlich wie Obama überwand McGee gesellschaftliche Grenzen: Als Schwarzer flog er im Zweiten Weltkrieg in der von Weißen dominierten US-Airforce.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington D.C.
Die Einladung zu Barack Obamas Amtseinführung kam für Charles McGee überraschend. Bis er den Anruf von Obamas Team erhielt, hatte der 89-Jährige keine Ahnung, dass er auf der exklusiven Gästeliste steht. Das sei eine ziemliche Ehre.
Dabei hätte es sich McGee fast denken können. Er gehört zu einer kleinen Gruppe schwarzer Amerikaner, die bereits sehr früh Rassenschranken überwunden hat. Schon 1942 wurde er Pilot bei der US-Airforce. Das ist bemerkenswert. Denn eigentlich hielt es die damalige militärische Führung in den USA für unmöglich, daß auch Afro-Amerikaner Kampfjets fliegen können. Eine sogenannte "Studie" aus dem Jahr 1925 besagte, Schwarze hätten nicht die nötige Hirnkapazität für technische Zusammenhänge, erzählt McGee. Schwarze wären demnach moralisch so verfasst, dass sie unter Druck die Flucht ergreifen würden.
Als "Fakten" habe die damalige Militärführung diese Behauptungen verkauft, erinnert sich McGee. Es gab aber auch noch andere, echte Fakten. Die USA befanden sich 1942 seit einem Jahr im Krieg gegen Deutschland. Das Problem: es gab nicht genügend weiße Piloten. Also wagte die US-Armee ein - aus ihrer Sicht - Experiment.
Sie bildete schwarze Piloten aus, auf einer streng von Weißen getrennten Luftwaffenbasis. Aber nicht nur Flieger, sondern auch Mechaniker, Funker, Sanitäter - die ganze Mannschaft musste schwarz sein. Denn es herrschte strikte Rassentrennung. Und siehe da: Afroamerikaner lernten fliegen und beschützten im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Abwehrstaffel Bomber, die von weißen Airforce-Piloten geflogen wurden.
[Bildunterschrift: Charles McGee flog in seiner 30-jährigen Zeit bei der US-Airforce unter anderem eine P-51 Mustang als Begleitschutz für amerikanische Bomber. ]
"Die Hautfarbe hat nichts mit der Fähigkeit zu tun", sagt McGee. "Es kommt auf Ausbildung und Chancen an." Ganz aufrecht sitzt der 89-Jährige auf seinem Sofa. Seine Haare sind grau, aber sein hohes Alter ist ihm weder anzusehen noch anzumerken. Er braucht keinen Stock zum Laufen, formuliert sehr präzise und zeigt an keiner Stelle im langen Gespräch Ärger oder gar Wut über die Unterstellung von damals, Schwarze seien schlicht zu blöd zum Fliegen.
Das sei halt so gewesen, meint der Veteran achselzuckend. Und mit ruhigem Selbstbewusstsein fügt er hinzu: Wir haben uns durchgesetzt und die Einstellung der anderen so verändert, dass wir Chancen bekommen haben.
1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, legte die Airforce die schwarzen und weißen Fliegerstaffeln zusammen. Die Rassentrennung im Militär kostete schlicht zu viel Geld. Bis die Rassentrennung auch im Rest der USA aufgehoben wurde, dauerte es aber bis 1964. McGee blieb 30 Jahre lang bei der Airforce.
Nicht nur im Zweiten Weltkrieg kämpfte er für sein Land, sondern auch in Korea und Vietnam. Er hat Barrieren überwunden, genauso wie der künftige US-Präsident Barack Obama. Dass jemand mit schwarzer Hautfarbe Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte, damit hat der Veteran, zumindest zu seinen Lebzeiten, nicht gerechnet.
Wie wird es dem langjährigen Flieger wohl am kommenden Dienstag gehen, wenn er bei der Vereidigung von Barack Obama zugucken kann? "Es dürfte schwer sein, nicht emotional zu werden", sagt McGee. "Es wird schwer sein zu begreifen, dass vor dem Kapitol ein Mann steht, der in das Weiße Haus einzieht, das von Sklaven gebaut wurde. Und der das Land führen wird als Präsident aller Menschen und nicht nur einiger."
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