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Das Treffen von US-Präsident Obama mit dem Dalai Lama hat die Spannungen in den Beziehungen zwischen Washington und Peking deutlich verschärft. Die chinesische Regierung nannte das Treffen eine Einmischung in innere Angelegenheiten und bestellte den US-Botschafter ein.
Von Birgit Eger, ARD-Hörfunkstudio Schanghai
Wenn der Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen CCTV eine Meldung ohne Bilder vorliest, wird's ernst. So war es auch in der Nachrichtensendung am Mittag. Denn nur wenige Stunden nach dem Treffen in Washington hatte das Außenministeriums in Peking eine Stellungnahme verbreiten lassen: Die chinesische Regierung verurteile die Begegnung des US-Präsidenten mit dem Dalai Lama scharf. Es sei eine Einmischung in innere Angelegenheiten und verstoße gegen diplomatische Regeln. Die Vereinigten Staaten hätten immer beteuert, Tibet als einen Bestandteil Chinas anzuerkennen und die Unabhängigkeitsbestrebungen der Tibeter nicht zu unterstützen. Mit dem Treffen habe Barack Obama seinen eigenen Behauptungen widersprochen. Die USA sollten aufhören, die so genannten anti-chinesischen Separatisten zu dulden.
[Bildunterschrift: Der Dalai Lama nach seinem Treffen mit US-Präsident Obama. ]
Am Morgen bestellte auch das chinesische Außenministerium den amerikanischen Botschafter in Peking ein, um seinem Protest Nachdruck zu verleihen. Eine offizielle Reaktion dieser Art war erwartet worden. Die Wortwahl entspricht der üblichen Rhetorik, wenn es um Tibet geht. Denn tatsächlich ist China bei diesem Thema ausgesprochen empfindlich. Aus chinesischer Sicht ist Tibet ein untrennbarer Bestandteil Chinas und alle Unabhängigkeitsbestrebungen werden bekämpft. Der Dalai Lama wird als Schurke und Separatist beschimpft. Jedes Staatsoberhaupt, das ihn empfängt, muss mit scharfen Reaktionen aus Peking rechnen.
Dabei ist es auch im Weißen Haus schon seit fast 20 Jahren Tradition, den Dalai Lama zu empfangen. Die Treffen fanden jedes Mal in kleinem Rahmen und unter genauer Beobachtung der Chinesen statt. So auch gestern.
Um weiterem diplomatischen Ärger vorzubeugen, hatte Obama das geistliche Oberhaupt der Tibeter im Kartenraum des Weißen Hauses empfangen. Damit gab er dem Treffen einen privaten Charakter. Anschließend wurden keine offiziellen Pressetermine vereinbart. Die chinesischen Zeitungsjournalisten nahmen das positiv zur Kenntnis. Trotzdem gehen die Kommentatoren davon aus, dass sich die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern in diesem Jahr noch weiter abkühlen werden.
Zwischen den USA und China gibt es zurzeit Differenzen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene. Handelsstreitigkeiten, das Thema Internetzensur, Waffenverkäufe an Taiwan und der Atomstreit mit dem Iran belasten das Verhältnis.
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