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Berührend und beeindruckend, offen und nüchtern - so schätzen Politiker, Diplomaten und Experten Obamas Antrittsrede ein. Gelobt wird, dass er seine Landsleute zum Schulterschluss aufrief und Argumenten statt Waffen den Vorrang in der Außenpolitik geben will. Doch es gab auch Kritik. tagesschau.de hat einige Aussagen zusammengestellt.
[Bildunterschrift: Beeindruckt hat Obama nicht nur die vielen Zuschauer vor dem Kapitol, sondern auch viele Politiker und Diplomaten. ]
Knapp 19 Minuten hat sich Barack Obama nach seinem Amtseid Zeit genommen, um zu skizzieren, wie er als neuer US-Präsident die Herausforderungen für Amerika bewältigen will. Die Reaktionen fielen überwiegend positiv aus, vor allem was die Stimmung angeht, die Obama den etwa zwei Millionen Zuschauern vor dem Kapitol in Washington vermittelte.
Emotional berührt zeigten sich auch sonst eher sachliche Diplomaten: "Ich bin persönlich berührt und beeindruckt. Ich bin, muss ich sagen, auch beeindruckt von der Nüchternheit, mit der der neue Präsident gestern Amerika auf die wirklich unglaublich schwierigen Aufgaben der nächsten Monate und Jahre hingewiesen hat", sagte Wolfgang Ischinger, ehemaliger Botschafter in den USA, im Deutschlandfunk. "Das war eine Ruck-Rede", fügte er mit Hinweis auf eine Ansprache des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog im Jahre 1997 hinzu.
Obwohl Obama die Probleme offen angesprochen habe, habe er kein sehr düsteres Bild der Lage gezeichnet, meinte der emeritierte Politikwissenschaftler Ekkehart Krippendorff. Nicht die Krise sei der Mittelpunkt der Rede gewesen, sondern die Zuversicht, dass die Probleme gelöst werden können und dies mit Bezug auf die historischen Vorbilder in der US-Geschichte, so Krippendorf im Deutschlandradio Kultur. Die Rede sei "eine Wiederbekräftigung der historischen Mission der USA" gewesen.
Doch genau dies ist einer der wenigen Kritikpunkte, die es an der Rede gibt: "Obama hat nicht detailliert über seine Vorhaben gesprochen. Das fehlte mir ein bisschen", erklärte Steven Sokol, Vizepräsident des "American Council on Germany". Auch viele Börsianer in den USA zeigten sich enttäuscht, dass Obama keine Einzelheiten über den Kampf gegen die Wirtschaftskrise genannt hat. "Ich denke, dass die Leute auf neue Pläne oder Hoffnungen gewartet haben", sagte Joe Saluzzi vom Handelshaus Themis Trading.
Der Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank relativierte die Hoffnungen, die viele auf die Rede gesetzt hatten. So charismatisch Obama auch sei, "einen Zauberstab hat auch er nicht, mit dem die zahlreichen Probleme über Nacht gelöst werden könnten".
Barack Obama wird als Präsident der USA vereidigt. [flash]
Deshalb lobt Yvette D. Clark, demokratische Kongressabgeordnete aus New York, dass Obama für die Unterstützung aller geworben habe. Die Aufgabe sei "zuviel für einen Menschen, aber da wir eine Demokratie sind, müssen wir das alle tragen. Das ist der Grund, weshalb sie in diesen Tagen eine solche Menschlichkeit in Washington erleben", sagte sie im Deutschlandfunk.
Hoffnung auf eine neue Form der Zusammenarbeit leiten auch viele Europäer aus der Rede Obamas und seinen Erklärungen vor der Amtsübernahme ab. Er hoffe, dass Krisen wie jene im Nahen Osten künftig gemeinsam bewältigt würden, sagte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn im RBB-Inforadio: "Was den Einsatz der Europäer angeht, wird es nicht einfacher. Aber was sich ändern wird und muss, ist die Psychologie. Es kann nicht sein, dass die Amerikaner mit der Fahne in der Hand vorweggehen und die Europäer hinterher marschieren müssen."
Interessant seien Obamas Worte gewesen, dass die außenpolitischen Probleme nicht mit Waffen gelöst werden könnten, sagte Asselborn. Das bedeute, dass Geduld und Argumente notwendig seien, um die Gerechtigkeit zu verteidigen und dass man dies mit einer gewissen Bescheidenheit tun müsse.
Bemerkenswert ist der Umgang Chinas mit den Worten Obamas über die Führer in der Welt, "die sich durch Korruption und Täuschung oder dadurch an die Macht klammern, dass sie abweichende Meinungen zum Schweigen bringen". Diese Worte wurden in einigen Übersetzungen einfach weggelassen. In Nordkorea allerdings war die Amtsübernahme überhaupt kein Thema. Es wurde schlichtweg nicht darüber berichtet, meldeten südkoreanische Medien.
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