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Entwicklung der US-Verteidigungspolitik
Drohnenkrieger Obama
Für US-Präsident Obama läuft das Wahljahr bisher nicht berauschend: Vergangene Woche wurden wieder miserable Arbeitsmarktdaten gemeldet. Das einzige, was einigermaßen klappt, ist die Bekämpfung des Terrornetzwerks Al Kaida. Doch auch diese Erfolge sind mit Vorsicht zu genießen.
Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass der amerikanische Präsident persönlich hinter einer Welle von Cyberangriffen auf den Iran stehe. Und gestern erfuhr die Weltöffentlichkeit, dass bei einem US-Drohnenangriff die Nummer zwei des Terrornetzwerkes Al-Kaida, Abu Jahia al Libi, ums Leben gekommen sei.
Die Folge: Vor allem seine Anhänger preisen Barack Obama jetzt als einen erfolgreichen Oberbefehlshaber im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und gegen feindliche Regierungen.
Al Kaida schwer angeschlagen
Das passt den Medienstrategen des Weißen Hauses in Zeiten des Wahlkampfs nur zu gut in ihr Konzept. Für die Amerikaner ist die Tötung des mutmaßlichen Top-Terroristen Al Libi ein riesiger Erfolg - das stellt natürlich auch Regierungssprecher John Carney so dar: "Er war als Führer und Top-Manager für das operative Geschäft bei Al-Kaida zuständig." Und wegen seiner großen Erfahrung sei er für das Terrornetzwerk nur schwer zu ersetzen, so Obamas Sprecher.
Al Libi war für die Amerikaner einer der gefährlichsten Terroristen. Mehrfach hatte er in Video-Botschaften zu Angriffen auf US-Ziele und zur Ermordung von Amerikanern aufgefordert. Für seine Ergreifung war eine Belohnung von einer Million Dollar ausgesetzt.
Obamas Drohnen töten Al Kaidas Nummer zwei
K. Kastan, BR Washington
06.06.2012 05:33 Uhr
Jeder Einsatzbefehl kommt von Obama persönlich
Dass auch Al Libi jetzt bei einem Raketen-Angriff von einem unbemannten Flugzeug aus ums Leben kam, zeigt, wie effizient Obamas neue Strategie ist. Jede gezielte Tötung eines Terroristen muss vom Präsidenten persönlich genehmigt werden. Und es war Obama, der während seiner Amtszeit den Einsatz von Drohnen forciert hat.
Damit hat sich der Präsident und Friedensnobelpreisträger im politischen Alltag von einer ganz anderen Seite gezeigt. Und das hat einen guten Grund. Der Sicherheitsexperte und ehemalige Mitarbeiter im Weißen Haus, Vali Nasr. "Jeder dachte doch, dass es das einzige Bestreben von Obama ist, die Truppen aus Afghanistan und aus dem Irak zurückzuziehen, und dass er ein Anti-Kriegs-Präsident ist, dass er kein weiteres militärisches Engagement in dieser Krisenregion wünsche", so Vali Nasr. Doch da hätten sich viele in Obama getäuscht.
Feinde Amerikas billiger besiegen
Der Journalist David Sanger hat in dieser Woche erst ein Buch über die geheimen Kriege des Präsidenten veröffentlicht. Im Fernsehsender CNN meinte er hierzu: "Der Präsident verfolgt eine Strategie, die lautet: Wir müssen mit den Feinden Amerikas fertig werden, ohne 100.000 Soldaten in ein Krisengebiet zu schicken oder Billionen von Dollar auszugeben. Und obendrein auch noch ein fremdes Land zu besetzen."
Obama will den Terrorismus vor allem auch mit dem Drohnenkrieg bezwingen. Und sein zweiter geheimer Krieg findet im Internet statt: Mit Computerviren und anderen Schadprogrammen bekämpfte er das in der westlichen Welt verhasste iranische Atomprogramm.
US-Regierung bestätigt Tod von Al-Kaida-Führer Abu Jahia al Libi
tagesschau 12:00 Uhr, 06.06.2012, Karin Dohr, ARD Washington
Al Kaida beständig unter Druck
Drohnenkrieg und Cyber-Attacken sind zurzeit die schärfsten Waffen des US-Präsidenten im Kampf gegen den Terrorismus und gegen gefährliche Regierungen. Doch ob das auf Dauer gut geht? Kritiker sind da skeptisch, sie argumentieren: Mit Drohnenangriffen könne man zwar kurzfristige Erfolge erzielen, doch mit dem Einsatz der unbemannten Flugkörper würden sich die USA langfristig eher noch mehr Feinde schaffen.
Das Weiße Haus konterte, dass allein in der vergangenen Zeit seien bei Drohnenangriffen über zwölf Al-Kaida-Terroristen getötet und die USA damit ein Stückchen sicherer geworden.
Stand: 06.06.2012 05:15 Uhr
