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Romney und Obama im TV-Duell

Präsidentschaftswahlkampf in den USA

Nach zwei Debatten steht es Unentschieden

Jetzt steht es Unentschieden - das ist das Urteil der meisten Beobachter nach dem zweiten TV-Duell zwischen US-Präsident Obama und Herausforderer Romney. Vor allem zwei Themen beherrschen die Diskussion: Der Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi - und Mitt Romneys "Ordner voller Frauen".

Von Rolf Büllmann, BR-Hörfunkstudio Washington

Am Tag nach dem zweiten Fernsehduell der beiden Präsidentschaftskandidaten lautet das vorherrschende Urteil: Punkt für Barack Obama, nach zwei Debatten steht es nun unentschieden. Allerdings sind sich die Analysten ebenso weitgehend einig, dass Obamas Sieg gestern nicht so deutlich ausfiel wie der von Mitt Romney vor zwei Wochen bei der ersten Debatte. Von den elf Themen, die gestern insgesamt angesprochen wurden, wird heute vor allem noch über zwei diskutiert.

Eines ist die Frage der Gleichberechtigung. Mitt Romney berichtete davon, wie er in seiner Zeit als Gouverneur versucht hat, Frauen in verantwortungsvoller Position zu beschäftigen: "Ich bin zu einigen Frauengruppen gegangen, und habe gefragt: könnt ihr mir helfen, und ich hatte ganze Ordner voll mit Frauen." Diese Formulierung - "Ordner voller Frauen" - kam nicht gut an. Noch während der Debatte wurde darüber im Internet geschimpft: ob Romney wirklich glaube, es sei ein Erfolg der feministischen Bewegung, wenn er einen Ordner voller Frauen auf seinem Schreibtisch liegen hat und dann den Job nach seinem Gutdünken vergibt.

Harter Schlagabtausch zwischen Obama und seinem Herausforderer Romney
tagesthemen 23:00 Uhr, 17.10.2012, Stefan Niemann/Sarah Tacke, ARD Washington

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Romneys Fehler beim Thema Libyen

Doch während diese unglückliche Formulierung vielleicht noch der Hitze des Gefechts geschuldet war, ist ihm beim zweiten immer wieder diskutierten Themenbereich - beim Thema Libyen - ein echter Fehler unterlaufen. Präsident Obama sagte, schon am Tag nach dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi habe er von einem "Akt des Terrors gesprochen", und Romney glaubte, den Präsidenten bei einer Falschaussage erwischt zu haben. Zweimal fragte er nach.

Doch wie sich herausstellte, lag Romney falsch: Ganz unabhängig davon, dass die Regierung lange gebraucht hat, um Klarheit über die Angriffe zu finden: Am Tag danach hat Obama tatsächlich von einem Akt des Terrors gesprochen, und die Moderatorin hat das in der Live-Sendung klargestellt. Romney war erkennbar auf dem falschen Fuß erwischt, zumal Obama ihn schon davor direkt angegriffen hatte: "Die Andeutung, dass irgendjemand in meinem Team die Unwahrheit sagen könnte, wenn wir vier Tote zu beklagen haben, ist beleidigend. So was tun wir nicht, so etwas tue ich als Oberbefehlshaber nicht."

Auch den Republikanern war klar, dass das der stärkste Moment von Barack Obama in der Debatte war, und der schwächste von Mitt Romney. Heute versuchen sie, nachträglich Schadensbegrenzung zu betreiben: Sie betonen, dass es ja tatsächlich viel länger gedauert hat, bis die Wahrheit über den Angriff von Bengasi bekannt wurde. John Sununu, früher Gouverneur und dann enger Mitarbeiter von George Bush Senior im Weißen Haus sagte: "Der Präsident ist letzte Nacht dabei erwischt worden, wie er lügt - und ich finde, die Welt sollte das wissen!"

Hanni Hüsch (NDR) mit Einschätzungen zum zweiten TV-Duell
tagesschau 12:00 Uhr, 17.10.2012

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"Der hat ja noch mehr genervt als ich"

Insgesamt waren die Republikaner wohl nicht überrascht von Obamas angriffslustigem Auftritt - der war allgemein erwartet worden. Aber beeindruckt waren sie schon. Rob Portman ist der Mann, der bei den Übungsdebatten für Mitt Romney den Part von Barack Obama übernommen hat. Seine Aufgabe dabei: Romney richtig auf die Nerven gehen. Nach der Debatte sagte Portman über Obama: "Der hat ja noch mehr genervt als ich!"

Was die Demokraten natürlich anders sehen. Für sie hat der Präsident nicht genervt, sondern schlichtweg gepunktet. Das sagt auch Stephanie Cutter vom Wahlkampfteam des Präsidenten: "Ich glaube, der Präsident hat die Debatte dominiert; Amerika hat einen kraftvollen, entscheidungsstarken Anführer gesehen."

Obama in Umfragen knapp vorne

Und das scheint auch die Meinung einer knappen Mehrheit gewesen zu sein. In einer CNN-Umfrage nach der Debatte - bei der je ein Drittel der Teilnehmer Republikaner, ein Drittel Demokrat, und ein Drittel unentschlossen war - lag Obama vorne, mit 46 Prozent Zustimmung gegenüber 39 Prozent Zustimmung für Romney. Ähnlich knapp das Ergebnis einer Umfrage von CBS unter noch unentschlossenen Wählern: auch hier ein Plus von sieben Punkten für Obama.

Allerdings gilt für beide Umfragen: Zieht man die Fehlermarge ab, reduziert sich der Vorsprung deutlich. Aber es bleibt ein Vorsprung, und damit eben ein Punkt für Obama. Die nächste Debatte findet in der Nacht von Montag auf Dienstag statt, und danach sind es nur noch zwei Wochen bis zur Wahl.

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Dieser Beitrag lief am 17. Oktober 2012 um 07:08 Uhr auf NDR Info.

Stand: 17.10.2012 15:53 Uhr

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