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Zweites TV-Duell gegen Romney
Obama schaltet auf Angriff um
Drei Wochen vor der US-Präsidentenwahl haben sich Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney in ihrem zweiten Fernsehduell einen lebhaften Schlagabtausch geliefert. Obama gab sich von Beginn an angriffslustig und kritisierte Romneys Vorschläge zur Belebung der Wirtschaft. Der Plan seines Rivalen sehe lediglich eigene Regeln für die Oberschicht vor. "Er hat einen Ein-Punkte-Plan, und das ist, sicherzustellen, dass für die Leute an der Spitze andere Regeln gelten."
Streit um Steuern und Staatsverschuldung
Romney machte Obama dagegen für die stagnierende Wirtschaft verantwortlich. Die Mittelschicht habe unter der Politik des Präsidenten in den vergangenen vier Jahren gelitten, sagte er. "Ich weiß, was nötig ist, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Ich weiß, was nötig ist, um wieder gute Jobs zu schaffen." Der Präsident erwiderte, dass sich das Land nach der schweren Rezession erhole. Unternehmen hätten in den vergangenen 30 Monaten fünf Millionen neue Jobs geschaffen. Romney habe die US-Autoindustrie in die Pleite schicken wollen. "Ich sage, wir setzen auf die amerikanischen Arbeiter", sagte Obama.
Der Republikaner attackierte den Präsidenten dagegen wegen der Staatsverschuldung. Mit Blick auf die Schuldenkrise in der Eurozone sagte er, Obama führe die USA "auf die Straße nach Griechenland". In der Steuerpolitik wehrte sich Romney gegen Vorwürfe, die Abgabenlast für die höchsten Einkommen auf Kosten der Mittelschicht zu senken. "Ich strebe keine Steuersenkungen für reiche Leute an", sagte er. Obama bekräftigte, dass die Reichen "etwas mehr tun" müssten zur Sanierung des Staatshaushalts. Dagegen würden 97 Prozent der Haushalte und kleinen Unternehmen in den USA unter seiner Regierung nicht stärker belastet. Dem Republikaner warf er vor, die Wähler im Unklaren darüber zu lassen, welche Vergünstigungen er für die Finanzierung seiner Steuerpläne abschaffen wolle.
"Was Romney sagt, ist nicht wahr"
Außerdem warf der Präsident dem Republikaner vor, sich seine Energiepolitik von der Ölindustrie diktieren zu lassen. Romney erwiderte, Obama behindere die Öl- und Erdgasförderung in den USA. Obama konterte scharf und sagte: "Was Romney sagt, ist nicht wahr." Die Ölproduktion in den USA sei gestiegen. Die USA importierten weniger Öl und Erdgas als zuvor.
Mehrfach unterbrachen sich die Kontrahenten gegenseitig, vor allem Obama griff Romney auch direkt an: Der Republikaner verdrehe die Tatsachen etwa in der Energie- und Sozialpolitik und mache den Wählern Steuerversprechen, die er nicht halten könne. Romney dagegen hielt dem Präsidenten vor, in seinen vier Jahren im Weißen Haus viele Zusagen gebrochen zu haben. "Als er sich um das Amt bewarb, sagte er, er könne das Defizit halbieren. Stattdessen hat er es verdoppelt", sagte Romney.
Romney greift Obama wegen Libyen-Anschlags an
Auch die Tötung des US-Botschafters Chris Steven und dreier weiterer Menschen in Libyen provozierte eine harte Auseinandersetzung. Romney hielt der Obama-Regierung vor, zunächst verschleiert zu haben, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt hätte. Obamas Umgang mit dem Angriff stelle die gesamte Politik des Präsidenten gegenüber der arabischen Welt in Frage, sagte Romney. Obama zeige in der Region keine Führungsstärke und entschuldige sich für die USA. "Diese Strategie löst sich gerade vor unseren Augen auf", erklärte Romney.
Obama deutlich aggressiver als im ersten TV-Duell
A. Engelke, NDR Washington
17.10.2012 06:18 Uhr
Obama versprach dagegen ein hartes Vorgehen gegen die Drahtzieher des Angriffs. "Wir werden herausfinden, wer das gemacht hat, und wir werden sie zur Strecke bringen", sagte er. Seinem Herausforderer warf der Präsident vor, politisches Kapital aus dem Angriff schlagen zu wollen. Romney habe die Regierung schon kritisiert, bevor die Opferzahl festgestanden habe. "Während wir noch mit unseren bedrohten Diplomaten beschäftigt waren, hat Gouverneur Romney eine Presseerklärung herausgegeben", sagte er. Bewaffnete Angreifer hatten am 11. September das US-Konsulat in Bengasi angegriffen. Dabei wurden der Botschafter und drei weitere US-Bürger getötet.
Die zweite TV-Debatte fand in Form eines "Townhall-Meetings" statt, bei dem unentschlossene Wähler Fragen an den Präsidenten und seinen Herausforderer stellen. Das Meinungsforschunginstitut Gallup hatte die 80 Teilnehmer vorab ausgewählt. CNN-Moderatorin Candy Crowley moderierte die Debatte auf dem Campus der Hofstra University im US-Staat New York.
Bei der ersten Debatte am 3. Oktober hatte der Amtsinhaber einen überraschend passiven Eindruck hinterlassen und liegt seitdem in Umfragen hinter oder gleichauf mit Romney. Auch das Vertrauen der Amerikaner in ihren Präsidenten hat in wichtigen Punkten wie der Wirtschaftspolitik gelitten.
Stand: 17.10.2012 05:19 Uhr
