Kommentar

Plakat mit Barack Obama und Raúl Castro | Bildquelle: AP

Obama besucht Kuba Jetzt ist Raul Castro dran!

Stand: 21.03.2016 05:08 Uhr

Präsident Obama streckt seine Hand nicht ohne Eigennutz aus. Er will als Präsident in die Geschichte eingehen, der die Eiszeit zwischen den USA und Kuba beendet hat, schreibt unser Kommentator Andreas Horchler. Viel Zeit bleibe nicht. Nun sei Kubas Präsident Castro am Zug.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington, zzt. Havanna

Es war ein Tag für die Geschichtsbücher, ohne Zweifel. Aber auch ein holpriger Start. Obama landet in Havanna, nach einem sonnigen Tag fängt es an zu regnen. Präsident Raul Castro empfängt den US-Präsidenten nicht, sondern schickt seinen Außenminister. Die Obamas besuchen die Altstadt, die Botschaft, die Kathedrale. Die Castro-Regierung ist weitgehend abwesend. Die "Damen in Weiß", eine Dissidentengruppe, protestieren in Havanna. Sie werden unsanft festgenommen.

Ein Muskelspiel Castros am Tag des historischen Besuchs. Die Botschaft: Obama ist willkommen, der Kapitalismus seines Heimatlandes nicht. Die meisten Kubaner, Durchschnittseinkommen weniger als 50 Euro im Monat, begrüßen den Präsidenten und seine Mission, ihr Leben etwas leichter, etwas besser zu machen. Und immerhin: Ihre Verwandten, die oft vor Jahrzehnten in die USA geflüchtet sind, dürfen ihnen jetzt mehr Geld schicken. Es gibt wieder einen Postverkehr, auch Zahlungen zwischen beiden Ländern werden leichter.

US-Präsident Barack Obama und Kubas Außenminister Bruno Rodriguez | Bildquelle: REUTERS
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US-Präsident Barack Obama und Kubas Außenminister Bruno Rodriguez.

Spott und Wut der Republikaner

Die kühle Schulter Castros zur Begrüßung des Präsidenten hilft Obama nicht gerade. Seine Öffnung gegenüber der kommunistisch regierten Insel wird gerade von den US-Republikanern mit Spott und Wut bedacht. Wie kann er nur mit den Verbrechern von Havanna gemeinsame Sache machen? Es ist, als  wolle Castro solche Rückschritte im gerade besser werdenden Verhältnis beider Länder postwendend wieder aufs Spiel setzten.

Jedenfalls kommentiert Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, Castro habe doch den Papst begrüßt. Einfach kein Respekt vor Obama! Die Mehrheit der Amerikaner ist noch für eine Öffnung nach Kuba. Das könnte sich ändern.

Die Verbesserung des Verhältnisses beider Länder fußt besonders auf der Initiative Obamas. Jetzt ist Castro dran. Er sollte bei Gesprächen mit Obama, gemeinsamen Auftritten und einem Staatsdinner zeigen, dass auch er es ernst meint mit den Veränderungen. Das muss kein Kapitalismus über Nacht sein. Mehrere Meinungen aushalten schon. Den Wunsch eines Staatsgastes respektieren, sich mit Regimekritikern zu treffen auch. Die Einsicht, Abschied davon zu nehmen, dass der Staat fast alles, die Menschen fast nichts besitzen, auch.

Obama will Geschichte schreiben

Präsident Obama streckt seine Hand nicht ohne Eigennutz aus. Er schreibt sein Erbe und möchte als der Präsident in die Geschichte eingehen, dem es gelungen ist, zwei Generationen Eiszeit zwischen den USA und der Karibikinsel zu beenden.

Viel Zeit ist nicht. Schon in zehn Monaten wird im Weißen Haus Präsident Nummer 45 sitzen - und möglicherweise nicht an Kuba interessiert sein oder der Insel feindlich gegenüber stehen.

Kommentar: Obamas erster Tag in Kuba
Andreas Horchler, ARD Washington, zzt. Havanna
21.03.2016 04:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. März 2016 um 09:00 Uhr.

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